Ukraine-Krise
Otto wagt keine Prognose

Der Versandhauskonzern Otto traut sich angesichts der Ukraine-Krise und weltweiten Währungsturbulenzen keine konkreten Geschäftsziele zu. Dabei kann sich der Konzern nicht über schlechte Zahlen beschweren.
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HamburgDer Versandhauskonzern Otto setzt immer stärker auf das Online-Geschäft. Während der Anteil des stationären Ladengeschäfts am Konzernumsatz stagniert und mit klassischen Katalogen immer weniger Geld zu machen ist, boomen dank Smartphones und Tablet-Computern die Bestellungen über das Internet. Im angelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 (per Ende Februar) wuchsen die Erlöse der weltweit mehr als 100 Online-Seiten um 6,4 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro - 61 Prozent der Einzelhandelsumsätze des Hamburger Familienunternehmens stammen inzwischen aus dem Internet, wie der Vorstand am Mittwoch bekanntgab. Im Jahr davor waren es erst 57 Prozent. In zwei Jahren will Otto acht Milliarden Euro Umsatz via Internet erwirtschaften.

Eine Zielmarke für den Onlineanteil nannte Vorstandschef Hans-Otto Schrader nicht. Otto investiert bis 2015 rund 300 Millionen Euro in den Handel über das Internet. Dadurch wollen die Hamburger ihre Position als Nummer zwei hinter dem Giganten Amazon behaupten und aufstrebende Konkurrenten wie das Modehaus Zalando auf Distanz halten.

Vom wachsenden Onlinegeschäft profitiert auch die Logistiktochter Hermes, die die im Internet georderten Waren zu den Kunden bringt. Der Umsatz der Service-Sparte, in der Otto Hermes führt, kletterte im abgelaufenen Geschäftsjahr um 15 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Insgesamt stieg der Umsatz der weltweit tätigen Gruppe mit Marken wie Otto, Baur, Schwab und Crate & Barrel um 1,8 Prozent auf zwölf Milliarden Euro. Allerdings wurde das Wachstum durch den starken Euro gebremst. Der Gewinn sprang um 23 Prozent auf 179 Millionen Euro, weil Otto von niedrigeren Steuern und einer günstigen Refinanzierung profitierte.

Die Unternehmensberatung Booz & Company geht davon aus, dass im Jahr 2020 fast ein Drittel aller Modeartikel, Unterhaltungselektronik und Möbel in Deutschland online gekauft wird. 2012 waren es erst 13 Prozent. Gleichzeitig nehmen Experten zufolge die Besuche in stationären Läden dramatisch ab. Vor allem kleinere Geschäfte in den Innenstädten müssen deshalb aufgeben.

Otto setzt indes weiter auch auf den stationären Handel, der mit 1,1 Milliarden Euro gut zehn Prozent des Einzelhandelsumsatzes ausmacht. Auch an den gedruckten Katalogen, mit denen das 1949 gegründete Familienunternehmen groß geworden ist und die noch für fast ein Drittel des Einzelhandelsgeschäfts stehen, will Otto festhalten. Es sei nicht geplant, aus dem Kataloggeschäft auszusteigen, betonte Schrader. Er machte aber klar, dass der Anteil weiter schrumpfen werde.

Zugleich nimmt der Kampf um Marktanteile im Internet zu. Schrader räumte ein, dass das Geschäft im März und April - den ersten beiden Monaten des Geschäftsjahres 2014/2015 - „verhalten“ gestartet sei. Grund sei auch der aggressive Wettbewerb durch Amazon und Zalando. Maßgeblichen Einfluss habe jedoch die Ukraine-Krise gehabt, die auf die Konsumstimmung schlage. Wegen der politisch angespannten Lage verzichtet das Management zudem auf eine konkrete Prognose für das laufende Jahr. „Wir betrachten das schon mit Sorge“, sagte Schrader mit Blick auf den Konflikt mit Russland.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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