Tui will dem Versicherungskonzern folgen
Allianz-Vorstoß bei Gehältern findet Nachahmer

Der Reisekonzern Tui folgt einem Bericht zufolge der Allianz und will ebenfalls die Topgehälter einzeln ausweisen. Derweil prüft offenbar die Bundesregierung schon einen Gesetzentwurf zum Offenlegungszwang.

HB BERLIN. Die Zahl der in Bezug auf Vorstandsgehälter schweigsamen Dax-Unternehmen sinkt offenbar weiter. Wie die «Süddeutsche Zeitung» am Samstag berichtete, will der Touristikkonzern Tui dem Vorstoß der Allianz folgen und ebenfalls die Gehälter der Vorstandsmitglieder einzeln ausweisen. In der übernächsten Aufsichtsratssitzung von Tui im November stehe das Thema auf der Tagesordnung, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das Unternehmen.

Dann solle der Einzelausweis beschlossen werden, habe Tui auf Anfrage mitgeteilt, so das Blatt. Auch bei Siemens werde über eine baldige Offenlegung nachgedacht, habe ein Sprecher des Technologiekonzerns gesagt. Dem Bericht zufolge ergab eine Umfrage der Zeitung, dass es ähnliche Überlegungen auf bei Eon und Henkel gibt.

Einfluss könnte die Entscheidung der Allianz möglicherweise auch auf den Nutzfahrzeughersteller MAN haben: Dort trifft sich am Dienstag der Aufsichtsrat. Die Allianz ist mit 12,5 Prozent Großaktionär bei MAN, Allianz-Vorstand Paul Achleitner sitzt bei MAN im Aufsichtsrat.

Der Einzelhandelskonzern Metro will sich der Einzelangabe zwar nicht verschließen, sieht in der Offenlegung der Topgehälter aber kein wichtiges Kriterium für die Transparenz eines Unternehmens. Der Einzelhandelskonzern warnte laut «Süddeutscher Zeitung» davor, die Corporate-Governance-Diskussion auf die Frage der Einzelausweisung der Managergehälter zu verengen.

Bislang legen erst elf der 30 Dax-Unternehmen ihre Vorstandsgehälter einzeln offen. Zu den Verweigerern zählen unter anderem die Lufthansa, die ihr Veto unter anderem mit dem Schutz des Persönlichkeitsrechts begründet, BASF, Infineon und die Autohersteller BMW, DaimlerChrysler und Volkswagen.

Die Bundesregierung verlangt von den im Dax geführten Unternehmen, bis zum Frühsommer 2005 die Gehälter offen zu legen, und drohte andernfalls mit einem Zwang per Gesetz. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hält die Frist für zu lang und erwägt, schon im Herbst ein entsprechendes Gesetz in den Bundesrat einzubringen.

Wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) berichtete, prüft die Bundesregierung bereits einen Gesetzentwurf des Frankfurter Rechtswissenschaftlers Theodor Baums, der die Regierungskommission «Corporate Governance» leitet. Der Entwurf schreibe weitaus strengere Regeln vor als der schon existierende freiwillige Corporate-Goverance-Kodex, so die Zeitung.

Unter anderem müssten demnach sämtliche Bezüge – also auch Aktienoptionen, Pensionszusagen und Sachbezüge wie Dienstwagen, Chauffeur oder Villa – veröffentlicht werden. Allerdings sieht Baums' Entwurf nur die individuelle Veröffentlichung des Gehalts des höchstbezahlten Managers vor. Dem Entwurf zufolge soll zudem der Aufsichtsrat auf der jährlichen Hauptversammlung die «Angemessenheit» der Bezüge begründen. Ein Vetorecht erhielten die Anteilseigner aber nicht, so die «FAZ» weiter.

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