Übernahme von Delta
US Airways stürmt an Weltspitze

Die Börse setzt auf ein Ende des beispiellosen Sinkflugs im US-Luftverkehr seit dem Terror des 11. Septembers 2001. Geradezu euphorisch feierte der gesamte Luftfahrt-Sektor am Mittwoch das überraschende Übernahmeangebot der Gesellschaft US Airways, die mit dem Kauf der insolventen Traditionslinie Delta Air Lines zur weltgrößten Fluggesellschaft aufsteigen will.

NEW YORK. Während die Aktien von US Airways und Delta Air Lines zeitweise zweistellige Zuwächse verbuchten, wurden auch deren US-Rivalen sowie weitere internationale Fluglinien deutlich höher gehandelt. Über den Atlantik landete selbst bei Lufthansa noch ein stattliches Plus von zweieinhalb Prozent.

Investoren hoffen darauf, dass die seit Jahren erwartete Marktbereinigung in den USA nun an Fahrt gewinnt und weitere Überkapazitäten vom Markt genommen werden. Weil US Airways im Falle einer tatsächlichen Delta-Übernahme die klare Nummer eins im Atlantikverkehr wäre und vor allem den Flugverkehr an der US-Ostküste weitgehend dominieren würde, erwarten Branchenexperten jedoch Widerstand von Seiten der Kartellbehörden. Die Fusion von US Airways und America West habe gezeigt, dass Zusammenschlüsse „sowohl gut für Investoren als auch gut für Kunden sein können“, entgegnete US-Airways-Chef Douglas Parker. Er verwies darauf, dass sein Unternehmen seit der Fusion die Flugpreise um durchschnittlich 24 Prozent gesenkt habe.

Der neue Verbund käme mit insgesamt 155 Flughäfen in eine führende Position, schrieb Parker in einem Brief an Delta-Chef Gerald Grinstein. Von dem Schritt verspricht er sich jährliche Einsparungen in Höhe von 1,65 Mrd. Dollar, weil Doppelfunktionen zusammengelegt, die Zahl unprofitabler Flüge reduziert und zehn Prozent der bisherigen Kapazitäten vom Markt genommen werden sollen. Die Delta-Fusion könne damit ähnlich wertschaffend sein wie der erst im Vorjahr vollzogene Zusammenschluss zwischen US Airways und America West. Schon damals hatte Parkers Billig-Airline aus Tempe, Arizona, einen Coup gelandet und die deutlich größere Traditions-Linie US Airways aus dem Gläubigerschutz herausgekauft.

Riskantes Unterfangen

Mit Delta plant er jetzt einen ähnlichen, jedoch weit riskanteren Deal: Er greift nach der Marke eines weltweit bekannten Traditions-Carriers und versucht, den Verbund unter seiner Führung auf das Kostenniveau eines Billiganbieters zu drücken. Größe sei zwar gut im Luftfahrtgeschäft, „aber nicht automatisch besser“, warnte Analyst Richard Bittenbender von der Ratingagentur Moody’s.

Parker kommt eine relativ starke Phase im Luftverkehr zugute, die die Aktien von US Airways und vieler anderer Fluggesellschaften in den vergangenen Monaten zu einem seltenen Höhenflug getrieben hat. Dank radikaler Einsparungen während der Insolvenz fliegt US Airways eine der branchenweit höchsten Gewinnmargen ein.

Das US-Konkursrecht erlaubt es Firmen, im Rahmen des Konkursverfahrens bei Weiterführung des Betriebs alle Verträge aufzukündigen, milliardenschweren Ballast wie Pensionsverpflichtungen abzuwerfen und damit die wichtigsten Kostenpositionen einschneidend zu senken. Nach rund 50 Mrd. Dollar Verlust seit 2001 ist deshalb fast die halbe US-Flugindustrie unter diesen Gläubigerschutz geflüchtet, darunter auch der wichtigste Lufthansa-Partner United Airlines sowie im Vorjahr Delta und Northwest Airlines.

Nach Ansicht von Parker können sich sechs große und seit Jahren notleidende US-Airlines nicht dauerhaft am Himmel halten. Auch United-Konzernchef Glenn Tilton gilt als Verfechter einer Konsolidierung, wie sie in Europa Air France mit dem Kauf von KLM und Lufthansa mit der Übernahme von Swiss vorantreiben. Auch um den bisherigen US-Branchenzweiten United und Continental gibt es Übernahmespekulationen, seit bekannt ist, dass sich United von der Investmentbank Goldman Sachs beraten lässt.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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