Übernahme von Kaiser's Tengelmann Edeka und Rewe wollen Donnerstag Vertrag unterzeichnen

Die Chefs der Handelsriesen Edeka und Rewe haben sich geeinigt, wie sie Supermarktkette Kaiser's Tengelmann untereinander aufteilen. Alain Caparros und Markus Mosa wollen den Vertrag am Donnerstag unterschreiben.
Update: 07.12.2016 - 15:40 Uhr 1 Kommentar
Edeka und Rewe wollen die Übernahme von Kaiser's Tengelmann vertraglich besiegeln. Quelle: dpa
Kaiser's Tengelmann

Edeka und Rewe wollen die Übernahme von Kaiser's Tengelmann vertraglich besiegeln.

(Foto: dpa)

MülheimDie Handelsriesen Edeka und Rewe wollen die Verträge zur Aufteilung der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann an diesem Donnerstag unterzeichnen. Das berichten mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend.

Unmittelbar nach der Unterzeichnung der Verträge werde Rewe die Beschwerde gegen die Ministererlaubnis zurückziehen und damit den Weg für den Vollzug der Übernahme freimachen, bekräftigte Rewe-Chef Alain Caparros am Mittwoch. Für die 15.000 Kaiser's-Tengelmann-Beschäftigten bedeutet der Vollzug der Ministererlaubnis eine fünfjährige Arbeitplatzgarantie..

Diese prominenten Politiker haben schon Streit geschlichtet
Gerhard Schröder
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Die Chefs sind heillos zerstritten, die erteilte Ministererlaubnis von Sigmar Gabriel kassierte das Oberlandesgericht. Im Streit um den Verkauf der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann haben Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub, die Konkurrenten und die Gewerkschaft Verdi monatelang erfolglos um eine Einigung gerungen. Nun soll Altkanzler Gerhard Schröder die zerstrittenen Parteien zusammenbringen und mehr als 15.000 Arbeitsplätze retten. Schröder ist aber nicht der erste Politiker, der in einer vertrackten Situation schlichten soll.

Matthias Platzeck
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Es war einer der erbittertsten Arbeitskämpfe in der Lufthansa-Geschichte: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hatte die 19.000 Flugbegleiter im November 2015 zu einem rund einwöchigen Streik aufgerufen, betroffen war gut eine halbe Million Passagiere. Nach Monaten der Verhandlung verkündete Schlichter Matthias Platzeck dann im Juli 2016 die Einigung. Am Ende stand ein Mammutwerk mit 19 Regelungen, die in 29 Einzelverträge gegossen wurden. „Ein bisschen Sisyphus bleibt immer”, resümierte der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident nach der Einigung. Er war aber nicht der Erste, den die Lufthansa zur Schlichtung benötigte.

Klaus von Dohnanyi
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Bereits 2003 moderierte der frühere Erste Bürgermeister von Hamburg erfolgreich einen Tarifkonflikt zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Lufthansa, bei dem es um rund 52.000 Mitarbeiter des Boden- und Kabinenpersonals der Airline ging. 2010 schlichtet er dann erneut einen Tarifstreit bei Lufthansa, dieses Mal hatten die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und das Management nicht zueinander finden können. 

Hans-Dietrich Genscher
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Auch der frühere Außenminister, der im März dieses Jahres verstarb, kam bei Europas größter Fluggesellschaft bereits als Schlichter zum Einsatz. 2001 vermittelte er im Tarifstreit zwischen den Piloten und dem Management. Genscher galt als erfahrener Taktiker und war deshalb eine Idealbesetzung für diesen schwierigen Job. 

Jürgen Trittin
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Der Grünen-Politiker hat maßgeblich dazu beigetragen, das Kapitel Atomenergie in Deutschland im Konsens zu beenden. Im Jahr 2000 handelte er zunächst als Bundesumweltminister mit den Chefs der Atomkonzerne den ersten Atomkonsens aus, der den schrittweisen Ausstieg aus der umstrittenen Technologie einleitete. Jetzt schuf er gemeinsam mit anderen Experten die Grundlage für die langfristig sichere Entsorgung des Atommülls. Trittin stand  gemeinsam mit den anderen Politikern Ole von Beust (CDU) und Matthias Platzeck (SPD) der Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KFK) vor.

Bodo Ramelow und Matthias Platzeck
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Matthias Platzeck an allen Fronten: Im Jahr 2015 wurde Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident zusammen mit dem thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow von den Linken (li.) beim Bahnstreik zu Hilfe gerufen – Ramelow von der Gewerkschaft der Lokführer (GDL), Platzeck von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Fast eine halbe Milliarde Euro kostet die Bahn der längste Streik ihrer Geschichte, zwölf Monate lang zitterten Kunden vor der Zugfahrt, ob die Reise nicht schon am Einstiegsbahnhof endete, 420 Stunden probten die Gewerkschafter den Ausstand – und hielten Fahrgäste wie Speditionen in Atem. Am 1. Juli 2015 konnten beide Schlichter endlich Entwarnung geben.

Heiner Geißler
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Gerne eingeschaltet wird auch Heiner Geißler, ehemaliger Minister und CDU-Fraktionschef. Zuletzt beim Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21, bei dem ihn Baden-Württemberg früherer Ministerpräsident Stefan Mappus (rechts) 2010 rief. Das Schlichtungsverfahren wurde auch deshalb in der Öffentlichkeit so stark beachtet, weil die Debatten zwischen Befürwortern und Gegner im Fernsehen übertragen wurden. Das Ergebnis der Schlichtung: Stuttgart 21 wird gebaut – aber mit deutlichen Änderungen und deutlich teurer als geplant.

