Tui-Geschäftsabschluss
Reisen allein genügt nicht

Aschewolke, Restrukturierung und Russlandengagement: Trotz des guten Reisegeschäfts schreibt Europas größter Reisekonzern Tui in der Touristik wieder einmal keine schwarzen Zahlen. Lediglich die Ex-Tochter und derzeitige Beteiligung Hapag-Lloyd bewahrt das Unternehmen vor Schlimmerem - und entscheidet außerdem über die zukünftige Entwicklung von Tui.
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HANNOVER. Einmal mehr verdankt Europas größter Reisekonzern Tui seinen positiven Geschäftsabschluss der Ex-Tochter und derzeitigen Beteiligung Hapag-Lloyd. Nachdem die Containerschiffsreederei im vergangenen Jahr mit Milliardenspritzen vor der Insolvenz bewahrt worden ist, sind es am Ende des Geschäftsjahres 2009/2010 ausschließlich ihre stürmischen wirtschaftlichen Erfolge im Nachkrisenjahr, die Tui schwarz schreiben lassen. Zudem hängt die weitere Zukunft des künftig "reinrassigen" Touristikkonzerns davon ab, zu welchen Konditionen er sich von seiner verbliebenen Schifffahrtsbeteiligung trennen kann.

Tui-Vorstandschef Michael Frenzel feierte am Dienstag bei der Präsentation der Bilanz in der Konzernzentrale in Hannover seine operativen Ergebnisse im Reiseveranstalter-, Hotel- und Kreuzfahrtensektor. Im Kerngeschäft Touristik stieg das bereinigte Ebita demzufolge um 14 Prozent auf stolze 640 Millionen Euro. Doch durch viele Belastungen und Restrukturierungskosten sowie den "erheblichen Aufwand" (Frenzel) etwa für neues Geschäft in Russland zerrinnen bei der Tui die im Reisegeschäft erzielten Millionen auch in diesem Jahr.

Hinzu kam die Aschewolke, die im Frühjahr nach dem Vulkanausbruch auf Island teure Rückholaktionen der Urlaubsgäste erforderlich machte. Sie schmälerten laut Konzernberechnungen das Ergebnis um 127 Millionen Euro. Und damit hätte Tui unter dem Strich ohne die 150 Millionen aus der Hapag-Beteiligung, die im Geschäftsjahr bei 43,3 Prozent lag, wieder einmal rote Zahlen geschrieben.

Auf Betreiben des ungeliebten norwegischen Großaktionärs John Fredriksen hatte Frenzel 2008 den Verkauf der hundertprozentigen Reederei-Tochter an das Hamburger Konsortium Albert Ballin eingeleitet. Gesellschafter sind neben der Stadt Hamburg Banken und Versicherungen sowie der Logistikunternehmer Klaus Michael Kühne. Der Deal wurde im Krisenjahr nur perfekt, weil Tui 43 Prozent der Hapag-Anteile behielt.

Finanzvorstand Horst Baier machte am Dienstag deutlich, dass bei aller Begeisterung für ein gutes operatives Geschäft der Schuldenabbau zu den großen Themen bei Tui gehört, wenn sich das Unternehmen im nächsten Jahr von seiner Hapag-Beteiligung lösen kann. Der Konzern erhofft sich bessere Ratings und damit mehr finanzielle Spielräume. Auf Dividenden müssen die Aktionäre ohnehin weiter warten.

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