Tui vor Austritt aus Tarifgemeinschaft der Arbeitgeber
Zugeständnis im Streit um Touristik-Gehälter

Die Tarifverhandlungen für die deutsche Touristikbranche sind festgefahren. Nun hat die Gewerkschaft Verdi erstmals erfolgsabhängige und damit flexible Gehälter angeboten.

HB FRANKFURT. Dennoch sehen Arbeitgeber- und Gewerkschaftsseite bislang keine Möglichkeit zur Einigung. Beide Seiten hatten am Montag abend die Tarifgespräche in zweiter Runde ohne Annäherung abgebrochen und auf den 31. August vertagt.

Derweil bereiten Branchenführer Tui und möglicherweise auch Thomas Cook den Austritt aus der Tarifgemeinschaft der Arbeitgeber vor. In diesem Fall müssten für die Unternehmen gesondert Haustarifverträge ausgehandelt werden.

„Wir sind weiterhin gegen Kürzungen oder Streichungen von Urlaubs- und Weihnachtsgeld“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Henry Sieb. „Aber wir können uns vorstellen, dass die Gehälter je nach Unternehmenserfolg zwischen 95 und 110 % variieren.“ Der Spielraum für die Unternehmen betrage damit etwa ein Monatsgehalt. Trotz dieses Vorschlags sei die zweite Tarifrunde für die gut 70 000 Beschäftigten der Reisebranche am Montagabend ohne Annäherung geblieben, weil die Arbeitgeber von ihren Maximalforderungen bislang nicht abrückten.

Der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) forderte von der Gewerkschaft weitere Zugeständnisse. „Die Situation unserer Unternehmen ist unverändert schwierig“, sagte Volker Fasbender, Geschäftsführer der DRV-Tarifgemeinschaft. Der DRV hatte im Frühjahr die noch bis Jahresende gültigen Tarifverträge der Touristik frühzeitig gekündigt. Die Touristikunternehmen, darunter Tui und Thomas Cook , wollen mit einem neuen Flächentarifvertrag finanzielle Kürzungen bei den Sonderzahlungen und flexiblere, am Bedarf orientierte Arbeitszeiten von bis zu 48 Stunden pro Woche durchsetzen.

Unterdessen bereitet Branchenführer Tui wie angekündigt seinen Austritt aus der DRV-Tarifgemeinschaft und damit auch aus dem Flächentarifvertrag vor. „Die Entscheidung fällt kommende Woche“, sagte ein Tui-Sprecher. Der Vorstand muss die Kündigung bis zum 30. Juni beschließen, damit sie zum Jahresbeginn 2005 wirksam werden kann. Tui will allerdings nicht den DRV als Branchenverband verlassen. „Wenn, dann verlassen wir nur die Tarifgemeinschaft, nicht den Verband“, ergänzte der Sprecher.

Auch beim Branchenzweiten Thomas Cook gibt es nach Angaben aus Unternehmenskreisen Überlegungen, Tui zu folgen. Offiziell hält sich Cook bedeckt. Ein Sprecher erklärte, Cook gehöre der Tarifgemeinschaft weiterhin an. Andere Pläne seien nicht bekannt.

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