Übernahmepläne
Aer Lingus lässt Ryanair abblitzen

Ryanair versucht erneut, den heimischen Konkurrenten Aer Lingus zu übernehmen. Doch die einstige Staatsfluglinie will davon überhaupt nichts wissen. Die Offerte sei dem Wert des profitablen Unternehmens nicht angemessen.
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DublinDie irische Fluggesellschaft Aer Lingus hat das Übernahmeangebot des einheimischen Rivalen Ryanair zurückgewiesen. Selbst wenn die Kartellbehörden dem Vorhaben zustimmen würden, sei die Offerte dem Wert von Aer Lingus nicht angemessen, teilte die einstige Staatsfluglinie am Mittwoch in Dublin mit. Die Aktionäre sollten das Angebot daher nicht annehmen.

Das Management argumentiert, dass sich Aer Lingus seit 2009 zu einem profitablen und zukunftsfähigen Unternehmen entwickelt habe. Außerdem sei es zweifelhaft, ob die EU-Kommission die Übernahme genehmigen würde. Den ersten Übernahmeversuch durch Ryanair hatten die Wettbewerbshüter vor mehr als fünf Jahren gestoppt.

Ryanair hatte am Dienstagabend angekündigt, Aer Lingus in einem dritten Versuch doch noch ganz übernehmen zu wollen. Europas größte Billigfluggesellschaft bietet 1,30 Euro je Aer-Lingus-Aktie - weniger als halb so viel wie beim ersten Versuch und 10 Cent weniger als beim zweiten Anlauf 2008. Insgesamt bewertet die neue Offerte Aer Lingus nur noch mit knapp 700 Millionen Euro.

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist zudem zu Zugeständnissen an die Wettbewerbsbehörden bereit. Mit eine Fusion von Aer Lingus und Ryanair entstehe eine starke irische Fluggesellschaft, die es mit den anderen Branchengrößen in Europa aufnehmen könne, sagte O'Leary. Die Aer-Lingus-Standorte an Europas größten Flughäfen seien eine hervorragende Ergänzung zu den günstigeren Regional-Airports, die Ryanair anfliege.

Aer Lingus hält es indes für möglich, dass Ryanair demnächst sogar die bestehende Beteiligung von knapp 30 Prozent abstoßen muss. Derzeit beschäftigt sich noch die britische Übernahmekommission mit dem Thema.

Auch Experten sehen den Vorstoß von Ryanair vor erheblichen Hürden. "Es ist nur schwer vorstellbar, wie die europäischen Wettbewerbshüter überzeugt werden können", sagte Analyst Brian Devine von NCB Stockbrockers. Vor allem die Dominanz auf den Routen zwischen Irland und Großbritannien bereitet den Aufsehern Sorgen. Hier kommen beide Unternehmen zusammen auf rund 80 Prozent der Flüge.

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Regierung noch unentschlossen

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