Übernahmewelle
Wettkampf um Indiens Himmel

Indische Luftfahrtgesellschaften wollen durch Übernahmen und Großinvestitionen in die Flotten den Erfolg erzwingen: Die drei größten Gesellschaften kontrollieren nun über vier Fünftel des Inlandsgeschäfts. Steigende Passagierzahlen locken auch Finanzinvestoren.

DELHI. Eine Konsolidierungswelle schüttelt Indiens Luftfahrtbranche durch: Hohe Verluste treiben eine Fluglinie nach der anderen in die Arme von Rivalen. Jüngstes Opfer der Turbulenzen im weltweit am schnellsten wachsenden Flugmarkt wurde Air Deccan. Indiens drei Jahre alter Billigflug-Pionier befördert jeden fünften Passagier, hat im Wachstumsrausch aber nicht auf Gewinne geachtet.

Anfang Juni stieg Kingfisher Airlines für 138 Mill. Dollar mit 26 Prozent bei Air Deccan ein. Weitere 20 Prozent will die Tochter des Brauerei-Riesen UB Group später erwerben. „Wir bekommen Air Deccan profitabel“, verspricht UB-Chef Vijay Mallya. Indiens „Bierkönig“ will die Gesellschaft separat als Billigflieger weiterführen und erwartet Synergien bei Wartung und Personal mit seiner Qualitäts-Airline Kingfisher. Der Deal setzt kleinere Anbieter unter Druck: Schon gerät Paramount Airways mit Avancen für GoAir in die Schlagzeilen.

In Gang gebracht hatte das Übernahme-Karussell Marktführer Jet Airways mit dem Kauf von Air Sahara im April für 350 Mill. Dollar. Die neue Tochter wird unter der Marke „Jetlite“ als Billigflieger positioniert und soll Angreifern wie Air Deccan Paroli bieten, die heftig an Jets Marktanteil nagen. Nächsten Monat fusioniert zudem der staatliche Inlands-Flieger Indian Airlines mit Air India und deren Low Cost-Tochter AI-Express. Das schafft die größte Fluglinie des Landes. Der angeschlagene Staatsriese Air India rückt unter Asiens Top Ten auf und kann sein Auslandsnetz mit Binnenrouten verknüpfen. So will er gegen internationale Größen den Löwenanteil an Flügen von und nach Indien erkämpfen. Ein geplanter Börsengang soll bei der Finanzierung von 111 bestellten Flugzeugen helfen, mit denen die fusionierte Air India ihre Flotte modernisiere will. Auch Kingfisher liebäugelt mit einem IPO. Dabei notieren Aktien von Jet und Deccan unter ihren Ausgabekursen.

Die Übernahmen haben den Markt indessen innerhalb eines Monats drastisch verändert: Die drei größten Gesellschaften kontrollieren nun über vier Fünftel des Inlandsgeschäfts: Jet und Jetlite kommen auf 33, Kingfisher und Air Deccan auf 29 und Air India und Indian auf 23 Prozent. Analysten hoffen, dass Synergien und ein Abflauen der Preiskämpfe dem gebeutelten Sektor jetzt Luft verschaffen. Air Deccan etwa wies im letzten Quartal einen Verlust von 53 Mill. Dollar aus - bei 108 Mill. Dollar Umsatz.

Nur Jet hat sich aus den roten Zahlen gearbeitet. Analysten sind nicht begeistert, dass sich die Gesellschaft nun einen problembeladenen Verlustbringer aufbürdet. „Es ist nicht absehbar, ob die Übernahme von Air Sahara ein Erfolg wird“, meint Kapil Kaul vom Center for Asia Pacific Aviation (Capa). Jet sei für gutes Management bekannt und könne auf Synergien zählen, müsse aber für ein bis zwei Jahre mit heftigen Anfangsverlusten rechnen. Auch Kingfisher und Air India stehen bei der Integration der neuen Töchter vor Herausforderungen. Vor allem reicht die bisherige Konsolidierung für Kaul nicht aus. „Der Markt braucht dringend einen Kapazitätsschnitt durch Ausscheiden von Anbietern“, meint er.

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