Übernahme des drittgrößten Einzelhändlers
Rewe kauft mit Partnern baltische Supermarktkette

Europas Handelskonzerne gehen zunehmend gemeinsam auf Shoppingtour. Dabei steht neben Lebensmitteln und Haushaltswaren jetzt erstmals auch eine Supermarktkette auf dem Einkaufszettel: das baltische Unternehmen Iki, das in Litauen und Lettland 209 Supermärkte betreibt.

BRÜSSEL. Die fünf Einzelhändler Rewe aus Deutschland, Leclerc aus Frankreich, Colruyt aus Belgien, Conad aus Italien und die Schweizer Coop haben gemeinsam die Mehrheit an dem baltischen Unternehmen Iki übernommen. Iki betreibt in Litauen und Lettland 209 Supermärkte und will dieses Jahr einen Umsatz von 635 Mill. Euro erzielen. Das Unternehmen mit 7 700 Mitarbeitern ist der drittgrößte Einzelhändler im Baltikum.

Rewe, Leclerc, Colruyt, Conad und Coop, die sich vor eineinhalb Jahren zur Einkaufsallianz Coopernic zusammengeschlossen haben, übernehmen rund 80 Prozent an Iki. Die verbleibenden 20 Prozent werden weiter von der Eigentümerfamilie Ortiz gehalten, die das Unternehmen 1992 gründete. Die Transaktion muss noch von der litauischen Wettbewerbsbehörde genehmigt werden. Sie soll im ersten Quartal 2008 abgeschlossen sein.

Die Übernahme zeige, dass Coopernic weit mehr als eine Einkaufsgemeinschaft sei, sagte Leclerc-Vorstandschef Michel-Edouard Leclerc in Brüssel. „Wir sind eine strategische Allianz“. Nur gemeinsam könnten die fünf unabhängigen Handelsunternehmen bei dem hohen Konzentrationsdruck in europäischen Einzelhandel bestehen.

Rewe-Chef Alain Caparros sagte, der Kauf von Iki könne das Vorbild für weitere gemeinsame Schritte der fünf Handelskonzerne bei der Auslandsexpansion sein. Die Rewe-Gruppe sei bereits in 14 Ländern aktiv und wolle weitere Märkte erschließen. Mit der Beteiligung an Iki schließe Rewe die Lücke seines Auslandsgeschäfts zwischen Polen und Russland, sagte Caparros. Über den Kaufpreis für die baltische Supermarktkette sei Stillschweigen vereinbart worden, ebenso über die Anteile, mit denen sich die fünf Unternehmen beteiligen, sagte ein Sprecher von Rewe.

Als Einkaufsgemeinschaft hat Coopernic nach eigenen Angaben großen Erfolg. Seit der Gründung seien mit mehr als 100 Lieferanten multinationale Handelsabkommen geschlossen worden, sagte Coopernic-Geschäftsführer Gianluigi Ferrari, darunter GlaxoSmithKline und Unilever. Das Ziel seien nicht nur geringere Einkaufspreise, sondern auch die Übernahme besonders erfolgreicher Produkt- und Logistikstrategien der fünf Partner. So habe Leclerc bestehende Lieferkanäle von Rewe für Dosenmais aus Ungarn genutzt und Rewe wiederum die Zulieferkanäle von Leclerc für Spargel.

Auch bei den Eigenmarken arbeiten die fünf Handelskonzerne zusammen und übernehmen Marken ihrer Partner. Allein im Jahr 2007 habe es in diesem Bereich 60 Kooperationsprojekte gegeben. Geplant sei auch die Entwicklung gemeinsamer Eigenmarken für alle fünf Unternehmen, hieß es bei Rewe. Allein habe Rewe keine Chance, bei der zunehmenden Internationalisierung des Einzelhandels zu bestehen, begründete Unternehmenschef Caparros die enge Zusammenarbeit.

Die fünf Partner von Coopernic, die zusammen einen Marktanteil von zehn Prozent in Europa haben und in 18 Ländern vertreten sind, wollen dabei freilich ihre Selbstständigkeit und planen keine finanzielle Verflechtung. Rewe ist mit 43,5 Mrd Euro Umsatz die Nummer zwei auf dem deutschen Markt, gut 30 Prozent davon erzielt die Gruppe im Ausland. Leclerc ist mit einem Umsatz von 31,3 Mrd Euro in Frankreich ebenfalls die Nummer zwei. Auch Conad und Coop sind in ihren Ländern die Nummer zwei, Colruyt ist der drittgrößte Einzelhändler Belgiens.

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