Übernahme
Sanofi entfacht Bieterkampf

Der tschechische Hersteller Zentiva soll Sanofi beim Wachstum im Generikamarkt helfen. Deshalb wollen die Franzosen ihren Anteil von 24,9 Prozent ausbauen. Doch Interesse an Zentiva hat auch Tschechiens reichster Mann, Peter Kellner, mit seiner Finanzgrupppe PPF. Ein Bieterkampf zeichnet sich ab.

HB PARIS. Der französische Pharmariese Sanofi-Aventis will ein umgerechnet 1,65 Milliarden Euro schweres Gegengebot für das tschechische Unternehmen Zentiva abgeben und damit eine Offerte der Investmentgesellschaft PPF übertrumpfen. Sanofi wolle 1050 tschechische Kronen je Zentiva-Aktie bieten, teilte der Konzern mit.

Die von Tschechiens reichstem Geschäftsmann Petr Kellner kontrollierte PPF hat 950 Kronen pro Anteilsschein geboten und hält zusammen mit Verbündeten, wie dem italienischen Versicherer Generali, 19,2 Prozent an Zentiva. Sanofi ist mit einem Anteil von 24,9 Prozent bereits Großaktionär bei den Tschechen.

Der französische Pharmakonzern würde mit der Übernahme von Zentiva weiter ins Gebiet der Nachahmermedikamente vordringen - ein Geschäft, das die großen Arzneimittelhersteller bislang eher gemieden haben, wegen der Expansion in Schwellenländern aber zunehmend auf Interesse stößt. Erst in der vergangenen Woche hatte der japanische Pharmakonzern Daiichi Sankyo die Übernahme des indischen Generikaherstellers Ranbaxy für umgerechnet drei Milliarden Euro angekündigt.

Branchenexperten gehen davon aus, dass die Pharmamärkte in den Schwellenländern spätestens bis zum Jahr 2020 die Umsatzschwelle von zusammen 400 Milliarden Dollar im Jahr erreichen werden. Preiswerte Nachahmermedikamente (Generika) dürften für einen Zugang zu diesen Ländern eine entscheidende Rolle spielen. Zentiva ist mit seinen Generika vor allem in der Tschechien und der Slowakei stark vertreten. Der Konzern hat zudem Gesellschaften in Rumänien und der Türkei.

Zu der geplanten Gegenofferte von Sanofi wollte sich Zentiva zunächst nicht äußern und verwies auf eine Mitteilung, die das Unternehmen noch am Mittwoch veröffentlichen wollte. Erst am Dienstag hatte der Vorstand den Aktionären geraten, zunächst nicht auf das Angebot von PPF zu reagieren und eine Hauptversammlung abzuwarten, die die Firma einberufen wolle.

Der Vorstoß von Sanofi veranschaulicht den Appetit großer Pharmakonzerne nach Herstellern von Nachahmermedikamenten, unter deren Konkurrenz sie angesichts auslaufender Patente und mangelnden Nachschubs zunehmend zu leiden haben. In Deutschland ist der drittgrößte Generikahersteller Stada immer wieder Gegenstand von Übernahmespekulationen. Diese trieben die Stada-Aktien auch an, die mit einem Plus von mehr als fünf Prozent auf gut 46 Euro mit Abstand größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax waren.

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