TV-Kritik WDR-Markencheck
„Etikettenschwindel wird bei uns groß geschrieben“

Kleiner Fachhandel gegen große Handelskette ist der inszenierte Wettstreit im „Markencheck Extra“, im zweiten Teil mit Discounter Netto in der Hauptrolle. Neben einigen Klischees entdeckt der WDR einen Markenschwindel.
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MünsterDavid gegen Goliath, guter Fachhändler gegen böse Handelskette, kostspielige Qualität gegen billige Massenware. Dieses Schwarz-Weiß bestimmt die Kundenerwartungen in der Lebensmittelbranche wie in keiner anderen. Und auf genau die Klischees läuft auch im „Markencheck Extra: Wer schlägt Netto?“ zunächst alles hin. Im zweiten Teil der WDR-Reihe treten ein Bäcker, ein Metzger und ein Obsthändler als lokale Fachhändler in den inszenierten Wettstreit mit dem Supermarkt-Discounter Netto. Das Fazit am Ende wenig überraschend: Das Brötchen beim Discounter ist billiger, der Metzger um die Ecke liefert zum Kotelette noch eine Zubereitungsempfehlung, und die Übermacht der Handelsketten gefährdet lokale Händler.

Als Extra-Ausgabe eines bekannten „Erfolgsformats“ wirbt der WDR für die vierteilige Reihe. Bekannt dürften dem Publikum vor allem die gängigen Mittel des öffentlich-rechtlichen Verbraucherjournalismus’ sein: Umfrage, versteckte Kamera und schließlich der obligatorische Abstecher ins Lebensmittellabor, alles möglichst nah am Verbraucher in der idyllischen Kleinstadt. Als Kulisse dient in diesem Fall der Münsteraner Stadtteil Hiltrup.

Die vom WDR-auserkorene „Check-Familie“ teilt sich in die gesundheitsbewusste Mutter und ihren Mann, der Sparfuchs der Familie: „Das Geld ist es mir nicht wert. Ich gehe lieber zum Discounter.“ Dort schlägt das Paar ausnahmsweise mit versteckter Kamera auf, die – ach wie fortschrittlich – von der Handtasche in die Brille umgezogen ist. In der Nachbearbeitung setzen ein Filter und das gepixelte Gesicht des überforderten Supermarkt-Angestellten der Szenerie die vermeintlich investigative James-Bond-Krone auf.

Natürlich weiß der Regalsortierer bei Netto nicht, von welchem Baum die Äpfel an der Frischetheke gefallen sind. Ganz anders hingegen der lokale Obsthandel, wo schon seit Generationen dieselbe Familie ein treues Stammpublikum betreut. Den Apfellieferant kennt das Geschäftsführer-Duo Vater und Sohn selbstverständlich persönlich und dort finden zudem noch Menschen mit Behinderung eine Beschäftigung.

So viel der Klischees, doch die Autoren lassen sich auch etwas einfallen: Neben dem unvermeidlichen Auftritt in der Einkaufsstraße schlagen die Journalisten zum Würstchentest vorm Fußballstadion auf, und die Brötchentüten öffnen sie zur Verkostung in einer Grundschulklasse. Das ist amüsant und zur besten Sendezeit nett anzuschauen.

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Bauernhausidylle lässt sich leichter an den Mann bringen

Kommentare zu " TV-Kritik WDR-Markencheck: „Etikettenschwindel wird bei uns groß geschrieben“"

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  • @pappa....: das ist schon klar. Aber es ist auch längst bekannt, dass ein grossteil der 270t bulisisten eigentlich auch anders denken als ihr dienstherr. Die frage wäre, ab wann die sich dann zu ihren eigenen gedanken entscheiden.

  • Ist sicher keine einfache Entscheidung, bei z.B. einer Mobilmachung und Einberufung, gegen die Obrigkeit zu opponieren und Rückgrat zu beweisen, wenn Zuchthaus bis hin zur standrechtlichen Erschießung drohen. Das ist einprogrammiert auf unserer Festplatte im Kopf. Die Politiker nehmen es billigend und eigennützig in Kauf. Da liegt der Hase im Pfeffer.

  • für irgendwas müssen unsere Zwangsabgaben ja verschwendet werden.

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