Überalterte Yacht-Branche: Betreutes Segeln

Überalterte Yacht-Branche
Betreutes Segeln

Die Kunden der deutschen Bootsbauer vergreisen. Die Industrie stellt sich mit immer bequemeren Yachten darauf ein – und versucht gleichzeitig jüngere Käufer anzuziehen. Doch die Branche blockiert sich dabei selbst.

MünchenEin ordentliches Loch im Rumpf, ein kapitaler Mastbruch, ja das wär mal was. Dann hätten die Kunden endlich wieder einen Grund, sich ein neues Boot zuzulegen. Doch Jens Gerhardt weiß genau, dass er davon nicht einmal zu träumen braucht. Er ist ja selbst schuld. Seine Leute bauen heute Schiffe, mit denen die Kunden auch nach Jahrzehnten noch sicher über alle Weltmeere schippern können. „Neue Yachten halten Jahr für Jahr länger“, stöhnt der Chef der börsennotierten Hanse Yachts AG. Wer will, der kann sein Boot heute ein ganzes Leben lang nutzen.

Für Bootsbauer wie Hanse ist das ein Riesenproblem. Denn Jahr für Jahr kommen mehr Second-Hand-Boote auf den Markt, nur wenige alte Schiffe werden demgegenüber abgewrackt. Aus Kundensicht freilich könnte es nicht besser sein. „Der Einstieg ist damit so günstig wie nie“, erklärt Heiko Zimmermann, Projektleiter Hanseboot bei der Messe Hamburg. Bei ordentlicher Pflege seien die Schiffe heute 50 Jahre und mehr im Einsatz.

Dabei hätte die deutsche Bootsindustrie etwas frischen Wind dringend nötig. Denn ein gigantisches Angebot an Gebrauchten ist nicht die einzige Herausforderung. „Wir haben eine Überalterung im Wassersport“, klagt Claus-Ehlert Meyer, Geschäftsführer des Deutschen Boots-und Schiffsbauerverbands (DBSV).

Der Sport ist zwar beliebt wie eh und je: Mit zusammen fast 300.000 Mitgliedern schaffen es die Segler sowie der Motoryachtverband immerhin unter die 20 größten Sportverbände des Landes. Doch knapp 40 Prozent der in Deutschland in Vereinen registrierten Motorboot-Fans sind inzwischen über 60; bei den Seglern liegt der Anteil bei fast 30 Prozent. Den Vereinen fehlt zunehmend der Nachwuchs, die Hersteller müssen fürchten, dass ihnen künftig die Käufer fehlen. Zum Vergleich: Die über 60-Jährigen stellen in der gesamten Bevölkerung einen Anteil von nur rund einem Viertel.

Die Branche macht aber einstweilen aus der Not eine Tugend und hat sich inzwischen darauf eingestellt, dass immer mehr Bootsbesitzer mit grauen Schläfen auf große Tour gehen. „Längst haben wir Yachten ohne Stufen im Angebot, für Leute mit Hüftleiden und kaputten Knien“, sagt Gerhardt. Und nicht nur das: „Die Boote werden in der Handhabung immer einfacher“, erklärt Verbandsgeschäftsführer Meyer. So können die Eigner komfortabler reisen, mit kleiner Crew auf weite Fahrt starten und notfalls auch als Ehepaar schmale Hafeneinfahrten mit größeren Yachten meistern.

Die Seniorenboote sieht Meyer gleichzeitig als große Chance, um Neueinsteiger zu begeistern und so den Trend umzukehren. „Wenn etwa die Navigation einfacher wird, dann ist das auch für Anfänger attraktiv.“

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