Übernahme von Whole Foods
Amazon verabschiedet sich vom reinen Online-Modell

Das Interesse von Amazon an Läden ist nicht neu. Doch die Übernahme von Whole Foods ist eine Wende im Einzelhandel. Gleichzeitig ist der Deal aber auch ein Eingeständnis des Online-Giganten. Ein Kommentar.
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Die Börsenkurse drücken das Drama aus. Supermarktriese Kroger fiel um elf Prozent, Marktführer Walmart um fast fünf Prozent. Auf einen Schlag gingen Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung verloren.

Amazon kauft Whole Foods – die Nachricht sorgte für viel Wirbel an den Märkten. Die Anleger liegen nicht falsch. Der Kauf der Supermarktkette ist ein Wendepunkt im Einzelhandel. Zugleich ist er aber auch eine Art Eingeständnis, denn mit dem Deal verabschiedet sich Amazon von seinem Online-Modell. Dahinter steht die Einsicht, dass sich bestimmte Waren wie Lebensmitteln nicht gut über das Internet verkaufen lassen.

Das Interesse von Amazon an Läden ist nicht neu. Der Online-Gigant eröffnete eine Reihe von Buchläden, experimentiert mit Ladenkonzepten in Seattle. Das alles glich einem Vortasten, einem Ausprobieren und Lernen. Doch der Kauf von Whole Foods zeigt: Amazon-Chef Jeff Bezos hat etwas gefunden, muss einen Plan haben, wie er den Einzelhandel neu gestalten will.

Was Bezos vorhat, ist nicht bekannt. Aber es gibt Hinweise. Mehr Technik, weniger Schlange stehen, nahtloseres Zusammenarbeiten von digitalen und analog gewonnenen Daten. Es beginnt die Verschmelzung von physischen und internetgestützten Läden. Lebensmittel sind der Anfang, Möbel und andere Produkte könnten folgen.

Das ist keineswegs eine rein amerikanische Angelegenheit. Whole Foods verkauft zwar seine überwiegend ökologisch-nachhaltigen Waren nur in den USA. Aber das Modell lässt sich leicht auf andere Märkte übertragen. Auch werden Lidl und Aldi mit Interesse hinschauen, die deutschen Discounter arbeiten an einer großen US-Expansion.

Am interessanten ist die Reaktion der Amazon-Aktie. Der Kurs stieg um rund drei Prozent. Eine ungewöhnliche Sache, eigentlich fällt das Papier nach Bekanntgabe einer Akquisition, immerhin muss Amazon 14 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Aber die Anleger glauben an einen Erfolg, sie sind überzeugt, dass Bezos den Einzelhandel „knacken“ wird.

Es ist fraglich, ob Amazon mit dem stationären Handel jemals die gleichen hohen Renditen wie online erreichen wird, denn Läden sind teuer und unbeweglich. Aber Bezos schaffte schon mehrfach erstaunliche Dinge. Und dass der Einzelhandel nun in Bewegung kommt, ist in jedem Fall ein gute Nachricht für den Kunden.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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