Übernahme
Warum Nike in England zukauft

Der weltgrößte Sportartikelhersteller, Nike, baut sein Fußballgeschäft aus. Er will für 285 Mill. Pfund (408 Mill. Euro) den britischen Sportbekleidungshersteller Umbro kaufen, teilten die Amerikaner gestern mit. Umbro ist der Ausstatter der englischen Fußballnationalmannschaft sowie der Mannschaften von Irland, Schweden und Norwegen.

Ist der Preis günstig?

Nike-Chef Mark Parker nimmt viel Geld in die Hand. Die Aktionäre von Umbro sollen je Anteilsschein 193,06 Pence erhalten, was einem Aufschlag von gut 60 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Mittwoch entspricht, bevor Übernahmegerüchte die Runde machten. „Nike bietet einen sportlichen Preis. Ohne ein Übernahmeangebot wäre die Aktie sicher nicht so viel Wert“, meint Anlayst Andrew Wade vom Broker Seymour Pierce. „Wir glauben, dass uns die Kombination von Nike und Umbro die Führungsposition im weltweiten Fußballgeschäft beschert. Das ist eine Gelegenheit, die uns der Himmel beschert hat“, rechtfertigte Nikes Europachef Eunan McLaughlin das Angebot. Vergangenes Jahr erzielte Umbro einen Umsatz von 149,5 Mill. Pfund, musste aber vor kurzem eine Gewinnwarnung herausgeben, weil sich die Trikots des englischen Teams derzeit nur sehr schleppend verkaufen.

Bestehen noch Risiken für den Deal?

Vor der Einigung mit Nike sah es so aus, als könnte sich eine Bieterschlacht entwickeln. Nachdem das Interesse des US-Konzerns durchgesickert war, hat sich der britische Sportartikelhändler JJB Sports zehn Prozent an Umbro gesichert. Die Kette erzielt zwölf Prozent ihres Umsatzes mit Trikots des Herstellers. „Wir haben uns an Umbro beteiligt, um unsere Interessen zu wahren“, sagte ein Sprecher von JJB Sports. Neben JJB hat sich auch die Sporthandelskette Direct Sports einen Anteil von 15 Prozent gesichert. Gemeinsam erreichen die beiden Sporthändler eine Sperrminorität von 25 Prozent. Ziehen JJB und Sports Direct an einem Strang, könnten sie Verkauf verhindern. Die Ketten befürchten, dass Umbro sein Vertriebskonzept ändern könnte. Statt wie bisher ausschließlich den Fachhandel mit aktuellen Vereinstrikots oder Fußballschuhen zu beliefern, bieten sich auch die Filialen von Nike an. „Angesichts der komplexen Gemengelage, ist die Übernahme noch nicht in trockenen Tüchern“, warnt Analyst Wade.

Warum ist das Fußball-Geschäft für Nike wichtig?

Auf der ganzen Welt gibt es keinen Sport, der so beliebt ist. Vergangenes Jahr verfolgten eine Milliarde Menschen das Finale der Weltmeisterschaft zwischen Frankreich und Italien vor dem Fernseher. Fußball ist deshalb so attraktiv, weil sich nicht nur Sportler das entsprechende Equipment zulegen, sondern auch Fans. So verkaufte Adidas 2006 1,5 Mill. Trikots der deutschen Elf. Nike ist erst spät ins Fußball-Geschäft eingestiegen. In der Heimat von Nike, den USA, spielt der Sport in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle. Noch in den frühen 90er-Jahren setzte Nike im Geschäft mit dem runden Leder nur 40 Mill. Dollar um. Inzwischen stieg der Betrag auf 1,5 Mrd. Dollar, und die Amerikaner wollen Fußball-Marktführer Adidas überholen. „Das ist der populärste Sport der Erde, da wollen wir natürlich die Nummer eins sein“, sagte Nike-Manager Charlie Denson vergangenes Jahr dem Handelsblatt.

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