Übernahmeschlacht
Emi kommt unter die Haube

Über drei Millarden Euro will Terra Firma für Emi zahlen. Und zumindest das Führungsgremium des Musikkonzerns mit Künstlern wie Robbie Williams, Norah Jones und Herbert Grönemeyer findet das Angebot fair. Die Aktionäre spekulieren jedoch bereits auf ein Gegenangebot – und hoffen vor allem auf die Konkurrenz.

HB LONDON. Die Übernahmeschlacht um den Musikkonzern Emi strebt dem Höhepunkt zu. Gestern stimmte der Vorstand des Unternehmens einer Offerte des Private-Equity-Hauses Terra Firma zu. Der Londoner Finanzinvestor bietet 2,4 Mrd. Pfund (3,5 Mrd. Euro). Die Emi-Aktie sprang sofort über den entsprechenden Preis von 265 Pence. Daraus lässt sich schließen, dass die Anleger auf Gegenangebote hoffen.

Der drittgrößte Musikkonzern befindet sich seit Jahren immer wieder in Fusionsverhandlungen mit dem US-Konkurrenten Warner Music. Doch bisher scheiterten diese an Bewertungsdifferenzen und der Furcht vor einem Veto der Kartellbehörden. Anläufe scheiterten 2000, 2003 und gleich mehrfach innerhalb der letzten zwölf Monate. Zuletzt hatte Warner 2,1 Mrd. Pfund geboten, Zeitungen zufolge sind die Amerikaner jedoch bereit, noch 100 Mill. Pfund draufzulegen.

Seit einigen Monaten interessieren sich auch Finanzinvestoren intensiv für das britische Unternehmen. Einen Vorstoß von Permira hatte Emi-Chef Eric Nicoli im Dezember 2006 noch abgewehrt. Dafür musste er sich jedoch harsche Kritik der Anleger anhören, als Emi kurz darauf die Märkte mit einer Gewinnwarnung schockierte. Zuletzt wurden vor allem die auf Sanierungsfälle spezialisierten US-Fonds Cerberus und Fortress sowie die JP-Morgan-Tochter One Equity als Bieter gehandelt.

„Wir glauben, dass die rasche Abwanderung von physischen Tonträgern zu Online-Formaten langfristig eine Wachstumschance für die Musikindustrie ist“, erklärte Terra Firma das Interesse an Emi. Der Musikkonzern habe eine Chance, einen größeren Teil der Wertschöpfungskette zu besetzen, wenn er jetzt sein Geschäftsmodell schnell auf die digitale Welt umstelle. Das gehe am besten in privatem Besitz. Terra Firma werde Emi mit den nötigen Mitteln versorgen.

Der Bieter bezieht sich damit auf den Ausblick, den das Unternehmen gestern Abend zusammen mit den vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr zum 31. März veröffentlichte: „Wir haben langfristig Vertrauen in unsere Zukunft. Der Appetit der Kunden auf Musik war nie größer.“ Emi habe in den vergangenen Monaten eine Reihe von Vorschlägen von verschiedenen Seiten erhalten und habe jeder interessierten Partei Informationen zur Verfügung gestellt. Terra Firmas Angebot sei „fair und vernünftig“.

Der digitale Verkauf von Musik im Internet macht bei Emi bisher noch keine zehn Prozent des Umsatzes aus. Er stieg zwar im vergangenen Geschäftsjahr um fast die Hälfte, doch dieser Zuwachs konnte den Verfall der Tonträger-Verkäufe längst nicht ausgleichen. Der Konzernumsatz sank nach den vorzeitig veröffentlichten Zahlen um 16 Prozent auf 1,75 Mrd. Pfund (2,6 Mrd. Euro). Emi schnitt damit nach Angaben von Analysten deutlich schlechter ab als die Branche insgesamt. Der operative Gewinn fiel um 100 Mill. auf 150 Mill. Pfund. Während bei Emi Music die operative Marge auf gut drei Prozent absackte, verbesserte sie sich beim Musikverlag Emi Music Publishing auf 26 Prozent.

Unter dem Strich rutschte der Emi-Konzern, unter anderem wegen Umstrukturierungskosten, mit 289 Mill. Pfund in die roten Zahlen. Die Nettoverschuldung stieg geringfügig auf gut 900 Mill. Pfund.

Analyst Alex DeGroote von Panmure Gordon bezeichnete das Barangebot von Terra Firma als guten Ausweg für die Emi-Aktionäre. Für Terra Firma wäre es ein Achtungserfolg, nachdem der Fonds mit mehreren großen Offerten gescheitert war, zuletzt im Kampf um die Drogeriekette Alliance Boots.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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