Tui und das Last-Minute-Geschäft Urlaubsziel Türkei drohen Engpässe

Die politische Krise in der Türkei schreckte auch die Reiseveranstalter. Sie senkten ihre Kapazitäten am Bosporus. Das rächt sich nun: Trotz der Konflikte wird das vorgehaltene Betten- und Flugangebot der Konzerne knapp.
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Der weltgrößte Reisekonzern Tui hat trotz der Türkei-Krise im dritten Geschäftsquartal weiter zugelegt. Quelle: dpa
Tui

Der weltgrößte Reisekonzern Tui hat trotz der Türkei-Krise im dritten Geschäftsquartal weiter zugelegt.

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DüsseldorfUrlaubskapriolen 2017: Kaum vier Wochen ist es her, da warnte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) Reisende davor, „dass deutsche Staatsbürger in der Türkei vor willkürlichen Verhaftungen nicht mehr sicher sind“. Doch seinen Landsleuten scheint das egal, wie Tui-Chef Fritz Joussen am heutigen Donnerstag bei der Präsentation seiner Neunmonatszahlen durchblicken ließ. „Das Last-Minute-Geschäft für die Türkei zieht derzeit so stark an“, sagte er, „dass wir dort in der Zukunft sogar mit Engpässen rechnen müssen.“

Noch bis Ende Mai sah es für das Land, das bei deutschen Touristen traditionell zu den beliebtesten Ferienzielen gehört, düster aus. Nur 864.000 Bundesbürger zählte das Tourismusministerium in Ankara in den ersten fünf Monaten des Jahres – und damit ein Viertel weniger als im Vorjahr. 2015 waren noch fast doppelt so viele Deutsche ins Land gereist. Entsprechend zurückhaltend hatten sich Reisekonzerne wie Tui, Thomas Cook („Öger“, „Neckermann“) oder DER Touristik für die laufende Saison mit Hotel- und Flugkapazitäten eingedeckt.

Doch nicht nur die Rückkehr der Russen an Kleinasiens Küste und Preissenkungen um 30 bis 40 Prozent füllen allmählich wieder die Hotels. Auch Horrormeldungen aus Spanien, das zuletzt von der Türkeikrise profitierte, dem Andrang von Touristen aber kaum noch standhält, machen das Land am Bosporus wieder zur Reisealternative.

Das alles steckt in Tui drin
Markendschungel
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Mehr Geschäfte als man denkt: Der Tourismuskonzern Tui führt Marken in fast jedem Reise-Bereich – Fluggesellschaften, Hotels, Reiseportale, Kreuzfahrtschiffe.

Die Tui-Sparten
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Der Pool, aus dem Tui-Chef Fritz Joussen schöpft ist groß, die aktuelle Problematik, alle Marken zusammenzuführen auch. Eine Übersicht der Tui-Sparten.

Robinson Club
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Cluburlaub bitte: Zu Tui gehören im Hotelbereich unter anderem die Robinson-Residenzen. Diese gehören sowohl im Preissegment als auch im Bekanntheitsgrad weltweit zur gehobenen Klasse. Robinson wirbt unter anderem mit Programm für junge Leute, Kinder und Erholung für Ältere.

Riu Hotels
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Neben Robinson führt Tui noch die Riu-Hotels, so wie dieses in Mexiko. Zudem gehören Grupotel, Tui Blue und Iberotel zum Geschäft des Tourismus-Riesen. Doch Tui kann nicht nur groß und „protzig“...

Dorfhotel
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Es geht auch kleiner, idyllischer als in Mexiko wie hier im Dorfhotel Fleesensee. Der Hotelbereich von Tui ist groß, doch nicht der einzige – eine weitere Sparte ist die der Kreuzfahrten.

Tui Cruises
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Mein Schiff, Traumschiff? Zu Tui gehört Tui Cruises und damit mehrere Kreuzfahrtschiffe. Im Unterschied zum Konkurrenzschiff Aida beispielsweise setzt Tui auf eine ältere Zielgruppe, die Erholungs- statt Partyurlaub bevorzugt.

Mehr Kreuzfahrer
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Hier sollen die Tui-Gäste den Ausblick aufs Meer genießen. Tui Cruises ist allerdings nur eine der Gesellschaften, die Kreuzfahrten unter der Dachmarke Tui anbieten. Es gibt noch Hapag-Lloyd sowie Thomson Cruises. Thomson ist das britische Pendant zum deutschen Tui...

