Übernahmepoker um Austrian Airlines
Air France fühlt sich benachteiligt

Europas größte Fluggesellschaft Air France-KLM sieht sich beim Übernahmepoker um die zum Verkauf stehende Austrian Airlines benachteiligt. Sie wirft dem Konkurrenten Lufthansa vor, mit seinem Angebot gegen die Regeln verstoßen zu haben.

PARIS / FRANKFURT. "Laut Presseberichten will Lufthansa nicht die Schulden von Austrian Airlines übernehmen", sagte Finanzvorstand Philippe Calavia dem Handelsblatt am Rande der Vorstellung der Halbjahresergebnisse. "Wenn das stimmt, respektiert die Lufthansa-Offerte nicht den Forderungskatalog des Verkäufers."

Air France-KLM hätte dagegen in seiner Angebotskalkulationen sehr wohl eine vollständige Schuldenübernahme eingerechnet - und sich deshalb aus dem Bieterrennen verabschiedet. "Sollte der Forderungskatalog nun vom Staat geändert werden, wären wir durchaus wieder an Austrian Airlines interessiert", sagte Calavia.

Die Lufthansa geht davon aus, dass die Übernahme der AUA auf einem guten Weg ist. Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber hatte erst am Mittwoch bei einer Konferenz in New York betont, dass die Entscheidung nun in Brüssel bei der EU liege.

Auch bei Alitalia sind Air France-KLM und Lufthansa Konkurrenten. Hier geht es um den Kauf von 20 Prozent an der italienischen Gesellschaft. "Wir sind Kandidat, das Investoren-Konsortium von Alitalia muss nun entscheiden, wen es aufnehmen will", sagte dazu Konzern-Chef Jean-Cyril Spinetta.

Die schwache Konjunktur sowie Marktbewertungen aus Absicherungspositionen ließen bei Air France-KLM den Gewinn im zweiten Quartal (Stichtag: 30. September) um 96,2 Prozent auf nur noch 28 Mio. Euro einbrechen. Das Ergebnis ist indes durch die Stichtagsbewertung von Absicherungsgeschäften verzerrt. Air France sichert sich traditionell in hohem Maße gegen steigende Ölpreise mit Hedging ab. Da der Ölpreis stark gefallen ist, belasteten die Hedging-Positionen den Gewinn. Ohne diesen Effekt ergibt sich ein Ergebnis-Rückgang um 49 Prozent auf 244 Mio. Euro.

"Im zweiten Halbjahr werden uns die Absicherungsgeschäfte einen Verlust von rund 300 Mio. Euro einbringen", sagte Chief Operation Officer Pierre-Henri Gourgeon. "Auf das Gesamtjahr gesehen, sparen wir durch das Hedging aber Geld." Konzernchef Spinetta bekräftigte, dass Air France-KLM sich weiter vor Ölpreisschwankungen schützen will. Derzeit zeichne der Konzern aber keine neuen Kontrakte, um "abzuwarten, wie sich der Markt entwickelt."

Erzrivale Lufthansa verfährt ähnlich wie Air France-KLM. Nach Angaben von Finanzchef Stephan Gemkow ist derzeit nicht geplant, das Hedging der Treibstoffpreise auszubauen. Man wolle erst einmal abwarten, hatte er jüngst erklärt. Lufthansa hatte zum Halbjahr ursprünglich 85 Prozent des Bedarfs im Rest des Jahres abgesichert. Weil aber durch die Pleite des Hedging-Partners Lehman Brothers Teile dieser Absicherungs-Instrumente wertlos geworden sind, hat sich diese Quote auf 72 Prozent reduziert.

Um sich für eine Rezession wetterfest zu machen, will Air France-KLM im laufenden Geschäftsjahr 260 Mio. Euro zusätzlich einsparen, vor allem im Einkauf. Ferner tritt der Konzern bei Flugzeugeinkäufen kürzer: Bei Boeing will Air France-KLM Optionen für rund ein Dutzend Maschinen, vor allem Frachtflugzeuge, nicht ausüben. "Darüber hinaus reden wir mit Boeing über die zeitliche Streckung fester Orders ab dem Jahr 2011", sagte Finanzvorstand Calavia. Den Riesenflieger Airbus A380 hätte Air France dagegen lieber gestern als heute, da die Maschine zu den effizientesten des Marktes zähle.

Finanziell steht die Fluggesellschaft grundsolide da, auch wenn der freie Cash Flow von 476 Mio. Euro auf 173 Mio. sank. Der Rückgang wurde teilweise durch die Kosten für Absicherungsgeschäfte verursacht. Inklusive einer Kreditlinie von zwei Mrd. Euro verfügt der Konzern über Barmittel von 4,4 Mrd. Euro. Die Schulden belaufen sich auf nur 2,75 Mrd. Euro.

Nach der Gewinnwarnung von Oktober, wagt der Konzern nun keine konkrete Prognose mehr. Air-France KLM stellt lediglich in Aussicht, im Geschäftjahr 08/09 "ein klar positives Betriebsergebnis" auszuweisen.

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