Uhren von Richard Mille
Mehr Luxus geht nicht

Richard Mille warf seinen Job als Chef der Uhrensparte von Mauboussin hin, um seine eigene Marke zu gründen – und erschuf einen neuen Typus von Uhren. Jahre später hat er ein Luxusproblem: Die Nachfrage ist zu hoch.

MünchenDas Geschäft ist besser gesichert als manche Bankfiliale. Eine Glastür öffnet sich. Erst wenn die sich schließt, öffnet sich – mit ein paar Sekunden Verzögerung – eine zweite Türe. Dann steht der Kunde erst einmal vor drei dicken Glasscheiben, die ihn zwingen nach links oder rechts zu gehen. Dieses spezielle Sicherungssystem soll aber keine Bankfiliale schützen, sondern die erste deutsche Boutique von Richard Mille. Der Franzose verkauft hier an der Münchener Maximilianstraße seit kurzem Uhren, die selbst die Luxusbranche aufhorchen lassen: Der Durchschnittspreis liegt bei 180.000 Euro.

Welche Klientel kauft denn Uhren, die soviel kosten, wie ein gut gepflegter Ferrari? „Ich habe keine Vorstellung, wie groß unser Markt wirklich ist“, räumt der 65-jährige Richard Mille beim Gespräch in der neuen Boutique ein. „Ich weiß nur, dass der Markt derzeit immer weiter wächst.“

Im vergangenen Jahr hat der drahtige Mann mit den unternehmungslustigen Augen weltweit bereits 3.265 Uhren verkauft. In diesem rechnet er mit 4.000. So dürfte er bei einem Durchschnittspreis von 180.000 Euro einen Umsatz von knapp 590 Millionen Euro erzielen.

Dabei ist die Marke in einer Branche, in der Namen wie Patek Philippe oder Vacheron Constantin seit Jahrzehnten den Markt bestimmen, noch sehr jung. Erst kurz vor der Jahrtausendwende brachte Richard Mille seine eigenen Marke heraus. Damals hielten ihn viele für verrückt. „Ich war fünfzig Jahre alt, hatte sieben Kinder, einen sehr gut bezahlten Job als Chef der Uhrensparte von Mauboussin und einen Jaguar als Dienstwagen“, erzählt Mille.

Doch die Idee von der eigenen Marke habe er schon seit 25 Jahren gehabt. Zu seinem 50. Geburtstag wollte er sie unbedingt umgesetzt wissen. „Niemand konnte mich aufhalten“, erzählt Mille mit dem Temperament eines Südfranzosen.

Der Mann, der mehr als zwei Jahrzehnte in der Uhrenindustrie arbeitete, wollte einen neuen Typus von Uhren schaffen – mit Hightech-Materialien und Technologien aus der Flugzeug- und der Formel-1-Branche. So nutzt er hochwertigstes Titan, Carbon und spezielle Keramik.

Die schnörkellosen Uhren, die schlichter sind als die der Mehrheit der Konkurrenten in der Luxusuhrenbranche, kommen bei Sammlern offensichtlich an. Wie Mille begeistern sie sich für schnelle Autos, Boote und Flugzeuge. Da die Nachfrage höher ist als die Produktion hat Mille das Luxusproblem, die Uhren an die Kunden zu verteilen. Er versucht das regional sehr ausgewogen. Je ein Drittel gehen nach Amerika, nach Europa und Asien.

Seine Organisation ist relativ klein. Etwa 130 Mitarbeiter kümmern sich in der Zentrale in der Schweiz, in der dortigen Uhrenmanufaktur sowie im Marketing und der Markenentwicklung in Paris und in den vier weltweiten Vertriebsfirmen sowie in den Boutiquen ums Geschäft.

Mille ist sowohl an der Uhrenmanufaktur als auch an allen vier Vertriebsgesellschaften in London, Beverly Hills, Japan und Singapur je zur Hälfte beteiligt. Die anderen 50 Prozent gehören verschiedenen Partnern aus den Regionen. Die Hälfte der Uhren fertigt er in der eigenen Manufaktur, die andere bei seinem Partner Audemars Piguet Renaud & Papi.

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