Übernahme
Ebay kauft Shopping-Club Brands4Friends

Ebay setzt immer stärker auf Modeartikel. Der Online-Marktplatz übernimmt den auf Markenmode spezialisierten Shopping-Club Brands4Friends. Das Startup hat seinen Wert seit der Gründung im Jahr 2007 rapide gesteigert.
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DÜSSELDORF. Natürlich habe er schon mal etwas bei Brands4Friends gekauft, sagt Stephan Zoll, Deutschland-Chef des Online-Marktplatzes Ebay. Das letzte Mal seien es Turnschuhe gewesen. Alles habe wunderbar geklappt, beteuert er. Trotz zwei Wochen Lieferzeit habe er sich über den günstigen Preis gefreut.

Wenn Zoll bei künftigen Käufen etwas zu bemängeln haben sollte, dann reicht ein unternehmensinterner Anruf. Denn Ebay hat bekanntgegeben, dass es den Berliner Einkaufsclub Brands4Friends für 150 Millionen Euro kauft. Damit will das Unternehmen sein Modegeschäft ausbauen und damit das Wachstum des Konzerns beschleunigen.

Brands4Friends,dessen Umsatz nach eigenen Angaben 2009 bei rund 80 Millionen Euro lag, gilt in Deutschland als Marktführer in einem jungen Segment: dem geschlossenen Online-Modehandel. Danach darf nur kaufen, wer sich vorher bei dem Club beworben hat oder von einem Mitglied empfohlen wurde. Mit dieser Art der Exklusivität soll die Kauflust der Kundschaft, deren Durchschnittsalter bei 32 Jahren liegt, gekitzelt werden. Die Macher werben zudem mit Preisabschlägen von bis zu 70 Prozent auf die hochwertigen Modeartikel.

Die Mitglieder, rund 3,5 Millionen sind es deutschlandweit bei Brands4Friends, erhalten täglich E-Mails, in denen die auf wenige Tage beschränkten Verkaufsaktionen angekündigt werden. Beispiel: iPads von Apple standen für 499 Euro auf dem Programm, Verkaufsbeginn war sieben Uhr morgens. „Nach zehn Minuten war das Produkt ausverkauft“, erzählt Brands4Friends-Geschäftsführer Sergio Dias. Dieses hohe Tempo ist nicht selten: „In einer anderen Aktion haben wir diesen Sommer 300 Vespas in einer Stunde verkauft.“

Gegründet wurde das Start-up 2007 von Christian Heitmeyer und Constantin Bisanz. Zu den Investoren gehören Mangrove Capital Partners und Holtzbrinck Ventures sowie einige Internetunternehmer.

Als Pionier der elektronischen Wühltische gilt das französische Unternehmen Vente-Privée, das 2001 in Paris gegründet wurde. Der Deutschlandableger erwartet für dieses Jahr einen Umsatz von 74 Millionen Euro. Dritter großer Player ist der spanische Shoppingclub BuyVIP, der in diesem Herbst von dem Online-Händler Amazon gekauft wurde. Der Kaufpreis soll US-Medien zufolge bei 70 Millionen Euro gelegen haben. Die Akquisition von Amazon habe Ebay aber nicht unter Zugzwang gebracht, sagte Zoll.

Das sieht Handelsexperte Ulrich Eggert allerdings anders. „Ebay ist in ziemlicher Bedrängnis durch Amazon“, sagt er. Das Unternehmen gilt gerade bei jüngeren Nutzern als angestaubt. Ob die Rettung nun tatsächlich in dem Einkaufsclub liegt, sieht Eggert skeptisch. Er vermutet unter den Clubmitgliedern so manche „Karteileiche“: Menschen, die sich registriert haben, aber keinerlei Einkaufsaktivität zeigen. „Solche Clubs bleiben eine Nische“, sagt er.

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