Nach Angaben von Verdi-Chef Frank Bsirske müssen die Handelsriesen aufgrund der Vorgaben der Ministererlaubnis sogar neue Mitarbeiter einstellen. „Vereinbart ist, dass sie auf den Beschäftigtenstand von Ende 2015 zurückkehren“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske der dpa. Das bedeute rund 700 Arbeitsplätze mehr, als es derzeit in Filialen und Zentralen gibt. Denn während des Übernahmekampfes war die Mitarbeiterzahl reduziert worden.

Edeka und Rewe hatten sich bereits in der vergangenen Woche auf unterschriftsreife Verträge geeinigt. Doch mussten diese zunächst noch vom Bundeswirtschaftsministerium geprüft werden. Die Vereinbarungen sehen vor, dass Edeka zunächst die noch etwa 400 Kaiser's-Tengelmann-Filialen komplett übernimmt, dann aber mehr als 60 Geschäfte – vor allem in Berlin – an Rewe weiterreicht.

Rewe-Chef-Caparros betonte, mit dem nun erzielten Kompromiss habe der Kölner Handelsriese insbesondere in Berlin seine Marktposition langfristig sichern können. Insgesamt übernimmt Rewe nach Angaben des Managers mit den Läden auch 3100 Kaiser's-Tengelmann-Mitarbeiter.

Wo die Deutschen am liebsten einkaufen
Platz 10: Globus
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Die im Saarland ansässige Warenhauskette ist mit einem Umsatz von 4,8 Milliarden Euro der zehntgrößte Lebensmitteleinzelhändler Deutschlands. Im Ausland ist Globus in Tschechien und Russland aktiv.

Quelle: Nielsen Company

Platz 9: Rossmann
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Mit einem Umsatz von 5,75 Milliarden Euro kann sich die Drogeriemarktkette Rossmann auch als Lebensmitteleinzelhändler behaupten. Allerdings ist sie nicht der erfolgreichste Drogeriemarkt im Ranking.

Platz 8: dm Drogeriemarkt
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Die Drogeriemarktkette dm ist mit Abstand die größte Deutschlands, eine der Top-Marken im Land – und auch als Lebensmittelhändler erfolgreich. Ein Umsatz von 7,02 Milliarden Euro in 2015 bedeutet Platz acht. Genauso wie Rossmann setzte dm 2015 erfolgreich auf internationale Expansion – das Umsatzplus von 9,8 Prozent ist das größte im Ranking.

Platz 7: Tengelmann-Gruppe
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Die Tengelmann Warenhandelsgesellschaft KG ist eine Dachgesellschaft für mehrere Einzelhändler. Zu ihr gehören aus dem Bereich des Lebensmittelgeschäfts der Discounter Netto und die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann. Als Lebensmitteleinzelhändler liegt Tengelmann mit einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro auf Platz sieben. Seit zwei Jahren versucht Edeka, die Filialen von Kaiser's Tengelmann zu übernehmen.

Platz 6: Lekkerland
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Mit einem Umsatz von 9,07 Milliarden Euro ist Lekkerland die Nummer sechs im Ranking. Das Großhandelsunternehmen bedient vor allem Kioske und Tankstellen, neben Lebensmitteln und Getränken vertreibt es auch Tabakwaren, Telekommunikation und Non-Food.

Platz 5: Aldi
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Mit 27,8 Milliarden Euro Umsatz liegt Aldi auf Platz fünf des Händler-Rankings.

Platz 4: Metro
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Die Handelskette Metro betreibt unter anderem die gleichnamigen Großhandelsmärkte, als auch die Supermarktkette Real. Im Ranking ist die Metro-Gruppe dennoch der einzige Händler, der verliert: Ein Umsatz von 29,6 Milliarden Euro bedeuten ein Minus von 0,5 Prozent im Vergleich zu 2014 und Platz 4.

Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub hatte vor zwei Jahren beschlossen, die tiefrote Zahlen schreibende Supermarktkette an Edeka zu verkaufen. Der Plan stieß jedoch bei Wettbewerbshütern auf heftigen Widerstand. Sie befürchteten durch einen Verkauf der Kette ausgerechnet an den Marktführer Edeka weniger Wettbewerb und steigende Preise im deutschen Lebensmittelhandel. Im April 2015 untersagte das Bundeskartellamt deshalb den Zusammenschluss.

Zwar gelang es Tengelmann und Edeka nach monatelangem Ringen, das Veto der Wettbewerbshüter durch eine Ministererlaubnis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auszuhebeln. Doch wurde die Ausnahmegenehmigung im Juli vom Oberlandesgericht Düsseldorf auf Antrag von Rewe sowie der Wettbewerber Markant und Norma, die mittlerweile ihre Klage zurückgezogen haben, gestoppt. Erst unter Vermittlung von Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gelang es den Konzernen in den vergangenen Wochen, einen Kompromiss zu erzielen.

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1 Kommentar zu "Übernahme von Kaiser's Tengelmann: Edeka und Rewe wollen Donnerstag Vertrag unterzeichnen"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

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