Übernahme der Safeway-Kette ordnet den Lebensmittelhandel neu
Britische Supermärkte rüsten für die entscheidende Schlacht

Der Kampf um die britische Supermarktkette Safeway plc geht in die entscheidende Phase. Am Montag will die Wettbewerbsbehörde in London ihre Bewertung der bislang fünf Gebote vorlegen. Der Bericht wird als Vorentscheidung für die Neuordnung des Lebensmittelhandels auf der Insel gesehen.

LONDON. Safeway ist mit 9,2 % Marktanteil die viertgrößte Supermarktkette im Land und gilt als die letzte Zukauf-Chance der Branche.

Der britische Handel ist besonders attraktiv, da Preise und Gewinnspannen relativ hoch sind. Die Regierung fürchtet jedoch um den Wettbewerb und will die großen Spieler nicht zu mächtig werden lassen. Das Wirtschaftsministerium in London wird darum auf Grund des zunächst geheimen Kartellberichts im September endgültig entscheiden, wer im Rennen um Safeway bleibt.

Ausgelöst hatte das Poker Anfang des Jahres die William Morrisson Supermarkets. Die mit 6 % Marktanteil eher kleine Nummer fünf sorgte mit ihrem überraschenden Angriff für ein wahres Branchenbeben. Die großen Rivalen kamen unter Zugzwang: Erst stieg Sainsbury’s in das Poker ein, dann Asda und zuletzt Tesco.

Zudem hat Multimillionär Philip Green, einer der schillerndsten Geschäftsmänner Englands, Interesse angemeldet. Green besitzt große Modegeschäfte wie Bhs und hat im Herbst für 1,3 Mrd. Euro die Einzelhandelsgruppe Arcadia gekauft. Er schielt auf Safeway, da die Supermärkte immer mehr Umsatz mit Büchern, Musik und vor allem auch Kleidung machen.

So geht es beim Verkauf von Safeway längst nicht mehr allein um einen Lebensmittelhändler, der gesamte britische Handel wird neu geordnet. Deshalb lässt auch die Regierung seit Monaten genau prüfen. Und die Tatsache, dass die Kartellbehörde die Übergabe ihres Berichtes an Wirtschaftsministerin Patricia Hewitt in letzter Minute verschoben hat, zeigt, wie angespannt die Lage ist.

Zur Begründung hieß es, ein Bieter habe kurz vor Fristablauf nachgebessert. Dabei soll es sich um den zum US-Riesen Wal-Mart gehörenden Ableger Asda handeln. Die Firma erklärte, man sei froh, dass die Behörde mehr Zeit gebe. Asda sah wohl seine Chancen schwinden. In den vergangenen Wochen zeichnete sich ab, dass neben Entrepreneur Green auch Morrisons Gebot kartellrechtlich Chancen eingeräumt wurden, da die Kette in Nordengland vertreten ist, während Safeway überwiegend den Süden bestückt.

In der Londoner City gilt die plötzliche Verzögerung als Indiz, dass ein Verkauf von Safeway auch an einen der drei großen Rivalen denkbar ist – wenn auch unter Auflagen. Wal-Mart wittert zumindest seine Chance, zum Generalangriff auf Marktführer Tesco (Marktanteil 27 %) blasen zu können. Zudem will der US-Konzern unbedingt expandieren, um sein Europa-Geschäft zu stärken.

Die Amerikaner waren 1999 mit der Übernahme von Asda auf dem britischen Markt eingestiegen und hatten darauf einen Preiskrieg ausgelöst. Im Juli verdrängte Asda erstmals mit einem Marktanteil von 17 % Sainsbury’s (16,2 %) von Platz zwei. Jetzt lockt die Gruppe mit neuen Angeboten. Man sei nach einer Safeway-Übernahme bereit, rund 100 Läden zu verkaufen, heißt es – überwiegend an Morrison. Ein geschickter Schulterschluss, denn damit sind nicht nur die Chancen für Asda wieder gestiegen. Gegenbieter Morrison könnte sich darauf einlassen, denn im Gegenzug würde sich der „David“ der Branche einen gefährlichen Mitbieter vom Hals halten.

Doch der 71-jährige Firmenchef Ken Morrison will eigentlich lieber allein gehen. Allerdings wird auch er bei einem Sieg 60 Safeway-Standorte abgeben müssen. Aber so würde ein vierter starker Anbieter am Markt entstehen, argumentiert der Händler aus Yorkshire. Das sei im Sinne des Wettbewerbs und der Kunden. Und selbst der ehemalige Tesco-Chef Lord McLaurin of Knebworth hat erklärt: „Die Wettbewerbsbehörde wäre verrückt, wenn sie auch nur einem der großen Drei erlauben würde, Safeway zu übernehmen.“

Vielleicht tauchen aber noch weitere Gebote auf. Die Wagniskapitalgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR) hatte bereits Interesse gezeigt, dann aber abgewunken, da der Safeway-Kurs auf 300 Pence nach oben schoss. Nun liegt die Aktie wieder bei 275 Pence. KKR hat sich ausdrücklich die Möglichkeit offen gehalten, in das Poker zurückzukehren – wenn der Preis stimmt.

So steht der britische Handel vor einem heißen Herbst. Denn erst nach der Entscheidung der Regierung, wer bieten darf, startet der offzielle Bieterprozess. Ein Insider: „Der Sieger im Kampf um Safeway kann sich wohl erst zu Weihnachten freuen.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%