Übernahme gescheitert
Aufstand gegen Roland Berger

Schwere Niederlage für die Beraterlegende Roland Berger: Seine Pläne für eine Fusion mit dem US-Unternehmen Deloitte sind am Widerstand der eigenen Partner gescheitert. Die wollen bleiben, was sie immer waren: unabhängig. Die internationale Expansion wird jetzt aus eigener Tasche finanziert.
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DÜSSELDORF. Am Ende blieb Roland Berger nichts anderes mehr übrig: Der legendäre Unternehmensgründer musste am Samstag seiner eigenen Niederlage zustimmen, wollte er nicht als Sturkopf dastehen. Den ganzen Samstag über hatten die 172 Partner der Unternehmensberatung Roland Berger in der Frankfurter Villa Kennedy darüber diskutiert, ob sie eine Kaufofferte des viel größeren US-Konkurrenten Deloitte annehmen sollten. Ergebnis: Roland Bergers Partner wollen unabhängig bleiben und aus eigener Kraft wachsen.

Die Stimmung war von Anfang an "sehr emotional", wie Aufsichtsratschef Burkhard Schwenker gegenüber dem Handelsblatt berichtet. Viele der Partner kritisierten Berger-Chef Martin Wittig, einen engen Vertrauten von Roland Berger, der Deal sei schluderig vorbereitet. Außerdem fehlten wichtige Zahlen über die prognostizierte Geschäftsentwicklung des gemeinsamen Unternehmens.

Die Wortführer der Neinsager waren vor allem asiatische Partner: "Bei uns läuft das Geschäft, lasst uns jetzt selbst Gas geben", sagte einer. Das Unternehmen habe schwierige Jahre hinter sich, monierte ein anderer, "und jetzt, wo wir wieder zehn Prozent wachsen, sollen wir das Zepter aus der Hand geben?" 2009 waren die weltweiten Umsätze um acht Prozent auf 616 Mio. Euro eingebrochen.

Um 17 Uhr, die Partner hatten bereits vier Stunden diskutiert, schrieb ein Partner einem Bekannten per SMS: "Die Stimmung kippt." Um kurz vor 18 Uhr stimmte dann auch nur einer der Partner per Handzeichen für einen Verkauf an Deloitte, fünf enthielten sich. 150 der 156 Anwesenden aber votierten für die Unabhängigkeit - darunter Roland Berger. Das Votum beendete nicht nur die Fusionspläne. Es beendete auch den Nimbus der Unfehlbarkeit von Firmengründer Roland Berger. Er selbst hatte vor einem Jahr erste Gespräche mit Deloitte geführt. Burkhard Schwenker, damals Chef der Firma, führte die Gespräche zusammen mit Wittig fort.

Auch Wittig, der den Partnern vor einigen Tagen in einer Mail die Kaufofferte präsentiert hatte, gilt seit gestern als angeschlagen. Ebenso Schwenker, der dem Deal durchaus Positives abgewinnen konnte: Der Zusammenschluss wäre "eine echte externe Alternative für Wachstum gewesen", sagte er dem Handelsblatt.

Jetzt wollen die Partner die globale Expansion von Berger selbst vorantreiben. Der Gründer selbst will nun ein Drittel seines Vermögens, rund 50 Mio. Euro, in den Ausbau der Beratung stecken, versprach er in der Sitzung. Und auch die übrigen Partner werden zuschießen. Mit dem Geld sollen die Büros in New York und in der Türkei ausgebaut und neue in Jakarta und Kuala Lumpur eröffnet werden. "Es herrscht Aufbruchstimmung", sagte ein Partner.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin

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