Ufo sagt Streiks ab Platzeck soll es auch bei Eurowings richten

Bei Eurowings haben sich die Verhandlungspartner hoffnungslos verkeilt. Einen neuen Streik hat die Gewerkschaft Ufo jetzt aber abgesagt. Nun soll es wieder Lufthansa-Schlichter Matthias Platzeck richten.
Update: 31.10.2016 - 14:33 Uhr 1 Kommentar
Der frühere Ministerpräsident von Brandenburg soll den Tarifstreit bei Eurowings schlichten. Quelle: dpa
Matthias Platzeck

Der frühere Ministerpräsident von Brandenburg soll den Tarifstreit bei Eurowings schlichten.

(Foto: dpa)

BerlinBei der Lufthansa-Tochter Eurowings wird es in dieser Woche trotz der gescheiterten Schlichtungsverhandlungen keine neuen Streiks der Flugbegleiter geben. Stattdessen soll der bereits beim Mutterkonzern erfolgreiche Schlichter Matthias Platzeck die Gespräche wieder in Gang bringen, schlug die Kabinengewerkschaft Ufo am Montag vor. Ursprünglich hatte sie für diese Woche mit zwei weiteren Streiktagen gedroht, die nun nicht stattfinden.

Platzeck kennt sich mit der Materie gut aus: Der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg befriedete nach harten Streiks der Flugbegleiter in monatelanger Kleinarbeit einen Tarifstreit mit der Lufthansa. Die Schlichtung für die 19.000 Stewards und Stewardessen der Kranich-Linie war im Sommer unter Dach und Fach. Von Eurowings war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

In der Nacht zum Montag waren Gespräche mit dem Eurowings-Management über eine mögliche Schlichtung gescheitert. Dort hatte man sich nach Angaben beider Seiten nicht auf einen Themenkreis einigen können. Eurowings hielt der Gewerkschaft Ufo vor, gewerkschaftspolitisch motivierte Ziele außerhalb der Tarifverträge zu verfolgen. Man sei jederzeit zur Schlichtung sämtlicher Tarifvertragsthemen bereit, hatte das Unternehmen am Sonntag festgestellt.

Ufo sieht hingegen den in der Lufthansa-Schlichtung unter Platzeck vereinbarten Rahmen nicht gewahrt. Die Gewerkschaft leitet aus der Platzeck-Schlichtung den Anspruch ab, die Arbeitsbedingungen für den Billigableger der Lufthansa weitgehend zu gestalten. Das Eurowings-Management habe zudem nach dem Streik verlangt, dass Ufo von ihren Forderungen ablasse.

Diese prominenten Politiker haben schon Streit geschlichtet
Gerhard Schröder
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Die Chefs sind heillos zerstritten, die erteilte Ministererlaubnis von Sigmar Gabriel kassierte das Oberlandesgericht. Im Streit um den Verkauf der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann haben Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub, die Konkurrenten und die Gewerkschaft Verdi monatelang erfolglos um eine Einigung gerungen. Nun soll Altkanzler Gerhard Schröder die zerstrittenen Parteien zusammenbringen und mehr als 15.000 Arbeitsplätze retten. Schröder ist aber nicht der erste Politiker, der in einer vertrackten Situation schlichten soll.

Matthias Platzeck
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Es war einer der erbittertsten Arbeitskämpfe in der Lufthansa-Geschichte: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hatte die 19.000 Flugbegleiter im November 2015 zu einem rund einwöchigen Streik aufgerufen, betroffen war gut eine halbe Million Passagiere. Nach Monaten der Verhandlung verkündete Schlichter Matthias Platzeck dann im Juli 2016 die Einigung. Am Ende stand ein Mammutwerk mit 19 Regelungen, die in 29 Einzelverträge gegossen wurden. „Ein bisschen Sisyphus bleibt immer”, resümierte der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident nach der Einigung. Er war aber nicht der Erste, den die Lufthansa zur Schlichtung benötigte.

