Übernahme
Billigairline Gol schluckt Brasiliens Varig

Die brasilianische Billigfluggesellschaft Gol will den Konkurrenten Varig für 320 Mill. US-Dollar übernehmen.Gol will die internationalen Flüge unter der weiterhin unter der Marke Varig autonom geführten Gesellschaft nach Europa und den USA ausbauen. Dazu soll die Flugzeugflotte der Varig erhöht werden.

HB SAO PAULO. Die ehemals größte Fluglinie Lateinamerikas war letztes Jahr nach einem Konkursverfahren vom US-Investmentfond Matlin Patterson für 24 Mill. US-Dollar übernommen worden. Für die als Billigfluglinie konzipierte Gol ist die Varig vor allem wegen ihrer in- und ausländischen Fluglizenzen attraktiv.

Die Landerechte in Europa und den USA wurden im Konkursverfahren letztes Jahr in die Varig-Folgegesellschaft ("Nova Varig") übertragen. Gol will die internationalen Flüge unter der weiterhin unter der Marke Varig autonom geführten Gesellschaft nach Europa und den USA ausbauen. Dazu soll die Flugzeugflotte der Varig von derzeit 17 auf 34 Maschinen erhöht werden.

Vor allem der Flugzeugbauer Boeing würde davon profitieren. Gol selbst will sich auf das restliche Südamerika und auf Brasilien konzentrieren, wo 40 Prozent des kontinentalen Flugverkehrs stattfindet. "In wenigen Monaten wird Gol den brasilianischen Marktführer Tam überholen", erwartet Paulo Sampaio, Analyst von Multiplan Consultores. Die erweiterte Gol hält jetzt einen Marktanteil von 45 Prozent in Brasilien hinter Tam mit 50 Prozent, kann aber die von Varig wegen fehlender Flugzeuge nicht mehr beflogenen Strecken schnell ausbauen.

Entscheidend ist nun, dass die Justiz die Übernahme nicht verhindern wird. Denn noch ist unklar, ob die neue Varig, doch irgendwann noch haftbar gemacht werden kann für die im Konkursverfahren abgespaltene "alte" Varig mit einem Schuldenberg von rund 3,2 Mrd. Dollar. Mit der entscheidenden Unterstützung der Regierung kann die Gol jedoch rechnen.

Denn die Regierung von Luiz Inácio Lula da Silva bekommt das Chaos im brasilianischen Flugmarkt seit einem halben Jahr nicht in den Griff. Nach dem Absturz einer Boeing von Gol Mitte letzten Jahres, Fluglotsenstreiks und überbuchten Maschinen sucht Präsident Lula dringend eine Lösung, um die Kapazitäten in der Luft auszubauen. Die Krise der Varig ist einer der Gründe für das Flug-Chaos: Während die Zahl der Passagiere seit 2000 um 38 Prozent in 2006 auf 58 Mill. gestiegen ist, schrumpfte die Zahl der Flugzeuge um den gleichen Wert auf 230 Maschinen. Gleichzeitig wird die Regierung auch von den Fluggesellschaften unter Zugzwang gesetzt.

Ausländische Konkurrenten wie die Lan aus Chile sind an einem Einstieg bei der Varig interessiert, scheitern aber am Gesetz, wonach ausländische Investoren nicht mehr als 20 Prozent Anteile an einer nationalen Fluglinie in Brasilien besitzen dürfen. Mit der Übernahme durch die Gol ist die politisch komplizierte Gesetzesänderung nicht notwendig.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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