Tui
„Verkauf von Hapag-Lloyd ist nur eine Frage der Zeit“

Das Transport- und Touristikunternehmen Tui erwägt einen Ausstieg aus der Schifffahrt, um sich auf das Tourismusgeschäft zu konzentrieren. Die Pläne dazu werden immer konkreter. Ein Verkauf der Reederei Hapag Lloyd wäre ein herber Rückschlag für Konzernchef Frenzel.

HAMBURG/STOCKHOLM. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, will der Aufsichtsrat in einer Sitzung am Freitag bereits über die Optionen und den Zeitpunkt eines Verkaufs der Hamburger Schifffahrtstochter sprechen. Zu den Optionen gehören ein Börsengang sowie ein Mehrheitsverkauf.

Damit steht die Zwei-Säulen-Strategie von Tui-Chef Michael Frenzel auf dem Prüfstand. Bislang sollten die in der Höhe schwankenden Erträge des Reisegeschäfts durch hohe Ergebnisbeiträge in der Schifffahrt abgesichert werden. Da aber Hapag-Lloyd durch steigende Treibstoffkosten und fallende Frachtraten im ersten Halbjahr in die Verlustzone geriet, erscheint diese Strategie zunehmend fragwürdig. Hapag-Lloyd stünde damit nach einem verfehlten Börsengang im Jahr 2004 bereits ein zweites Mal zum Verkauf.

Auch Analysten und Investoren rechnen mit einem Veräußerung der Hamburger Tui-Tochter. „Ich gehe davon aus, dass es zu einer Abspaltung der Hapag-Lloyd kommt. Dies ist nur noch eine Frage der Zeit“, meint Oliver Caspari, Analyst beim Bankhaus Lampe. Auch Stephan Thomas, Fondsmanager bei dem Tui-Aktionär Frankfurt-Trust, will dies nicht ausschließen. „Der Druck auf das Management ist groß, die Wirtschaftlichkeit des Konzerns zu erhöhen“, sagt Thomas. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre aber ein Verkauf nicht sinnvoll.

Unklar ist, wer Hapag-Lloyd erwerben sollte. Als Käufer wird in Branchenkreisen die Bielefelder Oetker-Gruppe genannt. Sie hat genügend Geld und will seit längerem das Reedereigeschäft mit dem Flaggschiff Hamburg Süd weiter ausbauen. Oetker hatte bereits vor Jahren ein Auge auf die Tui-Tochter geworfen, war aber abgeblitzt. Ein Oetker-Sprecher will sich hierzu nicht äußern. Der dänische Reedereikonzern A.P. Moeller-Maersk winkt hingegen ab. „Wir haben kein Interesse an Hapag-Lloyd“, sagt Vorstandschef Jens Söderberg.

Sparkommissar bestellt

Zusätzliche Nahrung für eine Konzentration auf den Tourismus bietet auch die Neubesetzung des Vorstands durch Peter Rothwell. Der Brite plant einen rigorosen Sparkurs, um die Ertragslage zu verbessern. Dazu will er im Ausland und im Fluggeschäft die Belegschaft verringern, heißt es. Wie hart die Einschnitte ausfallen, soll Mitte Dezember bekannt geben werden. Der Konzern beschäftigt rund 60 000 Mitarbeiter, davon 50 000 in der Touristik. Hier wurden seit 2002 bereits rund 6 000 Arbeitsplätze gestrichen.

Der Sparkurs ist notwendig, da sich nach der Übernahme von DBA durch den Konkurrenten Air Berlin der Wettbewerb im Fluggeschäft verschärft hat. Tui will deshalb die deutschen Flugtöchter Hapag-Lloyd Express (HLX) und Hapag-Fly verschmelzen. Zusätzlich soll die Produktivität der Flotte erhöht, Vertrieb und Marketing gebündelt werden. Die Kosten sollen so um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag sinken. Als unwahrscheinlich gilt dagegen, dass sich Tui an die Thomas Cook-Tochter Condor anlehnt, heißt es.

Am Wochenende verteidigte der Tui-Chef seine Marschrichtung „Mein Aufsichtsrat unterstützt mich in der Zwei-Säulen-Strategie“; sagte Frenzel dem „Spiegel.“ Dennoch stellt der Aufsichtsrat Frenzels Kurs auf Dauer in Frage: „Bei Veränderungen der Rahmenbedingungen wird der Vorstand dem Aufsichtsrat alle Aspekte einer Portfolioveränderung darlegen“. Tui lehnte einen Kommentar ab.

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