Übernahmen: Private sondieren Klinikmarkt

Übernahmen
Private sondieren Klinikmarkt

Leere Kassen und steigende Defizite zwingen einige Kommunen, ihrer Kliniken zu verkaufen und private Ketten stehen bereits parat. Die Klinikbetreiber wollen mit günstigen Übernahmen weitere Marktanteile erobern und so die Privatisierung im deutschen Gesundheitswesen vorantreiben.
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FRANKFURT. Nach einem guten Geschäftsjahr 2009 halten die privaten Klinikketten Rhön-Klinikum, Helios, Asklepios und Sana Ausschau, wie sie ihr Wachstum durch weitere Klinikzukäufe voranbringen können. Im Zuge sinkender Gewerbesteuern werden in den nächsten Monaten einige Häuser auf den Markt kommen, erwarten die privaten Betreiber. Rhön-Klinikum spricht derzeit den eigenen Angaben zufolge mit acht potenziellen Kandidaten, wobei sich nicht nur kommunale sondern auch Kliniken in kirchlicher Trägerschaft darunter befinden. Sana-Chef Michael Philippi sieht derzeit etwa 20 Kliniken in Deutschland, die sich mit Verkaufsgedanken beschäftigen: "Ob die aber alle auf den Markt kommen, ist fraglich", sagte er dem Handelsblatt.

Bei Asklepios rechnet man damit, dass im kommenden Privatisierungsschub mehr Krankenhäuser den Besitzer wechseln, als nach der Konjunkturflaute Anfang des Jahrzehnts. In den folgenden beiden Jahren 2004 und 2005 wechselten insgesamt 45 Kliniken mit rund 19 000 Betten in private Hände. Den ersten Zuschlag in diesem Jahr hat die im Besitz von Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt Bernard Broermann befindliche Asklepios-Gruppe erhalten. Ende Januar erwarb sie die drei Krankenhäuser (361 Betten) vom Landkreis Schwandorf mit zusammen 361 Betten und einer angeschlossenen Rehabilitationsabteilung.

Drei der vier privaten Klinikbetreiber haben bisher ihre Zahlen für das vergangenen Jahr vorgelegt, mit denen sie zeigen, das sie im jährlich wenig wachsenden Krankenhausmarkt überdurchschnittlich zulegen und weiter Marktanteile gewinnen. Zusammen kommen die vier großen Klinikketten Asklepios, Rhön Klinikun, Helios und Sana im 65 Mrd. Euro schweren deutschen Krankenhausmarkt allerdings gerade auf etwa 11 bis 12 Prozent Marktanteil: Der Klinikmarkt in Deustchland ist sehr fragmentiert.

Sana ist im vergangen Jahr mit 18 Prozent beim Umsatz deutlich schneller gewachsen als die Konkurrenz. Dazu trug maßgeblich die Einbeziehung neuer Häuser in Hameln sowie Hoyerswerda bei. Auch die zum Dax-Konzern Fresenius gehörende Klinikkette Helios wuchs akquisitionsgetrieben zweistellig und hat mit einem Umsatz von 2,4 Mrd. Euro die Rhön-Klinikum AG überholt. Sana wie Helios schafften aber auch organisch einen stattlichen Zuwachs von sieben Prozent. Rhön Klinikum legte den vorläufigen Zahlen zufolge um 9 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro Umsatz zu. Das organische Wachstum betrug sogar 7,7 Prozent.

Trotz der Integration von Kliniken mit teilweise erheblichem Sanierungsbedarf konnten die privaten Klinikkonzerne auch ihre Gewinne deutlich steigern. Bei Sana erhöhte sich der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 14,5 Prozent auf 68,7 Mio. Euro, bei Helios um 17 Prozent auf 205 Mio. Euro. Rhön steigerte sein Ebit um 5,3 Prozent auf 181,2 Mio. Euro. Mit Blick auf die zu erwartenden Privatisierungen haben sich die Klinikketten zum Teil erhebliche finanzielle Mittel gesichert. Rhön-Klinikum hatte bereits im vergangenen Sommer im Zuge einer Kapitalerhöhung brutto 460 Mio. Euro eingenommen. Bei Helios steht der Mutterkonzern Fresenius für kleine und mittlere Akquisitionen bereit, wie Konzernchef Ulf Schneider jüngst bei der Bilanzpressekonferenz sagte. Helios will pro Jahr durchschnittlich 150 bis 160 Mio.Euro Klinikumsatz hinzukaufen. Sana hat sich von seinen Eignern, den privaten Krankenversicherungen, frisches Geld besorgt. Durch Genussrechte über 64 Mio. Euro erhöht sich das zur Verfügung gestellte Eigenkapital auf 184 Mio. Euro. "Wir können, wenn wir wollen, auch eine große Akquisition finanzieren", sagt Sana-Finanzvorstand Thomas Lemke. Im vergangenen Jahr hat Sana mit dem mehrheitlichen Erwerb der norddeutschen Regiokliniken (140 Mio. Euro Umsatz) die größte Klinikprivatisierung des vergangenen Jahres für sich entschieden. Inklusive der Regiogruppe will Sana in diesem Jahr auf 1,5 Mrd. Euro Umsatz zulegen.

Sana verfolgt dabei eine andere Privatisierungsstrategie als etwa Helios. Während Helios auf den vollständigen Erwerb von Kliniken abzielt, bietet Sana auch Kooperationen, Managementverträge und Minderheitsbeteiligungen an. "Wir brauchen ein Angebot für den Fall, dass sich die Politik nicht für die Komplettabgabe eines Krankenhauses entscheiden kann", sagt Sana-Vorstandschef Philippi. Die Minderheitsbeteiligung sei aber nicht für jeden Standort die Lösung, so Philippi, das sei auch davon abhängig, wie groß der Sanierungsdruck sei.

Sana liefert übrigens das erste Beispiel dafür, dass ein einst aus öffentlicher Hand erworbenes Krankenhaus wieder zurückwandert. Das 90-Betten-Krankenhaus in Gransee nördlich von Berlin ging im vergangenen Sommer an den Klinikverbund des Landkreises Oberhavel, weil Sana das Krankenhaus aus seiner Gesellschaft in Berlin heraus medizinisch und pflegerisch nicht sinnvoll in die Gruppe einbinden konnte. Gransee stand quasi allein gegen einen großen öffentlichen Wettbewerber.

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