Übergangsfrist läuft am 1. Oktober ab – Keine einheitliche Lösung in Sicht – Brüsseler Kommission erwägt Prüfverfahren
Dosenpfand-System rückt in weite Ferne

Zwei Wochen, bevor die Frist für den Aufbau eines bundesweiten Einwegpfand- Rücknahmesystems ausläuft, müssen sich Deutschlands Verbraucher auf ein veritables Chaos vorbereiten. Denn das einheitliche System, das Handel und Industrie dem Umweltminister zum 1. Oktober versprochen hatten, rückt in immer weitere Ferne.

DÜSSELDORF. Gestern präsentierte sich in Berlin die inzwischen vierte Sammelorganisation, die künftig für Dosen und Einwegflaschen Bargeld zahlen will. Die Arbeitsgemeinschaft umweltfreundliche Verpackungs- Recycling-Systeme (AVR) setzt auf Automatentechnik. Ihre Rücknahmemaschinen zahlen das Pfand aber nur dann aus, wenn Getränkeverpackungen einen speziellen elektromagnetischen Streifen besitzen. Mit ihren drei Konkurrenten hat die AVR dennoch eines gemein: Sie will die Getränkeverpackungen der anderen Organisationen vorerst nicht akzeptieren.

Das aber fordert der deutsche Gesetzgeber. Und inzwischen auch die Europäische Kommission. Längst fürchten die europäischen Wettbewerbshüter, dass die rigide Einweg- Politik ausländische Getränkeabfüller vom deutschen Markt verdrängt. Denn kaum einer der Importeure kann sein Einweg-Sortiment unter zumutbaren Kosten auf Mehrweg umstellen. Falls das Dosenpfand- Chaos dazu führe, dass ein Großteil der Supermärkte Einweggetränke aus den Regalen nehme, „werden wir ein Prüfverfahren eröffnen“, warnte gestern ein Behördensprecher in Brüssel.

Doch ein solches Chaos ist nicht mehr aufzuhalten. „Ich glaube kaum, dass wir ab Oktober Cola-Dosen zurücknehmen, die an einem fremden Kiosk gekauft worden sind“, sagt Spar-Pressesprecherin Sonja Jensen. Geld gebe es nur dann zurück, wenn der Kunde auch den Pfand-Sicherheitscoupon zurückgebe, den die Hamburger gemeinsam mit dem Kölner Mülldienstleister Vfw entwickelt haben. Ähnlich zurückhaltend zeigt sich Jensens Amtskollegin beim Frechener Kiosk und Tankstellengroßhändler Lekkerland-Tobaccoland. „Wir werden nur Einweggetränkeverpackungen akzeptieren, die nach den Vorgaben der Verpackungsverordnung in Umlauf gebracht wurden“, kündigt Inga Koenen an.

Welche dies sein werden, sagt sie nicht. Wenig Chancen räumt sie jedenfalls denen des Wettbewerbers Spar ein. Lekkerland-Tobaccoland hat eigens ein Gutachten erstellen lassen, das die Regelverstöße des Konkurrenten belegen soll.

Tatsächlich gilt das System von Spar und Vfw auch beim Bundesumweltministerium nicht als unproblematisch. Denn der Pfandbetrag wird dort weiterhin auf eine Wertmarke, nicht aber auf die Dose selbst ausgezahlt. Ob dies konkurrierende Supermarktbetreiber von der Pflicht befreit, Pfandgelder auszuzahlen, ließ ein Ministeriumssprecher offen.

Stattdessen begrüßt man im Hause Jürgen Trittins den nun entfachten Wettbewerb der Systeme. Jedes von ihnen, empfiehlt das Bundesumweltministerium, solle zunächst sämtliche Einwegverpackungen an der Ladentheke annehmen und den Wettbewerbern anschließend ihren Anteil in Rechnung stellen. Doch die unterschiedlichen technischen Systeme könnten dies wirksam verhindern.

Welche Verpackungen künftig bepfandet werden, ist bis heute ungewiss. Eine Entscheidung über die Verpackungsverordnung hat der Bundesrat erst einmal vertagt. Leidtragende des Pfand-Wirrwarrs werden ab Oktober nicht nur die Verbraucher sein. Händler, die leere Dosen zurückweisen, die den eigenen in Art, Form und Größe entsprechen, müssen sich auf Strafen bis zu 50 000 Euro gefasst machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%