Übernahme

Aer Lingus schwört Aktionäre ein

Der irische Staatskonzern wehrt sich weiterhin mit allen Mitteln gegen eine Übernahme durch Konkurrent Ryanair. Sollten die Aktionäre sich doch verleiten lassen, gibt es nur noch eine Rettungsmöglichkeit.
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Ein Airbus der Fluggesellschaft Aer Lingus im Landeanflug in Dublin. Quelle: dpa

Ein Airbus der Fluggesellschaft Aer Lingus im Landeanflug in Dublin.

(Foto: dpa)

DublinIm Kampf gegen eine Übernahme durch den irischen Billigflieger Ryanair schwört der ehemalige Staatskonzern Aer Lingus seine Aktionäre erneut auf Ablehnung ein. Ryanair habe keine neuen Informationen geliefert, die die Einstellung des Managements hätten ändern können, erklärte Aer Lingus am Freitag.

Die Ryanair-Offerte sei nicht im Interesse der Aktionäre und bewerte das Unternehmen deutlich zu gering. Zudem dürfte die Übernahme abermals von der EU-Kommission untersagt werden. Die Kartellwächter in Brüssel wollen bis Mittwoch über die Fusionspläne entscheiden. Ryanair, Europas größter Billigflieger, hat in einem dritten Anlauf 694 Millionen Euro für die zu einem Viertel Irland gehörende Aer Lingus geboten.

Ryanair hält seit längerem 29 Prozent an Aer Lingus und hat schon 2006 vergeblich versucht, den Konkurrenten zu übernehmen. Das Vorhaben war schließlich 2007 an der EU-Kommission gescheitert. Zuletzt hatte es eher so ausgesehen, als ob Ryanair seine Pläne aufgibt und seinen Anteil verkauft.

Im April war laut „Irish Times“ noch der Lufthansa-Partner JetBlue mit im Rennen um eine Beteiligung an Aer Lingus. In dem Artikel hieß es, die Amerikaner seien die Wunschpartner des Aer-Lingus-Managements, da beide Unternehmen eine vergleichbare Niedrigpreisstrategie verfolgten und auf keinerlei Routen miteinander konkurrierten.

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Problem 1: Fehlende Konsolidierung

Eine der größten Hürden der europäischen Luftfahrtbranche ist die starke Fragmentierung. Nach wie vor werden die nationalen Fluggesellschaften in den meisten Ländern Europas als Symbol des Nationalstolzes angesehen. So gibt es auch heute noch in fast allen Ländern klare Vorgaben, dass ausländische Investoren nicht die Mehrheit an dem nationalen Anbieter übernehmen dürfen.

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Problem 1: Fehlende Konsolidierung

Zwar hat es auch in Europa in den vergangenen Jahren Übernahmen und Fusionen gegeben. So gingen die französische Air France und die niederländische KLM zusammen, vor kurzem erst British Airways und die spanische Iberia. Gleichwohl hat fast jeder Staat in Europa seinen eigenen nationalen Anbieter.

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Problem 1: Fehlende Konsolidierung

Wie es besser geht, zeigen die USA. Dort fusionierten 2008 Delta und Northwest, im vergangenen Jahr dann United Airways und Continental. Derzeit gibt es Gespräche zwischen US Airways und der insolventen American Airlines. Aus einst sechs großen Linienfluggesellschaften, die in ganz USA und weltweit fliegen, könnten am Ende nur drei übrig bleiben. Je größer die Flugzeugflotte, desto effizienter kann sie eingesetzt werden, und desto günstiger ist auch der Kerosineinkauf. So konnte Delta im vergangenen Jahr ein Nettoergebnis von 845 Millionen Dollar einfliegen.

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Problem 2: Die Kosten sind zu hoch

Lufthansa-Chef Christoph Franz (Foto) hat es schon vor mittlerweile drei Jahren erkannt, damals war er noch Chef der Passagiersparte: Lufthansa, aber auch die anderen europäischen ehemaligen Staatsairlines produzieren zu teuer. Wie teuer, das zeigt der Vergleich von Lufthansa mit dem Anbieter Emirates. Bei diesem machen die Kosten 85 Prozent des Umsatzes aus. Bei Lufthansa werden 96,6 Prozent der Erlöse durch die Kosten wieder aufgezehrt.

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Problem 2: Die Kosten sind zu hoch

Das hat mehrere Gründe. Zum einen kämpfen alle ehemaligen Staatsairlines mit "Altlasten". Denn die etablierten Airlines sind deutlich älter als etwa die beiden Newcomer Emirates und Etihad. Weil aber die Anbieter vom Golf noch so jung sind, fallen hier auch weniger Aufwendungen beispielsweise für Pensionszusagen an.

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Problem 2: Die Kosten sind zu hoch

Hinzu kommt: Die Arbeitskosten sind in Dubai oder Abu Dhabi deutlich niedriger. Auch gibt es hier keine Gewerkschaften. Dagegen haben sich die Gehälter bei den etablierten Airlines in Europa über die Jahre immer mehr in die Höhe geschraubt. Doch ein Zurück ist schwer. Ein Arbeitskampf etwa der Piloten oder des Kabinenpersonals legt schnell den gesamten Betrieb lahm, die Kosten werden dann noch mehr steigen. Auch andere Kosten - wie etwa die für die Flugsicherung - sind hierzulande höher.

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Problem 3: Die politische Unterstützung fehlt

Es ist ein Satz, der alles sagt. Gesagt hat Thierry Antinori (links im Bild), ein ehemaliger Lufthansa-Manager und seit einiger Zeit Top-Manager bei der Golfairline Emirates. "Dubai erklärte die Luftfahrt vor 25 Jahren zur strategischen Schlüsselindustrie, und damit wurden die Rahmenbedingungen für Wachstum geschaffen." Rahmenbedingungen, von denen eine Air France-KLM, eine Lufthansa oder eine British Airways nur träumen können.

  • rtr
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