Umbruch im Pharmahandel
Offene Schlacht um Alliance Boots

Die Aussicht auf eine Marktliberalisierung heizt das Interesse am europäischen Pharmahandel an: Die Beteiligungsgesellschaften KKR und Terra Firma überbieten sich mit Offerten für die britische Apotheken- und Drogeriekette Alliance Boots. Die Chancen für die deutsche Celesio sind derweil gesunken.

LONDON / FRANKFURT. Mit immer höheren Summen versuchen Finanzinvestoren, im europäischen Pharmahandel groß zu werden. Das hat am Wochenende der eskalierende Kampf um die britische Apotheken- und Drogeriekette Alliance Boots untermauert.

In schneller Folge überboten sich zwei konkurrierende Private-Equity-Gruppen. Die Führung von Alliance Boots entschied sich zunächst für das zum zweiten Mal erhöhte Angebot des Private-Equity-Hauses KKR, das mit Alliance-Boots-Großaktionär Stefano Pessina zusammenarbeitet. Doch die konkurrierende Gruppe um den Finanzinvestor Terra Firma, die Stiftung Wellcome Trust und die britische Bank HBOS überbot die Offerte, und der Aktienkurs stieg noch darüber hinaus. Mit einem zuletzt gebotenen Preis von 10,9 Mrd. Pfund (umgerechnet 16 Mrd. Euro) wäre die Übernahme von Alliance Boots der mit Abstand größte Private-Equity-Deal in Europa. Den Weltrekord hält KKR mit dem Kauf des US-Energieversorgers TXU für 44 Mrd. Dollar.

Der Bieterkampf wird angetrieben von der Aussicht auf neue Geschäftsmöglichkeiten, die sich durch eine Liberalisierung des Apothekenmarktes in Kontinentaleuropa ergeben könnten. So gehen Branchenfachleute davon aus, dass der Europäische Gerichtshof in diesem Jahr das deutsche Fremd- und Mehrbesitzverbot für Apotheken kippen und damit auch hier zu Lande den Weg für Apotheken-Ketten frei machen wird.

Die Finanzinvestoren und etablierte Pharmahändler stehen insofern unter Zeitdruck, als auch andere Handelsunternehmen im Apothekengeschäft ihre Chance wittern. So bestätigte die Drogeriemarktkette Schlecker dem Handelsblatt, dass sie eigene Pharmahandels-Aktivitäten vorantreibt. „Wir verkaufen bereits heute in ausgesuchten Märkten in den Niederlanden niederländische frei verkäufliche Arzneimittel“, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

KKR und Pessina begründeten am Freitag ihre erhöhte Offerte von 10,90 Pfund je Aktie mit den Strukturveränderungen im europäischen Pharmahandel. Das zwinge Alliance Boots, sich schneller als bisher zu einem Gesundheitsdienstleister umzugestalten. „Das ist am besten unter privater Eigentümerschaft möglich“, hieß es.

Die Chancen für den deutschen Pharmahändler Celesio, noch in den Kampf einzugreifen, sind allerdings gesunken. KKR lehnt eine Beteiligung der Deutschen am Konsortium ab. Celesio will weiterhin keinen Kommentar zu den Spekulationen um Alliance Boots abgeben. Ein Sprecher bestätigte aber, man sei prinzipiell daran interessiert, im Großhandel und im Apothekengeschäft zu wachsen. Branchenkenner gehen davon aus, dass Celesio an Teilen von Alliance Boots interessiert wäre. Und nach Informationen aus Finanzkreisen hat der Konzern in London auch nach Partnern für eine Gegenofferte gesucht.

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