TV-Kritik „Die Story“ in der ARD
Wenn Fliegen zu Hirnschäden führt

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Gefahr für Vielflieger und Bordpersonal?

Für ihre Recherchen reisen die Macher der „Story“ um die Welt: von Köln nach Sydney, in die USA, nach Kanada und wieder zurück nach Deutschland. Ihr Transportmittel: natürlich das Flugzeug. Damit startet während der Recherche ein Selbstversuch: Wie häufig tritt das Gift in der Luft auf? Welche körperlichen Schäden entstehen dadurch? In den Maschinen nehmen die Journalisten Proben. Vor jedem Abflug und nach jeder Landung werden Blutproben genommen. Das Ergebnis ist erschütternd.

Langfristige Schäden entstehen trotzdem nicht. „Körper und Gehirn können das in gewissem Maß ausgleichen“, sagt der amerikanische Biochemiker Mohammed Abou-Donia. Doch: „Je öfter Sie fliegen, desto mehr Hinweise gibt es auf Hirnschäden“, ergänzt er. Wer als Stewardess, Pilot oder Vielflieger sehr regelmäßig in eine Maschine steigt, setzt sich also einer kontinuierlichen Gefahr aus.

Der WDR, der die Sendung produziert hat, erhielt vor Ausstrahlung des Films drei anwaltliche Schreiben, berichtete die Zeitung „taz“. Es war aber nicht die Luftfahrtbranche, die vor Gericht ziehen wollte. Es hat offenbar intern beim Sender geknarzt. Der Hauptautor und freie Journalist Tim van Beveren war unzufrieden mit der vorläufigen Endfassung des Films. „Nicht zugespitzt und ohne die investigativen Recherche-Elemente“ - so laut „taz“ van Beverens Urteil zum fast fertigen Film. Zwischen ihm und den zwei beteiligten Redakteuren des WDR soll es zum Streit gekommen sein.

Van Beveren wurde als Autor gestrichen und kontaktierte seinen Anwalt. Eine Flugbegleiterin zog ihre Interview-Genehmigung zurück, heißt es in der „taz“. Ebenso stimmten Wissenschaftler aus Glasgow gegen die Ausstrahlung der Interviews. Die beiden Redakteure sollen wiederum gegenüber der Lufthansa-Pressestelle über den Autor gestänkert haben. Der geschasste Autor erfuhr ausgerechnet von der Fluggesellschaft, dass er nicht mehr Autor der Dokumentation ist.

Fazit:
Es ist schade, dass diese gelungene Doku vor der Ausstrahlung von internen Streitigkeiten überschattet wurde. Den Machern gelingt es, das Problem der „fume events“ sehr genau darzustellen und Hintergründe aufzuzeigen. Die Ferienzeit steht vor der Tür: Es hätte sich angeboten, unter Reisenden etwas Panik zu verbreiten. Dieser Krawall-Logik widersteht die Doku.

Timo Steppat
Timo Steppat
Handelsblatt / Freier Journalist

Kommentare zu " TV-Kritik „Die Story“ in der ARD: Wenn Fliegen zu Hirnschäden führt"

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  • Irgendein Schlaumeier hielt es für eine gute Idee die ursprünglich separate Frischluftzufuhr für die Kabine mit der für die Antriebe zusammen zu legen und so beim Flugzeugbau irrsinnige Materialkosten zu sparen, ob das Menschen gefährdet spielt in der BWL offensichtlich nur eine untergeordnete bis gar keine Rolle.

  • Im übrigen gilt ja hier derjenige,
    der auf den Schmutz hinweist,
    für viel gefährlicher als der,
    der den Schmutz macht.

    Kurt Tucholsky

  • Wenn Flüge billig wie Bus Tickets sind und aus Vergnügen die Umwelt vergiftet wird, sollen diese Menschen sich auch der Vergiftung hingeben.

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