Übernahme-Poker
Störfeuer belasten Tengelmann-Verhandlungen

Berichte über angebliche Kompromissvorschläge beim Spitzentreffen zur Zukunft von Kaiser's Tengelmann vergiften die Atmosphäre, die Hürden für eine Einigung sind hoch. Die Lösung hängt auch an einem kleinen Discounter.

DüsseldorfOffenbar gezielte Indiskretionen haben für erhebliche Irritationen bei den heiklen Verhandlungen über eine Zukunft der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann geführt. So berichtete die Lebensmittel-Zeitung unter Berufung auf Insider über angebliche Inhalte des Gesprächs zwischen Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub, Edeka-Chef Markus Mosa und Rewe-Chef Alain Caparros. Anwesend waren bei dem Treffen auch Vertreter von Verdi. Bei Teilnehmern hat die Veröffentlichung Ärger ausgelöst – hatten die Teilnehmer doch striktes Stillschweigen vereinbart.

Angeblich soll Rewe-Chef Caparros bei dem Treffen signalisiert haben, dass er an Standorten in Berlin interessiert sei und dafür im Gegenzug Edeka die Standorte in Bayern überlassen würde. Sollte das Paket für Rewe stimmen, so die Spekulation, könnte das Handelsunternehmen bereit sein, seine Klage gegen die Ministererlaubnis zurückzuziehen, die den Weg für eine Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka freimachen sollte.

Das Problem ist nur, dass Rewe nicht das einzige Unternehmen ist, das gegen die Ministererlaubnis geklagt hat. Auch der Einkaufsverbund Markant, der unter anderem die Händler Kaufland, Real Tegut und Globus vertritt, und der Discounter Norma haben Beschwerde dagegen eingelegt. Markant-Chef Franz-Friedrich Müller war nur auf Initiative von Caparros telefonisch zu dem Spitzengespräch zugeschaltet. Auch Norma war von Verdi und Tengelmann nicht eingeladen worden und hatte es deswegen abgelehnt, sich telefonisch zuschalten zu lassen.

Die Veröffentlichungen suggerieren, dass Markant und Norma folgen würden, wenn Rewe seine Klage zurückziehen würde. Doch dem tritt Rewe nun vehement entgegen. „Bei der Suche nach einer Lösung für die Zukunft von Kaiser's Tengelmann ist ein Kompromiss nur mit der Zustimmung der beiden Unternehmen Markant und Norma möglich. Wer glaubt, die Haltung dieser beiden Unternehmen sei nicht relevant oder vom Verhalten der Rewe abhängig, der irrt oder will gezielt einen falschen Eindruck in der Öffentlichkeit erwecken“, sagte ein Rewe-Sprecher.

Die Hürden für eine Kompromisslösung sind weiterhin hoch. Einen Termin für ein Folgetreffen der Firmenchefs gibt es noch nicht, wie aus Branchenkreisen zu erfahren war.

Norma hatte vor dem Spitzentreffen betont, dass das Unternehmen keine Veranlassung sehe, seine rechtliche Position zu verändern. Auf Nachfrage wollte sich Norma aktuell nicht dazu äußern, ob es da mittlerweile einen Verhandlungsspielraum gibt. Seine Aussagen hat das Unternehmen aber seitdem auch nicht korrigiert. Markant hatte sich nicht dazu geäußert, ob das Unternehmen grundsätzlich bereit sei, seine Klage zurückzuziehen.

Rewe, Markant und Norma hatten vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf gegen die Ministererlaubnis geklagt. Das Gericht hatte daraufhin in einem Eilbeschluss den Vollzug der Übernahme gestoppt. Die Richter werfen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor, er habe sich der Befangenheit verdächtig gemacht. Er habe Geheimgespräche mit den Chefs von Tengelmann und Edeka geführt, über deren Inhalte nichts in den Akten vermerkt war.

Tengelmann-Chef Haub hatte im Oktober 2014 erklärt, er wolle die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann an Edeka verkaufen. Das Unternehmen macht nach eigenen Angaben seit mehr als 15 Jahren durchgehend hohe Verluste. Das Bundeskartellamt hatte diese Übernahme verboten. Wirtschaftsminister Gabriel hatte dies mit seiner Erlaubnis aufgehoben.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
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