In Spanien brechen die Touristenzahlen derzeit alle Rekorde. Im ersten Halbjahr reisten mit 36,3 Millionen Gästen so viele Ausländer ein wie nie zuvor. Bei einem Plus von 11,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum klingeln an der Mittelmeerküste und auf Mallorca die Kassen – nicht zuletzt für den Hannoveraner Tui-Konzern, der dort unter der Marke „Riu“ einen Großteil seiner Hotels betreibt.

Seit Wochen aber wehren sich dort die Anwohner mit zum Teil gewalttätigen Protestaktionen gegen den Ansturm der Touristen. In Barcelona zerstachen vor zwei Wochen Vermummte die Reifen eines Touristenbusses und sprühten mit Farbdosen Parolen auf die Windschutzscheibe wie „Der Tourismus tötet die Stadtviertel“.

Die günstigsten und teuersten Strände der Welt
Weltspitze
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Norwegens Strände sind die teuersten der Welt. Am Strand von Kristiansand geben Besucher am Tag durchschnittlich 60,95 Euro aus. Ein Eis kostet 4,27 Euro. Regelmäßig finden in den Dünen der sechstgrößten Kommune Norwegens auch internationale Volleyballturniere statt.

Quelle: Travelbird.de. Die vollständige Studie ist hier zu finden.

Eiseskälte
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Dass Norwegen gemeinhin für eher kühle Temperaturen bekannt ist tut den Preisen an den Urlaubsständen keinen Abbruch. Am Huk Beach zahlt der Gast gut 58 Euro für Eiscreme, Mittagessen & Co., am Solastranda 56 Euro.

Surferparadies
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Die Strände von Französisch-Polynesien sind ein Traum für jeden Wellenreiter. Doch die großartige Brandung hat ihren Preis: Am Mareto Plage Publique und am Plage de Maui kostet ein Badetag stolze 55 Euro.

Erholung Gelb-Blau
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Neben Zimtschnecken und extravertierten Fußballstars wartet Schweden auch mit exklusiven Stränden auf. In Ribersborg lässt der Besucher für einen Tag im kühlen Nass durchschnittlich rund 52 Euro liegen.

Südseejuwel
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An den Stränden Neukaledoniens wird Erholung großgeschrieben. Gepflegt und ruhig geht es zu auf der Inselgruppe, deren Barriereriff zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Am Strand von Anse Vata kostet ein Tag im Sand im Schnitt 52,02 Euro.

Lauschiges Plätzchen
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Die Strände der Seychellen sind weltbekannt für ihren weißen Sand und das türkisblaue Meer. Am Strand von Anse Georgette zahlen Sonnenanbeter täglich etwa 50 Euro für dieses „Urlaubskataloggefühl“.

Sozialistische Preise
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Die günstigsten Strände der Welt finden sich in Vietnam. An den Ufern von Hoi An, Nha Trang und Phu Quco lässt es sich vor malerischer Kulisse für schlappe 12 bis 14 Euro pro Tag gut aushalten. Ein Eis ist schon für 83 Cent zu haben.

Viele deutsche Urlaubsbucher reagierten offenbar schnell. „Die Türkei ist derzeit das gefragteste Reiseziel“, bestätigt ein deutscher Manager des britischen Reisekonzerns Thomas Cook.

Doch trotz der stürmischen Umschwünge im Reisegeschäft geben die Buchungen den Touristikriesen derzeit Anlass zur Freude. Nicht nur Thomas Cook, weltweit die Nummer zwei, steigerte den Umsatz April und Juni um 14 Prozent. Bei einem Quartalserlös von umgerechnet 2,5 Milliarden Euro verdienten die Briten vor Steuern und Zinsen sieben Millionen Euro ¬ nach einem Verlust von 28 Millionen Euro im Jahr zuvor.

Tui überschreitet die operative Gewinnlinie früher als gedacht
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8 Kommentare zu "Tui und das Last-Minute-Geschäft: Urlaubsziel Türkei drohen Engpässe"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich!

  • Wie schon öfters beschrieben geht es mit den Ländern abwärts direkt in die dritte Welt. Vielen Dank an Frau Dr. Merkel und ihren Helfern, daß sie meine Heimat, meine Kultur u.s.w. schnell und schmerzlos vernichtet. Wir sind die Borgs, sie werden assimiliert, Widerstand ist Zwecklos. Und wir sind die Anderen, die Trumps, Orbans u.s.w. und wir werden nicht assimiliert !

