Übernahme der niederländischen Fluggesellschaft durch die Franzosen steht offenbar bevor
Air France greift nach Marktführerschaft

In die europäische Luftverkehrsbranche kommt Bewegung. Die Übernahme der niederländischen Fluggesellschaft KLM durch Air France steht offenbar bevor.

dp/cn/ebe DÜSSELDORF/PARIS. Französischen Medienberichten zufolge will Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta seinen Betriebsrat bis Mittwoch über „das Projekt einer Einigung mit KLM“ informieren. Das Unternehmen wollte weder bestätigen noch dementieren, dass Spinetta die Betriebsräte zu einer außerordentlichen Sitzung eingeladen hat. Anschluss an den neuen Unternehmensverbund sucht auch die halbstaatliche italienische Fluggesellschaft Alitalia. Gemeinsam würden die drei Gesellschaften die größte Fluglinie Europas bilden.

Der Zusammenschluss würde der Konsolidierung des europäischen Luftverkehrsmarktes einen massiven Schub geben. „Stärker als je zuvor wird der Markt in Zukunft von den drei großen Playern British Airways (BA), Deutsche Lufthansa und Air France bestimmt werden“, urteilt Robert Czerwensky, Experte für Luftverkehr bei der Hamburger Vereins- und Westbank, „langfristig werden sich die Drei den Markt aufteilen“.

Die Konsequenz werde nicht weniger, sondern mehr Wettbewerb sein, urteilen Experten. „Auch wenn die angestrebte Konsolidierung den Abbau von Überkapazitäten beschleunigen soll, dürfte sich dennoch der Wettbewerb etwa auf dem europäischen Markt, aber auch auf den Transatlantikrouten verschärfen“, vermutet Eric Heymann von DB Research. „Gekämpft wird um Martkanteile,“ so Heymann, „wer da Kapazitäten aus dem Markt nimmt, kann leicht Einbußen erleiden.“ Dennoch geht auch Heymann davon aus, dass es unter den europäischen Fluggesellschaften zur einer Flurbereinigung kommen wird – trotz staatlicher Protektion.

Die Unternehmen setzen jedoch nicht nur auf ihre eigene Stärke. Erst der Zusammenschluss zu Luftfahrtbündnissen ermöglicht es den Airlines im globalen Wettbewerb zu bestehen. Noch führt Lufthansa mit der Star Alliance und hält ihre Konkurrenten BA mit Oneworld und Air France mit Sky-Team auf Distanz. Mit der Übernahme der KLM würde Air France Sky-Team zur größten Luftfahrt-Allianz der Welt ausbauen. Die Niederländer brächten in die Ehe mit den Franzosen attraktive Marktpositionen in Nordamerika mit. Dort kooperiert KLM mit den US-Gesellschaften Northwest Airlines und Continental. Auch interessante Asienverbindungen könnte KLM beisteuern, dem „Markt mit dem größten Potenzial in der Zukunft und attraktiven Margen“, weiß Czerwensky. Keine marktentscheidende Rolle spielt in dem Reigen die Alitalia, die ohnehin nur am staatlichen Tropf hänge.

Kühl reagierte British Airways; die Briten hatten ebenfalls versucht, bei den Niederländern einzusteigen. Nachdem die Annährung von KLM und Air France bekannt wurde, erklärten die Briten die Verhandlungen für beendet. „Es ist jetzt nicht die Zeit für Merger in der Luftfahrt, sagte BA-Vertriebschef Dale Moss dem Handelsblatt. „Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft und stehen für Abenteuer nicht zur Verfügung“. British Airways fürchtet die Komplexität großer Unternehmenszusammenschlüsse, etwa den Einfluss verschiedener Gewerkschaften.

Eine Lösung für die um das Überleben kämpfende Swiss International Air Lines – kurz Swiss – ist indes nicht in Sicht. Die Lufthansa wird auf ihrer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch den Schweizern kein Angebot unterbreiten, erfuhr das Handelsblatt aus zuverlässiger Quelle.

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