Umbau des US-Geschäfts
Post-Chef schreibt Brief an McCain

Die Restrukturierungspläne der Deutschen Post für das hoch defizitäre US-Expressgeschäft sorgen im amerikanischen Wahlkampf für viel Wirbel. Der Chef der Deutschen Post, Frank Appel, hat in einem Brief an den republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten John McCain die Pläne verteidigt.

HB DÜSSELDORF. Die Deutsche Post hat die Umbaupläne für ihr chronisch verlustreiches US-Expressgeschäft verteidigt, die wegen drohender Stellenstreichungen Thema im US-Präsidentschaftswahlkampf geworden sind. Post-Chef Frank Appel schrieb in einem Brief an den republikanischen Bewerber John McCain, es gebe keine Alternative zu den „drastischen Maßnahmen“. Die Post verliere in den USA jährlich rund 1,3 Mrd. Dollar. Der Plan, der Transporte von Expresssendungen durch den Konkurrenten UPS vorsieht, schränke auch den Wettbewerb mit dem US-Konzern nicht ein. Der Brief lag der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vor.

Die Post arbeite an Maßnahmen, um der besonders betroffenen Region um ihren Standort Wilmington im US-Bundesstaat Ohio zu helfen, schrieb Appel weiter. Er werde persönlich zu „gegebener Zeit“ in die USA reisen, um über die Umsetzung der Hilfen zu reden. Die Post geht von Sonderaufwendungen von zwei Milliarden US-Dollar für die Umsetzung des Plans aus. Darin enthalten sind auch Gelder für Hilfen an die Beschäftigten und die Region. Eine Post-Sprecherin betonte aber: „Zum heutigen Tag sind keine zusätzlichen Zahlungen für die Restrukturierung geplant.“ In Medienberichten hatte es geheißen, der Konzern wolle weitere Gelder in die Region pumpen, um die Folgen der Schließungspläne abzumildern.

Die Deutsche Post will das seit Jahren mit Milliarden- Verlusten kämpfende US-Expressgeschäft der Tochter DHL unter anderem durch eine Kooperation mit dem Rivalen UPS sanieren. UPS soll für die Post Sendungen innerhalb der USA per Luftfracht transportieren. Beide Seiten verhandeln derzeit über ein Abkommen. Gelingt eine Übereinkunft, könnten rund 8000 Beschäftigte am DHL-Luftverkehrsdrehkreuz in Wilmington ihre Arbeit verlieren. Die Gespräche mit UPS liefen wie geplant, Details müssten aber noch geklärt werden, schrieb Appel Anfang der Woche in einer Mitteilung an Post-Manager. Er erwarte auch nicht, dass es kartellrechtliche Probleme geben werde. UPS werde nur eine Dienstleistung für die Post erbringen. Solche Abkommen seien in der Branche üblich. Auch der zweite große US-Anbieter, FedEx, transportiere in seiner Luftfracht Sendungen für die US-Post. McCain hatte die Frage aufgeworfen, ob ein Abkommen zwischen UPS und der Post-Tochter DHL, der Nummer drei am US-Expressmarkt, den Wettbewerb einschränken könnte. Ein sich lang hinziehendes Kartellverfahren kann die Post nicht brauchen, denn dann häufen sich die Verluste weiter an.

McCain hatte Anfang August Wilmington besucht und sich besorgt wegen des möglichen Job-Abbaus gezeigt. Später hatte er sich in einem Schreiben persönlich an den Post-Vorstand gewandt. Er wolle die Pläne auch im US-Kongress zum Thema machen. Auch der Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, Barack Obama, hatte sich besorgt über die Sanierungspläne geäußert. US-Politiker befürchten drastische Folgen für die strukturschwache Region und den Bundesstaat Ohio, der auch mit den Folgen der lahmenden Automobilkonjunktur kämpft. Im US-Senat waren bereits Rufe nach einer kartellrechtlichen Untersuchung der geplanten Kooperation der beiden Rivalen DHL und UPS laut geworden.

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