Übernahme durch Lufthansa
AUA wartet auf ein Zeichen aus Brüssel

Für die Beschäftigten der schwer angeschlagenen Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA) beginnt eine neue Woche der Ungewissheit. Der Wiener Finanzminister Josef Pröll hatte Hoffnungen genährt, eine Einigung mit der EU-Kommission über die geplante Übernahme durch die Lufthansa sei „in wenigen Tagen“ möglich. Dem wurde prompt aus Brüssel widersprochen.

WIEN. Auch die neuesten Vorschläge der Lufthansa bedürften einer tieferen Prüfung und würden längere Zeit beanspruchen.

Die Übernahme durch die Lufthansa ist der letzte Rettungsanker für Austrian. AUA schreibt tiefrote Zahlen. 2008 waren es etwa 400 Mio. Euro, der Negativtrend hat sich auch 2009 fortgesetzt. Die Zahlen für das erste Halbjahr legt AUA Anfang August vor, im ersten Quartal lag das Minus bei knapp 90 Mio. Euro. Das AUA-Management versucht, der Krise mit etlichen Sparprogrammen zu begegnen. Erst in der vergangenen Woche stimmten die AUA-Betriebsräte neuerlichen Kürzungen bei Urlaub und Gehältern von 150 Mio. Euro zu. Mit einem Umsatz von 2,5 Mrd. Euro gehört AUA zu den kleineren Spielern in der europäischen Luftfahrtbranche.

Lufthansa und EU-Kommission streiten um Flugrechte („Slots“), die nach einer AUA-Übernahme an die deutsche Fluggesellschaft fallen würden. Brüssel warnt davor, dass die Lufthansa zusammen mit dem kleineren österreichischen Konkurrenten auf wichtigen Strecken wie etwa Frankfurt–Wien eine Monopolstellung bekommen würde. Deshalb sollen Deutsche und Österreicher Flugrechte abtreten. Der Sprecher von Wettbewerbskommissarin Kroes sagte dazu, „dass jetzt alles von der Lufthansa abhängt“. Die neuen Vorschläge aus Frankfurt würden eingehend geprüft.

Die Regierung in Wien drängt auf eine schnelle Lösung in der AUA-Frage. Mit 42 Prozent der Anteile war der österreichische Staat bislang größter und wichtigster Aktionär. Wien hatte der Airline bereits Ende 2008 ein Subventionsgeschenk von 500 Mio. Euro gemacht, das das Überleben der AUA sichern sollte.

Ohne die Partnerschaft mit der Lufthansa droht Austrian eine Pleite. AUA-Vorstand Peter Malanik hatte in der vergangenen Woche angekün-digt, dass beim Neubeginn nach einer Insolvenz mindestens ein Drittel des aktuellen AUA-Geschäfts aufgegeben werden müsse. Weil Austrian dann zu einem kleineren Regionalanbieter schrumpfen würde, drohten ohne Lufthansa auch dem Flughafen Wien drastische Einschnitte.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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