Umbau bei Metro: Handelsriese in schwerem Gelände

Umbau bei Metro
Handelsriese in schwerem Gelände

Der Handelskonzern Metro steckt im größten Umbruch der Unternehmensgeschichte. Metro-Chef Koch zwingt den Handelsriesen zur Diät und will stärker auf das Onlinegeschäft setzen. Das stößt auf Widerstand.
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DüsseldorfWer abnehmen will, braucht Bewegung. Nicht umsonst vergleicht Metro-Chef Olaf Koch den Umbau des Handelskonzerns mit einem Marathon, als er heute bei der Hauptversammlung vor seine Aktionäre tritt. Seit gut zwei Jahren setzt Koch den Mutterkonzern von Media-Saturn, Real und Kaufhof auf Diät. Man sei „in schwerem Gelände und in schwierigen Wetterbedingungen“ unterwegs. Die Konjunktur in Europa schwächelt in wichtigen Märkten. Der Umsatz von drei der vier Unternehmenssäulen stagniert oder schrumpft im ersten Quartal.

Nach dem Rauswurf aus dem Dax musste Metro zuletzt einen weiteren Nackenschlag hinnehmen. Lidl überholte die Düsseldorfer und ist nun der größte deutsche Handelskonzern.

Für Metro-Chef Koch kein Grund für Pessimismus. Der Konzern habe eine „große Zukunft vor sich, wenn wir das tun, was wir uns vorgenommen haben“. Für seine Pläne braucht Koch vor allem frisches Kapital. „Wir hatten eine Verschuldung, die durchaus nicht unkritisch war“, sagt er. Mittlerweile habe man sie um 2,3 Milliarden Euro gesenkt.

Um den Sanierungskurs fortzusetzen, will Koch das lukrative Geschäft mit den Großmärkten zu Geld machen. In Russland plant der Handelskonzern einen Teilbörsengang der Sparte „Metro Cash&Carry“. Ein Schritt, der nicht bei allen Aktionären auf Verständnis stößt. Analysten gehen davon aus, dass der Verkauf des Minderheitsanteils eine Milliarde Euro oder mehr in die Kasse des Konzerns spülen könnte.

Ingo Speich von Union Investment geht mit dem Metro-Chef auf der Hauptversammlung allerdings hart ins Gericht: „Warum wollen Sie eine langfristig profitable Cashcow der kurzfristigen Liquidität opfern und Außenstehende an der lukrativsten Einheit des Konzerns beteiligen?“ Die Immobilien der Cash&Carry-Gruppe in Frankreich hatte Metro im vergangenen Jahr verkauft. Koch will die große Handelsmärkte künftig stärker an den lokalen Bedürfnissen ausrichten. Dazu bietet das Unternehmen einen eigenen Lieferservice an und will auch die Sortimente der regionalen Nachfrage stärker anpassen.

Schlechter sieht es im Supermarktgeschäft des Handelsriesen aus. Im Preiskampf mit den Discountern werden die großflächigen Märkte der Metro-Tochter Real zerrieben. Die Expansionsstrategie der Vorgänger von Koch hat sich als wenig lukrativ erwiesen. Die Märkte in Russland, der Ukraine und Rumänien mussten zuletzt wieder verkauft werden. Ein Grund, warum der Umsatz der Supermarktkette im ersten Quartal im Jahresvergleich um 16 Prozent einbrach. Selbst flächenbereinigt steht unterm Strich ein Minus von zwei Prozent. Mit einer eigenen Billigmarke und einem neuen Supermarktkonzept versuchte der Konzern zuletzt, dagegen zu halten. Die Marge von zwei Prozent fällt entsprechend mager aus.

Immerhin: Die größten Grabenkämpfe bei der Elektroniktochter Media-Saturn scheinen beendet zu sein. Die Macht des Gründers und Großaktionärs von Media-Saturn, Erich Kellerhals, konnte die Metro durch die Einrichtung eines Beirats aushebeln, der mittlerweile wohl auch juristisch Bestand hat. Die Probleme von Media Markt und Saturn scheinen damit aber noch nicht gelöst.

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„Verkaufen Sie Kaufhof“

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  • sehr gut gesagt!
    Metro ist schon seit sehr vielen Jahren ein hoffnungsloser Sanierungsfall, das Konzept schon seit fast 50 Jahre gleich. Ein Wunder, dass die Metro noch existiert!
    Existieren tun auch noch bei der Metro die uralten "Manager" die für diesen Untergang verantwortlich sind. Nicht zu sprechen über den immensen Schildenberg, der noch da ist!

  • Ich denke über kurz oder lang sind viele Sparten der Metro dem Tode geweiht, Online-Ausbau hin oder her!

    Ich kenne aus der jüngeren Generation der 30er bis jungen 40er so gut wie nur noch Einzelfälle, die bei Kaufhof oder Media Saturn shoppen. Wenn hier nicht der totale Umbruch in den nächsten 4-5 Jahren ankommt und weiter irgendwelche greisen Patriarchen vor sich hinwursteln, wird den Ketten das gleiche Schicksal ereilen wie dem für mich bereits seit längerem toten Karstadt.

    Von den Nachbarn in den High-Streets von P&C (vgl. Filialbau) oder eben Amazon scheint man die gleichen Lichtjahre entfernt wie schon vor 5 Jahren. Ob das bei Aussterben der älter werdenden Generation besser wird?

    Also Metro: Nur weiter so :) und gute Nacht

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