Turkish Airlines
Von der Exoten-Linie zum großen Player

Alle paar Tage nimmt Turkish Airlines ein neues Ziel ins Programm. Die einstige Exoten-Linie ist zum ernsthaften Konkurrenten für Fluggesellschaften wie Lufthansa geworden. Konzernchef Kotil hat noch viel vor.
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IstanbulHinter dem Panoramafenster von Temel Kotils Büro in Istanbul heben Turkish-Airlines-Flugzeuge in die ganze Welt ab. Der Chef der Fluggesellschaft hat kleine Flaggen aller 109 Zielländer auf der Fensterbank aufgereiht. Auf einer riesigen Weltkarte hinter seinem Schreibtisch markieren Lämpchen die Städte, die Kotils Flotte ansteuert. Die Flaggensammlung wächst stetig, und alle paar Tage kommt ein neues Lämpchen auf der Karte dazu.

Turkish Airlines fliegt inzwischen nach eigenen Angaben mehr internationale Ziele an als jede andere Fluglinie. Die Airline, deren Eintritt in das Luftfahrtbündnis Star Alliance die Lufthansa einst förderte, ist zur Bedrohung der etablierten Gesellschaften aus Europa geworden.

Seit die Airline unter Kotil 2006 privatisiert wurde, schaut nicht nur die deutsche Konkurrenz mit wachsender Sorge auf die Türken – die in Istanbul noch dazu eines der weltgrößten Luftfahrt-Drehkreuze bauen. Vor zehn Jahren noch flog mit Turkish Airlines nur, wer das musste. Inzwischen ist die Linie im Ranking der Unternehmensberatung Skytrax zum vierten Mal in Folge zur besten europäischen Airline gewählt worden.

Auch wer am Boden bleibt, begegnet dem in den türkischen Landesfarben gehaltenen Emblem des Unternehmens, dem stilisierten weißen Vogel auf rotem Grund: Sportbegeisterten Deutschen ist die Linie spätestens ein Begriff, seit sie Borussia Dortmund sponsert.

Kotil erklärt den Erfolg auch mit dem Service, auf den die Gesellschaft selbst in Zeiten der Wirtschaftskrise konsequent gesetzt habe. „In der Krise packen wir mehr Essen auf den Tisch“, sagt er. Für den neuen Flughafen will Kotil sogar eine eigene Lounge für Economy-Passagiere auf der Langstrecke schaffen.

Kotil hat die einstige Exoten-Airline zu einem der großen Player im internationalen Luftfahrtgeschäft gemacht. Der bescheiden auftretende Top-Manager erzählt die Geschichte der Firma mit so leiser Stimme, dass er gelegentlich kaum zu verstehen ist. Dennoch hört man die Begeisterung heraus, wenn er vom Geschäft mit der Fliegerei erzählt.

Dabei stammt der 55-Jährige aus einem Dorf in der Region Rize an der Schwarzmeerküste, die eher für Fischerei bekannt ist. Kotil dagegen studierte in Istanbul Luftfahrttechnik, 1991 promovierte er in den USA. Seit 2005 steht er an der Spitze des Unternehmens.

In seinem Büro präsentiert Kotil einen ganzen Stapel Grafiken, die allesamt das rasante Wachstum der vergangenen Jahre nachzeichnen. 223 internationale Ziele fliegt die Airline inzwischen an. Nicht nur das gigantische Netz, auch moderate Preise überzeugen immer mehr Transitpassagiere. 2014 gelang es der Fluglinie, ihren Reingewinn auf umgerechnet 648,7 Millionen Euro mehr als zu verdoppeln.

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