Übernahme von Aer Lingus
Ryanair geht auf die Langstrecke

Der irische Billigflugpionier Ryanair will den heimischen Konkurrenten Aer Lingus kaufen. Zusammen kämen die Gesellschaften nach Ryanair-Angaben auf mehr als 50 Mill. Passagiere jährlich. Das ist Lufthansa-Niveau. Auch von den Strecken her würde Ryanair zu den etablierten Airlines aufschließen, wenngleich das Unternehmen dies selbst nicht wahrhaben will.

LONDON. Nur drei Tage nach dem Börsengang der nationalen irischen Fluggesellschaft Aer Lingus gab Ryanair am Donnerstag überraschend ein Übernahmeangebot für das Unternehmen ab. Es bewertet den Konkurrenten, an dem der irische Staat 28 Prozent und die Angestellten rund 15 Prozent halten, mit knapp 1,5 Mrd. Euro. Aer Lingus lehnte die Offerte ab. Analysten sind geteilter Meinung über den Sinn eines Zusammenschlusses.

Die nationale Fluggesellschaft bringt eine Reihe lukrativer Langstreckenrouten und wichtige Start- und Landerechte an Europas passagierreichstem Flughafen Heathrow ein. In der Branche wird seit Jahren spekuliert, ob sich das Billigflieger-Modell auf Langstreckenflüge übertragen ließe. Doch Ryanair-Vizechef Michael Cawley sagte dem Handelsblatt: „Ryanair wird nie auf die Langstrecke gehen.“

Analysten sagten, finanziell sei der Übernahmeversuch logisch. „Mit einem Kauf von Aer Lingus würde Ryanair die Barmittel gut einsetzen“, sagte Stephen Pope, Leiter der Aktienanalyse beim Brokerhaus Cantor Fitzgerald. Ryanair argumentiert, die Erträge von Aer Lingus seien höher als die Zinsen, die die Barreserven an den Märkten erzielen könnten.

Zweifel äußerten manche Analysten jedoch an der strategischen Logik des Vorstoßes. „Wenn das Wachstum auf der Kurzstrecke so hoch ist, warum begibt sich dann ein hoch bewerteter Billigflieger in den Langstreckenmarkt?“ fragte Chris Reid, Analyst der Deutschen Bank.

Preissenkungen angekündigt

Wenig Probleme sahen Analysten auf der kartellrechtlichen Seite. Es werde sicher eine Untersuchung der Europäischen Kommission geben, doch die Hürden schienen nicht unüberwindlich, sagte Analyst Nick van den Brul von Exane BNP. Laut Ryanair weist das 500 Flugverbindungen umfassende Streckennetz der beiden Gesellschaften nur 17 gemeinsame Routen auf. Cawley rechnet im Gegensatz zu Analysten nicht damit, dass Ryanair Start- und Landerechte in Dublin aufgeben müsste. Ryanair-Chef Michael O’Leary verwies auf Märkte wie Frankreich und Deutschland, in denen es ähnlich dominierende Anbieter gebe. Die Fusion werde Ryanair vergleichbar machen mit Bündnissen wie Lufthansa/Swiss/SAS und Air France/KLM. Ryanair werde die Aer-Lingus-Preise auf der Kurzstrecke um 2,5 Prozent im Jahr senken, die Kerosinzuschläge abschaffen, die Flotte modernisieren und alle profitablen Routen erhalten.

Ryanair hat über die Börse bis Donnerstagabend eine Beteiligung von 19,21 Prozent an Aer Lingus zusammengekauft. Der gebotene Preis liegt mit 2,80 Euro je Aktie gut ein Viertel über den 2,20 Euro, zu denen das Papier am Montag an die Börse kam. Doch die Börse spekuliert auf mehr: Am Donnerstag stieg die Aer-Lingus-Aktie um mehr als 15 Prozent auf 2,90 Euro, während Ryanair etwas nachgaben.

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