Turbulente Hauptversammlung
Kleinaktionäre rebellieren gegen Dis AG

Mit der letzten und wohl turbulentesten Hauptversammlung in ihrer Geschichte ging die Zeitarbeitsfirma Dis AG am Donnerstag in Düsseldorf ihrem Abschied von der Börse entgegen. Viele Kleinaktionäre wollen auf keinen Fall kampflos aufgeben.

DÜSSELDORF. Die Aktionäre der mittlerweile mehrheitlich im Besitz der schweizerischen Adecco befindlichen Dis AG sollten zustimmen, dass die Gesellschaft bei der Börse in Frankfurt einen Antrag auf ein so genanntes Delisting stellen kann. Das soll Kosten sparen und kann von Adecco leicht mit der Stimmenmehrheit von 83 Prozent allein durchgesetzt werden. Doch bis Redaktionsschluss kam es zu keiner Beschlussfassung, denn viele der anwesenden Kleinaktionäre, die Adecco ihre Aktien bisher nicht verkauft haben, wollten auf keinen Fall kampflos aufgeben. Medien waren übrigens nicht eingeladen.

Mit einer Vielzahl von Anträgen, von „Mehr Licht“ über die Vertagung der Hauptversammlung bis hin zum Antrag auf Abwahl des Hauptversammlungs-Vorsitzenden Dietrich Paulmann, der sein Aktienpaket im Januar an Adecco verkauft hatte, und somit von einigen Aktionären als befangen eingestuft wurde, hoben die protestierenden Minderheitseigner die Tagesordnung völlig aus den Angeln. Die Presse war übrigens nicht zur HV eingeladen.

Erzürnt zeigten sich die Kleinaktionäre insbesondere, als sich Dis-Vorstand und Aufsichtsrat weigerten, ein bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Susat & Partner in Auftrag gegebenes Gutachten vorzulegen. Das beziffert den Wert der Dis-Aktie aktuell mit 51,82 Euro, und damit noch mal niedriger als die derzeit gebotene Abfindung je Aktie von 55,80 Euro. „Hier werden die Rechte der Aktionäre mit Füßen getreten“, riefen die Anteilseigner mehrfach erbost.

Stein des Anstoßes ist, dass Adecco direkt nach Ablauf der offiziellen Angebotsfrist Ende März bekannt gegeben hat, Dis von der Börse zu nehmen und die Dividende drastisch von 80 auf fünf Cent zu kürzen. Damit nutze Adecco seine Mehrheit missbräuchlich aus, sagte Rechtsanwalt Toni Riedel, der auf der Hauptversammlung für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sprach.

Zudem stoßen sich die Minderheitsaktionäre daran, dass Adecco-Großaktionär Klaus J. Jacobs bereits bei der Ankündigung der Übernahme von Dis im Januar gesagt hatte, er wolle Dis-Vorstandschef Dieter Scheiff und Finanzvorstand Dominik de Daniel die entsprechenden Positionen beim Adecco-Konzern anbieten. Der Dis-Vorstand begrüßte damals offiziell das Kaufangebot als attraktiv. De Daniel arbeitet seit April bei Adecco, Scheiff soll Ende Juni wechseln.

Der Hedge-Fonds Elliot Associates, der rund zehn Prozent der DIS -Aktien hält, will gerichtlich einen Sonderprüfer bestellen lassen, der unter anderem eine mögliche Vorteilsnahme und Befangenheit von Scheiff und de Daniel klären soll. Das sagte gestern der beratende Rechtsanwalt Ferdinand von Rom von der Kanzlei Broich, Bayer, van Rom.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%