Überraschende Wende
Neckermann gewinnt den Kampf ums Überleben

Dem nach Otto zweitgrößten deutschen Katalogversender drohte bis Herbst 2009 noch das Aus. Jetzt aber findet die Frankfurter Traditionsfirma immer mehr Freunde im Internet. Und auch das Ende von Quelle dürfte zu dem Erfolg beigetragen haben.
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FRANKFURT. Das Versandhaus Neckermann, vor zwei Jahren wegen hoher Verluste noch am Rand einer Pleite, wird zu einem der am schnellsten wachsenden Handelskonzerne in Deutschland.

Um 20,6 Prozent, berichtete gestern Geschäftsführer Henning Koopmann, ging es von Januar bis September mit dem Umsatz im Heimatland nach oben. Bis zum Jahresende sollen die Erlöse die Marke von 860 Mio. Euro überschreiten.

Motor für den überraschenden Wiederaufstieg ist das Online-Geschäft. Der Einkauf per Mausklick steuerte zuletzt nicht nur zwei Drittel zum Umsatz bei, er legte zugleich um 31 Prozent zu. Zum Vergleich: Für 2010 prognostiziert der Handelsverband Deutschland (HDE) gerade einmal ein Wachstum von 1,5 Prozent.

"Wir konnten eine nachhaltige Trendwende einleiten", erklärte Koopmann. Denn noch deutlicher als beim Umsatz ging es mit dem Gewinn bergauf. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen erwartet der Versender in diesem Jahr zum ersten Mal seit langem wieder eine schwarze Null. Für 2012 verspricht der Neckermann-Chef sogar einen Nettogewinn.

Neckermann-Chef verspricht profitables Wachstum

Davon war das Frankfurter Unternehmen bislang weit entfernt. Dem Eigentümer Sun Capital, der Neckermann 2007 mehrheitlich erwarb, lieferte die Firma seither hohe Verluste - 2008 gab es ein Minus von 101 Mio. Euro. Inzwischen aber können die Amerikaner mit einem Ausgleich rechnen. "Wir werden profitabel weiter wachsen", versprach Neckermann-Chef Koopmann gestern.

Sein Versandhaus hat die Ausgaben, unterstützt von der Düsseldorfer Strategieberatung SMP, zuletzt drastisch reduziert. Nicht mehr benötigte Büroflächen gingen an neue Mieter, den teuren Außendienst stellte Neckermann ein, und auch die Postwurfsendungen wurden billiger. Eine Katalogseite kostet die Frankfurter heute nur noch 40 Prozent der ursprünglichen Summe.

Investiert hat das Traditionsunternehmen dagegen in die Kundenbindung. Rund 50 Mio. Euro wandern derzeit in die IT, um Internetnutzern zusätzliche Einkaufsfunktionen anzubieten und die Bezahlarten auszubauen. Anfang des Jahres will Neckermann die geschützten Abrechnungssysteme Giropay und Paypal installieren.

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  • ja, natürlich, das ist der natürliche Quelle-Nachfolger. Wir sind mit denen sehr zufrieden, gute Artikel, auch viel Modernes zu akzeptablem Preis. Der Versand ist noch etwas langsam und bei uns seltsamer Weise bisher keinerlei internetbewertung der Artikel möglich - aber die scheinen noch lernfähig zu sein...
    Jedenfalls besser, wie OTTO, obwohl sie ein Ableger davon sind. Otto ist oft unnahbar, Neckermann sehr viel freundlicher !!! Wir haben bisher 4 x bestellt, alles Volltreffer.
    Wie sagt man so bei Ebay - "bestens, gerne wieder..."

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