Klaus von Dohnanyi
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Bereits 2003 moderierte der frühere Erste Bürgermeister von Hamburg erfolgreich einen Tarifkonflikt zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Lufthansa, bei dem es um rund 52.000 Mitarbeiter des Boden- und Kabinenpersonals der Airline ging. 2010 schlichtet er dann erneut einen Tarifstreit bei Lufthansa, dieses Mal hatten die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und das Management nicht zueinander finden können. 

Hans-Dietrich Genscher
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Auch der frühere Außenminister, der im März dieses Jahres verstarb, kam bei Europas größter Fluggesellschaft bereits als Schlichter zum Einsatz. 2001 vermittelte er im Tarifstreit zwischen den Piloten und dem Management. Genscher galt als erfahrener Taktiker und war deshalb eine Idealbesetzung für diesen schwierigen Job. 

Jürgen Trittin
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Der Grünen-Politiker hat maßgeblich dazu beigetragen, das Kapitel Atomenergie in Deutschland im Konsens zu beenden. Im Jahr 2000 handelte er zunächst als Bundesumweltminister mit den Chefs der Atomkonzerne den ersten Atomkonsens aus, der den schrittweisen Ausstieg aus der umstrittenen Technologie einleitete. Jetzt schuf er gemeinsam mit anderen Experten die Grundlage für die langfristig sichere Entsorgung des Atommülls. Trittin stand  gemeinsam mit den anderen Politikern Ole von Beust (CDU) und Matthias Platzeck (SPD) der Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KFK) vor.

Bodo Ramelow und Matthias Platzeck
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Matthias Platzeck an allen Fronten: Im Jahr 2015 wurde Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident zusammen mit dem thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow von den Linken (li.) beim Bahnstreik zu Hilfe gerufen – Ramelow von der Gewerkschaft der Lokführer (GDL), Platzeck von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Fast eine halbe Milliarde Euro kostet die Bahn der längste Streik ihrer Geschichte, zwölf Monate lang zitterten Kunden vor der Zugfahrt, ob die Reise nicht schon am Einstiegsbahnhof endete, 420 Stunden probten die Gewerkschafter den Ausstand – und hielten Fahrgäste wie Speditionen in Atem. Am 1. Juli 2015 konnten beide Schlichter endlich Entwarnung geben.

Heiner Geißler
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Gerne eingeschaltet wird auch Heiner Geißler, ehemaliger Minister und CDU-Fraktionschef. Zuletzt beim Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21, bei dem ihn Baden-Württemberg früherer Ministerpräsident Stefan Mappus (rechts) 2010 rief. Das Schlichtungsverfahren wurde auch deshalb in der Öffentlichkeit so stark beachtet, weil die Debatten zwischen Befürwortern und Gegner im Fernsehen übertragen wurden. Das Ergebnis der Schlichtung: Stuttgart 21 wird gebaut – aber mit deutlichen Änderungen und deutlich teurer als geplant.

Platzeck solle den Gesamtprozess wieder in Gang bringen und weitere Streiks überflüssig machen, heißt es in einem offenen Brief an den Lufthansa-Vorstand. Man müsse die öffentlichen Schuldzuweisungen und inhaltsfreien Eskalationen beenden, verlangte die stellvertretende Ufo-Vorsitzende Sylvia de la Cruz. „Dies kann unseres Erachtens gelingen, da die zuvor angekündigten Streiks in dieser Woche nicht durchgeführt werden.“

Am Donnerstag waren wegen des von Ufo organisierten Doppel-Streiks der Flugbegleiter bei den Eurowings-Teilgesellschaften Eurowings GmbH und Germanwings 393 von 551 geplanten Flügen ausgefallen. Die Eurowings verhandelt parallel mit der Ufo-Konkurrenz Verdi über die Tarife der derzeit rund 480 Flugbegleiter. Es steht nicht fest, welche Gewerkschaft in dem Unternehmen mehr Mitglieder hat.

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1 Kommentar zu "Ufo sagt Streiks ab: Platzeck soll es auch bei Eurowings richten"

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  • Erst wegen "Burn Out" beim BER aufhören.
    Aus Langeweile einfach mal als Schlichter probieren. ^^

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