Überraschende Wende
Thiel verhandelt wieder über Pin-Übernahme

Der Minderheitsaktionär des angeschlagenen Briefzustellers Pin, Günter Thiel, hat am Dienstagabend die Verhandlungen mit dem Haupteigentümer Axel Springer AG über eine Übernahme der Pin Group überraschend wieder aufgenommen.

HB DÜSSELDORF/BERLIN. Geplant seien ausführliche Gespräche während der Nacht, sagte ein Sprecher des Pin-Verwaltungsratschefs und WAZ-Geschäftsführers Bodo Hombach. Mittwochmorgen um acht Uhr werde der Verwaltungsrat erneut zusammentreten. Am Dienstagvormittag hatte Thiel zunächst sein Übernahmeangebot zurückgezogen und seinen Rücktritt als Pin-Vorstandschef erklärt. Springer lehnte auf Anfrage einen Kommentar ab.

Der Pin-Verwaltungsrat hatte am Dienstag in Düsseldorf mehrere Stunden bis zum Abend über die Zukunft von Pin und der 9 000 Beschäftigten beraten. In der Sitzung hätten Vertreter der Unternehmensberatung Roland Berger positive Prognosen für das Unternehmen abgegeben, sagte der Sprecher. Daraufhin hätten Thiel und der Verlag die Gespräche wieder begonnen.

Die Pin Group bestätigte am Dienstagabend, dass wieder verhandelt wird. "Unter anderem verhandeln die Gesellschafter wieder darüber, ob und zu welchen Konditionen der Axel Springer Verlag Anteile abgibt", hieß es in einer Mitteilung. Mit einem Abschluss der Verhandlungen werde am Mittwoch gerechnet", sagte ein Sprecher der Pin Group.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, Thiel habe in der Sitzung am Nachmittag "offenbar überraschend noch einmal ein verbessertes Angebot" für den in Luxemburg ansässigen Briefdienstleister gemacht, um Springer dazu zu bringen, seine 63,7 Prozent zu übertragen. Aus dem Umfeld der Gesellschafter erfuhr das Blatt, dass Thiel den Springer -Verlag bis 2018 und damit länger als bisher angeboten an Gewinnen nach einer Pin-Sanierung und an Verkaufserlösen beteiligen wolle.

Außerdem habe Thiel dem Verlag inzwischen das geforderte Rückkaufsrecht für Pin für den Fall eingeräumt, dass bis Ende März doch noch ein Mindestlohn von maximal 7,50 Euro für Briefträger vereinbart werden würde. Springer hatte seinen Ausstieg bei Pin mit dem am Freitag im Bundestag beschlossenen Mindestlohn von 9,80 Euro begründet.

Das erste Übernahmeangebot hatte Springer inakzeptabel genannt. "Günter Thiel hat einen umfassenden Forderungskatalog aufgestellt, der aus wirtschaftlichen, juristischen und grundsätzlichen Erwägungen für die Axel Springer AG unannehmbar ist und den Fortbestand der PIN Group oder seiner Arbeitsplätze nicht sicherstellen würde", heißt es in einer in Berlin veröffentlichten Erklärung.

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