Übernahme
Lufthansa gibt AUA noch nicht auf

Die Lufthansa unternimmt einen letzten Versuch, um Austrian Airlines (AUA) doch noch wie geplant zu übernehmen. Lufthansa-Konzernchef Wolfgang Mayrhuber sprach gestern Abend in Brüssel mit EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Ergebnisse wurden nicht bekannt. Man bleibe im Gespräch, teilte ein Kommissionssprecher mit.

WIEN/BERLIN. Die EU fürchtet, dass Lufthansa und AUA zusammen auf einigen innereuropäischen Strecken Monopolstatus erreichen könnten. Deshalb sollten beide Gesellschaften beispielsweise Flugrechte („Slots“) zwischen Frankfurt und Wien abtreten. Die Lufthansa weigerte sich bislang, allen Forderungen aus Brüssel nachzukommen.

Die Regierung in Wien hat sich ebenfalls in die Gespräche eingeschaltet. Bundeskanzler Werner Faymann und Finanzminister Josef Pröll versuchen, die EU-Kommission zur Freigabe des AUA-Kaufs durch die Lufthansa zu bewegen. Nicht bestätigt wurden Meldungen, wonach auch die deutsche Bundeskanzlerin aktiv sei. Ein Sprecher des Kanzleramts dementierte, dass Angela Merkel per Brief an die EU-Kommission um rasche und faire Behandlung der Lufthansa-Pläne gebeten habe.

In Wien ist die Sorge groß, dass die Übernahme platzen könnte. Scheitert der Kauf durch die Lufthansa, könnte auf die österreichische Regierung ein Zuschussbedarf in Milliardenhöhe zukommen. Im Dezember hatte die Regierung bereits 500 Mio. Euro für die frühere Staatsairline bereitgestellt. Bislang war Österreich mit etwa 42 Prozent der Anteile größter Einzelaktionär der AUA. Der deutsche Konzern ist der letzte Rettungsanker für AUA. Unter dem Konzerndach der Lufthansa könnte die Fluggesellschaft wahrscheinlich extrem drastische Einschnitte vermeiden. AUA und Lufthansa haben den Widerstand der EU-Kommission unterschätzt. Ein Sprecher von Kroes zeigte sich gestern skeptisch, dass eine schnelle Einigung erreicht werde.

Am Mittwoch kommt die EU-Kommission zu ihrem letzten regulären Treffen vor der Sommerpause zusammen. Das Angebot der Lufthansa läuft bis Ende Juli. Kommt bis Ende nächster Woche kein grünes Licht aus Brüssel, wäre die Übernahme gescheitert. Österreichs Regierung fürchtet, dass der AUA ohne Lufthansa ein gewaltiger Aderlass droht. AUA-Vorstand Peter Malanik hatte bereits angedeutet, dass das Unternehmen ohne Lufthansa ein Drittel seiner Stellen streichen müsse. Der Wiener Flughafen hat bislang große Bedeutung als Drehkreuz für Flugverbindungen nach Osteuropa. Das könnte in Zukunft verloren gehen.

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