Übernahme durch Edeka Gabriel stellt neue Bedingungen für Tengelmann-Fusion

Die geplante Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann durch Edeka wird zur unendlichen Geschichte. Wirtschaftsminister Gabriel legt nun neue Forderungen vor – die schärfere Auflagen vorsehen.
Der Wirtschaftsminister stellt neue Bedingungen für die Ministererlaubnis der Tengelmann-Übernahme. Quelle: dpa
Sigmar Gabriel

Der Wirtschaftsminister stellt neue Bedingungen für die Ministererlaubnis der Tengelmann-Übernahme.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie unendliche Geschichte um die geplante Übernahme der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann durch Edeka ist um ein weiteres Kapitel reicher. In einem Schreiben an die Verfahrensbeteiligten, das dem Handelsblatt vorliegt, hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel neue zusätzliche Bedingungen für eine Fusion vorgelegt. Den Beteiligten hat er jetzt bis zum 29. Februar Zeit gegeben, dazu Stellung zu nehmen.

Bisher hatte der Minister nur aufschiebende Bedingungen formuliert, die erfüllt werden müssen, bevor eine erteilte Ministererlaubnis für den Zusammenschluss wirksam wird. Dabei handelt es sich weitgehend um Maßnahmen, die den Erhalt der bisher rund 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser‘s Tengelmann garantieren sollen. So wird darin gefordert, dass Edeka für die übernommenen Mitarbeiter einen Tarifvertrag mit den Gewerkschaften abschließt, der sicherstellt, dass für alle Beschäftigten mindestens fünf weitere Jahre Tariflöhne gezahlt werden und dass die Betriebsratsstrukturen erhalten bleiben.

Nun wurden die Auflagen erneut verschärft. Unter Punkt 6 des Schreibens erteilt Gabriel zusätzlich auflösende Bedingungen. Das heißt, dass bei einem Verstoß gegen die Verpflichtungen zur Arbeitsplatzsicherung innerhalb der Fünf-Jahres-Frist die „Ministererlaubnis als nicht erteilt“ gilt, wie das Ministerium betont. Damit müsste die Fusion dann im schlimmsten Fall rückabgewickelt werden.

Durch die neuen Auflagen will sich der Minister offenbar weiter rechtlich gegen mögliche Klagen absichern. Der Edeka-Konkurrent Rewe hatte bereits angedroht, im Fall einer Ministererlaubnis möglicherweise gegen die Entscheidung vor Gericht zu ziehen.

Das Ende eines deutschen Wirtschaftswunders
Wo alles begann
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1880 tritt Josef Kaiser in das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen ein. Gekauft und verkauft wird, was für den Lebensunterhalt notwendig ist: Salz, Zucker, Mehl und Grieß. Kaffee wird nur von gut betuchten Kunden gekauft, die ihn zu Hause selbst rösten.

Frisch gerösteter Kaffee
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1882 bietet Josef Kaiser seinen Kunden den ersten selbst gerösteten Kaffee an. Die Vorteile: Das Aroma ist besser und er ist in unterschiedlichen Mischungen und Qualitäten erhältlich. Geröstet wird der erste Kaffee in einer Röstpfanne auf einem gusseisernen Herd im eigenen Geschäft. Schon bald reicht das nicht mehr aus. Die Industrialisierung bringt Wohlstand. Der Kaffeekonsum in Deutschland steigt.

Geschwindigkeitspionier
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Josef Kaiser baut ein Filialnetz auf. 1889 besitzt Kaiser´s bereits 253 Niederlassungen. Schwerpunkt: das aufstrebende Ruhrgebiet, das Rheinland sowie Südwestdeutschland. Um die Belieferung aller Filialen zu gewährleisten, setzt Kaiser´s als eines der ersten deutschen Unternehmen „schnelle“ Lastautos ein. Deren Spitzengeschwindigkeit beträgt zwölf Stundenkilometer. Eine Kutsche braucht doppelt so lange.

Der Patron
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1899 wird Josef Kaiser Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Kaiser´s Kaffee-Geschäft GmbH. Ab sofort bestimmt er die zukünftige Entwicklung seines eigenen Unternehmens. Die Marschrichtung ist klar: weiteres Wachstum. 1910 ist Kaiser´s das größte Kaffeegeschäft Deutschlands und besitzt 1.250 Filialen – mehr als seine beiden größten Konkurrenten Buchthals Kaffeemagazin, Dortmund (500 Filialen) und Emil Tengelmann, Mühlheim/R. (400 Filialen) zusammen.

Die lachende Kaffeekanne
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Josef Kaiser hat die Idee eine Kaffeekanne als Firmenlogo einzusetzen. Paul Böhm modifiziert sie 1904 zur lachenden Kaffeekanne. Sie wird zum Markenzeichen aller Kaiser´s Filialen. 1914 entwickelt Prof. Peter Behrens (Mitglied des deutschen Werkbundes) die heutige Form der lachenden Kaffeekanne.

Belegschaft der Schokoladenfabrik und Bäckerei in Viersen
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1912 stehen 3.810 Mitarbeiter bei Kaiser´s in Lohn und Brot. Für die macht Josef Kaiser viel: Es existieren eine Betriebs- und Unterstützungskrankenkasse, sowie eine Altersvorsorge- und Geschäftssparkasse. 1910 gründet Kaiser´s die Julie-Kaiser-Stiftung für Wöchnerinnen.

Erster Weltkrieg
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Im Krieg verliert das Unternehmen rund 200 Filialen. Andere werden stark zerstört.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub hatte im Oktober 2014 seine seit Jahren defizitäre Tochter Kaiser's Tengelmann an Edeka verkauft. Nachdem das Kartellamt diesen Deal untersagt hatte, beantragten die Beteiligten im April 2015 eine Ministererlaubnis. Gabriel hat bereits erklärt, dass er die Übernahme unter strengen Auflagen genehmigen will. Nun warten die Firmen auf die endgültige Erlaubnis.

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