Überraschender Abschied
Karstadt trennt sich von Interimschef

An der Firmenspitze von Karstadt verändern sich die Machtverhältnisse: Interimschef Weitz muss überraschend gehen. Indes hat das Unternehmen seine Aufsichtsratssitzung erneut verschoben.
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DüsseldorfDie Karstadt-Mitarbeiter müssen weiter bangen, wie es mit der angeschlagenen Kaufhauskette weitergeht. Die mit Spannung erwartete Aufsichtsratssitzung am Donnerstag und damit die notwendigen Entscheidungen über die Sanierung werden erneut verschoben.

Der neue Eigentümer, der österreichische Immobilien-Investor René Benko, will zunächst den Beschluss des Kartellamtes zur Übernahme des Essener Traditionskonzerns und die Neuwahl der Anteilseigner-Vertreter abwarten, wie Karstadt am Dienstag mitteilte. Aufsichtsratschef Stephan Fanderl bekräftigte: „Wir werden die Sanierung der Karstadt Warenhaus GmbH zügig und entschlossen angehen.“ Aber der Entscheidung der Behörde könne das Management nicht vorgreifen.

Überraschend teilte das Unternehmen zudem mit, dass der Interimschef und langjährige Mitarbeiter Kai-Uwe Weitz die Warenhauskette verlassen wird. Weitz hatte Karstadt gemeinsam mit Miguel Müllenbach seit dem plötzlichen Abgang von Firmenchefin Eva-Lotta Sjöstedt im Juli geführt. Nach knapp zwei Monaten geht er nun „in beiderseitigem Einvernehmen“, wie es in der Karstadt-Mitteilung heißt. Müllenbach soll das Unternehmen vorerst allein weiterführen. Zuvor hatte darüber bereits der „Spiegel“ unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet.

Der bisherige Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen hatte seine Anteile in der vergangenen Woche an Benko und dessen Signa-Gruppe abgegeben. Die Übernahme wurde am Freitag beim Bundeskartellamt angemeldet. Die Behörde hat allerdings bislang noch keine Prüfungsfrist festgelegt. Im schnellsten Falle könnte die Genehmigung der Transaktion bis Mitte September erfolgen.

Dringende Entscheidungen über die Sanierung waren bereits nach dem abrupten Abgang von Firmenchefin Sjöstedt Mitte Juli verschoben worden. Ursprünglich sollte sich der Aufsichtsrat bereits Ende vergangenen Monats mit der Zukunft des Einzelhandelsriesen beschäftigen.

Über die Motive des neuen Eigners, der wenig Erfahrung im operativen Handelsgeschäft hat, wird derweil noch gerätselt. In Branchenkreisen wird vermutet, Benko könnte nach der Sanierung des mit Verlusten und Umsatzschwund kämpfenden Konzerns einen neuen Anlauf unternehmen, eine „Warenhaus AG“ mit dem Konkurrenten Kaufhof zu schmieden.

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