  • @ Herr Helmut Metz ...... "Man hatte sich damals auch über diejenigen echauffiert, die damals gleich nach dem verheerenden Tsnumani mit den vielen Toten wieder nach Thailand, Malaysia usw. in den Urlaub geflogen sind - weil es durch den Nachfrageeinbruch in der Folge dann halt wesentlich günstiger war."
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    Diese Urlauber wurden in den vom Tsunami betroffenen Gebieten gern gesehen; denn sie vermittelten den Einheimischen, dass es nach der Katastrophe mit dem Leben weiter geht.
    Risiko für den Urlauber ? An jedem Meeresstrand sollte stets das Wasser beobachtet werden und wenn das Wasser plötzlich Kilometer weit zurückweicht und Fische am Strand liegen, dann ist das keine Aufforderung zum Fischfang, sondern man sucht schleunigst höher gelegene Gebiete auf, weil mit hoher Sicherheit ein Tsunami anrollt. Das wurde von vielen Urlaubern nicht beachtet, was dann auch zu den vielen Toten führte !

  • HB : "Kaum vier Wochen ist es her, da warnte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) Reisende davor, „dass deutsche Staatsbürger in der Türkei vor willkürlichen Verhaftungen nicht mehr sicher sind“.
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    Naja, wer als Urlauber in die Türkei fährt interessiert sich in der Regel nicht für Politik,ist kein Aktivist für Menschenrechte oder regimekritischer Journalist, sondern er will einen preisgünstigen Aufenthalt mit stabilem Sommerwetter und natürlich Sicherheit vor Kriminellen und Terroristen. In der Türkei sind z.Zt. viele Polizisten unterwegs, was Sicherheit vor Kriminellen und Terroristen schaffen kann und im übrigen dürfte es um die Sicherheitslage in der Türkei für den NORMALO besser bestellt sein als in D. Deutschland rangiert hinsichtlich der Sicherheitslage in der freien Wildbahn bundesrepublikanischer Wirklichkeit mittlerweile zwischen der Mongolei und Gambia auf Platz 51, was scheinbar die Politprominenz hinter Sicherheitszäunen und Mauern im Berliner Regierungsvierteil noch nicht realisiert hat.



  • @ Herr Helmut Metz10.08.2017, 14:07 Uhr

    Moralisieren ist das eine, eine Naturkatastrophe ist das andere.

    Nur wenn man sich in Deutschland ständig darüber aufregt, was für ein gemeiner Despot, Diktator oder sonstwas der Herr Erdogan doch ist, dann sollte auch ein Urlaub dort keine Option sein.

    Und spätestens wenn im Falle des Falles dann vielleicht auch noch der deutsche Staat als Retter in der Not einspringen soll, ist für mich der Punkt gekommen, wo ich sage: Selber schuld! Pech gehabt!

  • Ich hüte mich davor, zu moralisieren und Leute zu verurteilen, die nun trotzdem in die Türkei reisen.
    Die müssen indidivuell beurteilen, ob ihnen der niedrige Preis das Risiko WERT ist (was wiederum die SUBJEKTIVITÄT des Wertes bestätigt). Vermutlich den Allermeisten sind es die Niedrigpreise nicht wert, Einigen aber eben doch.
    Man hatte sich damals auch über diejenigen echauffiert, die damals gleich nach dem verheerenden Tsnumani mit den vielen Toten wieder nach Thailand, Malaysia usw. in den Urlaub geflogen sind - weil es durch den Nachfrageeinbruch in der Folge dann halt wesentlich günstiger war.
    Wer das Risiko auf sich nimmt, zwar einen günstigen Urlaub zu machen, jedoch für eine unbedachte politische Äußerung in der Türkei womöglich im Knast zu landen, bitteschön - ich verurteile ihn nicht. Er sollte dann aber auch individuell für alle möglichen Konsequenzen gerade stehen - und nicht nach "dem (deutschen) Staat" rufen, falls er Probleme bekommt...

  • Urlaubsziel Türkei drohen Engpässe, Pleitiers die ich kenne haben längs Häuser dort also keine Gefahr für den Urlaub.

  • Wenn "Geiz ist geil" das Leben bestimmt, dann verkauft man auch seine Seel!

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