Überhöhte Mieten
Woolworth-Rettung auf der Kippe

Die Warenhäuser sterben aus. Nach Hertie droht nun auch Woolworth in Deutschland das endgültige Aus. Die angeschlagene Warenhauskette kann sich mit dem Finanzinvestor Cerberus nicht über Mietzahlungen einigen. Jetzt zittern die Angestellten um ihre Arbeitsplätze.
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FRANKFURT. Die Deutsche Woolworth steht überraschend vor dem Aus. Damit droht der Frankfurter Billigkaufhauskette mit ihren 4 500 Mitarbeitern ein ähnliches Schicksal wie den früheren Wettbewerbern Hertie und Quelle. Das 1926 gegründete Unternehmen kann sich trotz viermonatiger Verhandlungen mit dem Hauptvermieter der genutzten Immobilien, dem Finanzinvestor Cerberus, nicht auf einen Sanierungsbeitrag einigen. Zur Höhe des Betrags wollten sich beide Unternehmen nicht äußern.

"In zehn Tagen endet die Frist, um mit den Lieferanten eine Warenversorgung über den 31. März hinaus zu vereinbaren", erklärte Insolvenzverwalter Ottmar Hermann gestern. Sollte Cerberus auf den Mietzahlungen in voller Höhe bestehen, dürfte Woolworth nach seinen Worten die nötige Liquidität fehlen, um diese Einkäufe zu tätigen. In diesem Fall müsste der Insolvenzverwalter die seit sieben Monaten insolvente Kette zum 1. April 2010 schließen.

Das Kauf- und Warenhaussterben, beschleunigt durch die Preiskonkurrenz der Discounter und das breitere Angebot mächtiger Fachmärkte, wäre um einen Höhepunkt reicher. Nach dem Ende der Kaufring-Warenhäuser, Metros Billigwarenhauskette Kaufhalle und der britischen Woolworth vor zwei Jahren hatte im vergangenen Frühjahr Hertie seine Läger geräumt. Ob demnächst auch Karstadt vom Markt verschwindet, soll am Dienstag die Gläubigerversammlung der Warenhauskette entscheiden. Für Woolworth, einem vor zwölf Jahren per Management-Buy-out getrennten Ableger des inzwischen umbenannten New Yorker Woolworth-Konzerns, waren die Aussichten auf Rettung dagegen lange Zeit gut. Insolvenzverwalter Ottmar Hermann, der sich neben der Abwicklung des Baukonzerns Philipp Holzmann derzeit auch um den insolventen Osnabrücker Karosseriebauer Karmann kümmert, hatte dazu die Weichen in den letzten Monaten gestellt. Von den ehemals 310 Woolworth-Standorten trennte er 150 ab, die wegen ihrer Größe oder ihres Standorts nicht in das neue Vertriebskonzept passten. Zu einem einheitlichen Stichtag gingen diese Läden an Schlecker, NKD, Rewe und Edeka.

Sämtlichen Mitarbeitern der verkauften Filialen boten die neuen Eigentümer eine Weiterbeschäftigung an. Um die Neuerwerber nicht an die alten Woolworth-Arbeitsverträge zu binden, hatte Hermann mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vorsorglich den Wechsel sämtlicher Woolworth-Beschäftigten in eine Transfergesellschaft vereinbart.

Die in Eigenregie weitergeführten 160 Woolworth-Läden entwickelten sich daraufhin nach Angaben von Geschäftsführer Heinz Thünemann besser als geplant. 82 dieser Läden sind in Immobilien untergebracht, die Cerberus gehören. "Wir werden schon in diesem Jahr vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen eine schwarze Null schreiben", verspricht der ehemalige Karstadt-Manager. "Spielen die Vermieter mit, erwarten wir für 2010 bei 430 Mio. Euro Umsatz sogar einen Nettogewinn."

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