Übernahme
AUA: Warten auf den Pokerspieler

Austrian Airlines droht die Pleite. Die schon vor einem Jahr angedachte Übernahme durch die Lufthansa könnte von der EU-Kommission im letzten Moment zu Fall gebracht werden. Die Aktionäre sind wütend: Der Aktienkurs ist bereits eingebrochen, jetzt droht weiterer Ärger.

WIEN. Anfangs herrscht nur draußen dicke Luft. Die Temperatur bewegt sich im Freien auf die Marke von 35 Grad zu, im Sitzungssaal des Austria Centers Wien sorgt die Klimaanlage für angenehmere Bedingungen. Wer auf dem Podium sitzt, sollte in jedem Fall einen kühlen Kopf bewahren: Der Vorstand von Austrian Airlines (AUA) hat die Aktionäre am Dienstag zu einem außerordentlichen Treffen zusammengerufen.

Die AUA-Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth sitzen zusammen mit ihrem Aufsichtsratschef Peter Michaelis auf dem Podium. Für sie hat es sicherlich schon angenehmere Tage gegeben. Vor ihnen in den Reihen der Aktionäre brodelt es, der Zorn der Anteilseigner richtet sich gegen die Verantwortlichen auf der Bühne. Austrian Airlines droht die Pleite, denn die schon vor einem Jahr angedachte Übernahme durch die Lufthansa könnte von der EU-Kommission im letzten Moment zu Fall gebracht werden. Kein Wunder, dass die AUA-Aktionäre ungehalten sind. Der Aktienkurs ist eingebrochen, jetzt droht weiterer Ärger.

„Ich fühle mich abgezockt vom Pokerspieler Mayrhuber“, schimpft ein Aktionär in der ersten Reihe über den Vorstandschef der Lufthansa. Der Zorn richtet sich gegen die Frankfurter: Die Übernahme durch die Lufthansa war die letzte Hoffnung für die AUA-Anteilseigner. Doch Wolfgang Mayrhuber pokert tatsächlich hoch gegenüber Brüssel und ist nicht bereit, auf alle Forderungen der EU-Wettbewerbshüter einzugehen und eine größere Zahl von AUA- und Lufthansa-Strecken („Slots“) an Konkurrenten abzugeben. Im Zweifel würden die Deutschen die Übernahme platzen lassen – und dann hätten die Aktionäre auf jeden Fall das Nachsehen. Ohne die Unterstützung aus Deutschland droht Österreichs Staatsairline der Absturz. Schon im vergangenen Jahr lag der Verlust bei 400 Millionen Euro.

In der Hauptversammlung sollen die Aktionäre eine Kapitalerhöhung abnicken und die neuen Mitglieder des Aufsichtsrates wählen. Alles Vorratsbeschlüsse für den Fall, dass die Übernahme durch die Lufthansa noch kommt. Doch viele sind vom Sinn dieser Veranstaltung nicht mehr so recht überzeugt. Wilhelm Rasinger, Österreichs bekanntester Anlegerschützer, spricht von einer „Phantomveranstaltung“.

Besonders bitter stößt einigen der Aktionäre auf, dass sie sechs Lufthansa-Manager in den neuen Aufsichtsrat wählen sollen. Aber keiner der Kandidaten ist in Wien erschienen, um sich persönlich vorzustellen. Auch Mayrhuber nicht, der bei einer erfolgreichen Übernahme den Vorsitz des Kontrollgremiums übernehmen soll. Würde es schon eine Einigung mit der EU-Kommission geben, wären die Frankfurter vielleicht gekommen.

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