Übernahme in den USA
Vorwerk will mit Kosmetik schneller wachsen

Der Kauf von Jafra Cosmetics eröffnet dem Familienunternehmen ein neues Geschäftsfeld jenseits von Staubsaugern und Haushaltsgeräten.

WUPPERTAL. Das Wuppertaler Familienunternehmen Vorwerk bietet künftig auch Kosmetikprodukte an. Mit der größten Übernahme in der 121jährigen Unternehmensgeschichte – dem Kauf des amerikanischen Kosmetik-Direktvertriebs Jafra vor vier Wochen – steigt Vorwerk in einen wachstums- und margenstarken Markt ein, sagt Jörg Mittelsten Scheid, einer der beiden persönlich haftenden Gesellschafter des Direktvertriebsunternehmens, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Mit den weltweit knapp 400 Mill. $ Umsatz von Jafra will Vorwerk in diesem Jahr insgesamt 2 Mrd. Euro umsetzen. Damit liegen die Wuppertaler, die den größten Teil ihres Geschäfts mit dem Verkauf von Staubsaugern und Haushaltgeräten machen, klar vor dem US-amerikanischen Direktvertriebskonkurrenten Tupperware, der zuletzt rund 1,2 Mrd. $ erzielte.

Im Wohnzimmer ihrer Kunden sollen die Vorwerk-Fachberater künftig allerdings nicht Staubsauger und Kosmetik im Paket feilbieten. Jafra behält seine eigene Vertriebsorganisation, in der vor allem Frauen in Teilzeit beschäftigt sind. „Wir haben gelernt, dass man sich im Direktvertrieb auf ein Thema konzentrieren muss, um erfolgreich zu sein“, sagt Mittelsten Scheid. 2002 hat Vorwerk deshalb seine Verkaufsorganisationen klar nach Produktgruppen ausgerichtet. Das Resultat: deutlich höhere Wachstumsraten. Genaue Zahlen für das abgelaufene Jahr wird Vorwerk erst im Juni nennen; im ersten Halbjahr 2003 stieg der Umsatz um rund 6 %. Mit der aktuellen Umsatz- und Ergebnisentwicklung sei er „sehr zufrieden“, sagt Mittelsten Scheid und deutet damit an, dass Vorwerk 2004 noch schneller wächst. Ertragszahlen nennt das Familienunternehmen nicht.

Auch den Preis für die 100%-Übernahme von Jafra gibt Vorwerk nicht bekannt. Brancheninsider rechnen angesichts der stattlichen Netto-Verschuldung von Jafra, die 2003 mehr als 230 Mill. $ betrug, mit einer Summe zwischen 250 und 300 Mill. $. Die Finanzierung des Kaufs bereite Vorwerk keine Probleme, sagt Mittelsten Scheid. Bei flüssigen Mitteln von über 600 Mill. Euro könnten die Wuppertaler bar bezahlen.

Der bisherige Hauptanteilseigner von Jafra, die Beteiligungsgesellschaft Clayton, Dubilier & Rice, hatte das Kosmetikunternehmen 1998 von Gillette übernommen. Seitdem wurden die Zahl der Fachberater verdoppelt, neue Produkte eingeführt und die Präsenz vor allem in den USA und Mexiko gestärkt. Hier erzielt Jafra auch den höchsten Absatz. In Deutschland kommt das Unternehmen gerade auf 12 Mill. Euro Umsatz. Der Ausbau des internationalen Geschäfts bietet also noch viel Potenzial.

Mit einer Brutto-Umsatzrendite von 11,6 % im vergangenen Jahr kommt Jafra zwar nicht an die Marge des Branchenführers Avon Cosmetics heran, der 2003 bei 6,8 Mrd. $ eine Marge von 15,2 % erzielte. Allerdings belasteten zuletzt Refinanzierungskosten das Jafra-Ergebnis. Vorwerk-Gesellschafter Mittelsten Scheid ist überzeugt, einen guten Kauf getätigt zu haben: „Jafras Wachstum von zur Zeit deutlich mehr als 10 % liegt über dem, was man im Direktvertrieb mit Haushaltsgeräten erzielen kann.“ Zudem gilt auch bei Jafra, dass der Direktvertrieb als wenig konjunkturanfällig gilt. „Wir antworten nicht auf vorhandenen Bedarf. Wir schaffen die Bedarfssituation.“

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