Uhrenmesse in der Schweiz
Vorzeigebranche aus dem Takt

Welche Auswirkungen die Aufwertung des Franken auf die Schweizer Wirtschaft hat, zeigt sich auf der Uhrenmesse. Von Umsatzrückgang und Preiserhöhungen ist die Rede. Und von Apples iWatch.
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GenfDer Präsentationsraum ist wie ein Kino eingerichtet. Die dunklen Sitzreihen erhöhen sich nach hinten stufenweise. So hat jeder einen freien Blick auf die Uhrenneuheiten, die vorne gezeigt werden. „Jetzt bitte ich Sie einmal, ganz leise zu sein“, sagt der Marketing-Mann von Audemars Piguet. Er drückt auf einen Knopf an einer recht dicken Herren-Uhr, die für jede Stunde und Minute einen hellen und klaren Glockenschlag von sich gibt.

Der Marketing-Mann strahlt: „Die Royal Oak Concept Acoustic Research ist die erste Uhr der Welt, die wasserdicht ist und eine Minuten-Repetition hat.“ Acht Jahre hätten die Uhrmacher von Audemars Piguet gemeinsam mit der École polytechnique fédérale de Lausanne geforscht, um den Klang so hinzubekommen und das Gehäuse gleichzeitig wasserdicht zu halten.

Willkommen auf der SIHH, dem Salon International de la Haute Horlogerie, dem ersten Branchentreff für Schweizer Luxusuhren. Zugang gewährt Gastgeber Richemont nur auf Einladung. 16 Luxusmarken, die meisten aus dem Hause Richemont wie Cartier oder IWC, präsentieren sich dem ausgewählten Publikum in der Atmosphäre einer First-Class-Lounge eines Flughafens.

Die Messe findet in diesem Jahr zum 25. Mal statt. Doch zum Feiern ist den meisten nicht zu mute. Denn seit vergangenem Donnerstag haben sich die bereits eingetrübten Wachstumsaussichten für die Schweizer Uhrenindustrie dramatisch verschlechtert.

Schuld ist die plötzliche Freigabe des Franken-Kurses durch die Schweizerische Nationalbank. Seitdem hat der Franken zum Euro rund 15 Prozent an Wert gewonnen. Auch zum Dollar hat die Schweizer Währung gewonnen. Da bei der Schweizer Uhrenindustrie die Kosten in Franken, die Erträge aber primär in Euro oder Dollar anfallen, drückt die Aufwertung auf Umsatz und die Margen. Denn die Kosten senken, indem die Produktion ins billigere Ausland verlagert wird, können die Schweizer Uhrenhersteller nicht – sonst verlieren sie ihr Label „Swiss Made“. Und allein dafür legen Kunden laut einer Studie der Uni St. Gallen um bis zu 20 Prozent mehr auf den Tisch.

Am Stand von Audemars Piguet empfängt Gründer-Urenkel Olivier Audemars seine Besucher in einem kleinen Separé, das die Klima-Anlage auf arktische Temperaturen herunter kühlt. Mit seinem dunklen Rollkragen-Shirt unter der hellbeigen Lederjacke will Vorstand der Traditionsmarke so gar nicht in das stylische Ambiente der Uhrenshow passen.

Olivier Audemars hält eine goldene Taschenuhr in der Hand. „Die hat mir meine Tante einmal geschenkt, sie stammt aus dem 18. Jahrhundert“, erzählt er stolz. „Die Uhr erinnert mich daran, dass unser Haus schon viel schwierigere Phasen gut überstanden hat.“

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