Umfrage
Investor-Relations-Manager setzen strategisch auf Nachhaltigkeit

Die große Mehrheit der Investor Relations-Chefs misst Nachhaltigkeit einen strategischen Stellenwert zu und erwartet, dass sie an Bedeutung gewinnt. Das ergab ein Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK und des Deutschen Investor Relations Verbandes (DIRK) unter 840 IR-Verantwortlichen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt vor.
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BerlinFür die meisten börsennotierten Unternehmen sind die Institutionellen Investoren die wichtigste Zielgruppe für nachhaltige Themen, die Österreicher bezeichnen die Mitarbeiter als wichtigste Adressaten. Nachhaltigkeit bedeutet, Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen (etablierte englische Abkürzung: ESG) in Strategie und Entscheidungsprozesse zu integrieren. Hauptgrund, um über darüber im Geschäftsbericht oder anderen Kanälen zu informieren, sei die "wirtschaftliche Verantwortung", so die IR-Chefs. Danach erst folgen Image, gesellschaftliche Verantwortung, Notierung in Nachhaltigkeitsindizes und-Fonds sowie Wettbewerbsvorteile. Der Anteil derer, die Wettbewerbsvorteile nennen, ist bei britischen Unternehmen und Dax-30-Konzernen besonders hoch. Die schriftliche Befragung bestätigt eine Online-Umfrage der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) und der Beratungsagentur Akzente, wonach sich ESG und Unternehmensverantwortung als IR-Thema etablieren.

Jedoch ist dies bei Klein- und Mittelständlern oft noch nicht angekommen, für viele ist es Neuland. Der DIRK will sie darum aufrütteln und platziert das Thema aktuell auf Mitgliederversammlungen und anderen Veranstaltungen. "Nachhaltigkeit ist unabhängig von der Werte- und Vertrauensdebatte ein Trend, an dem IR nicht vorbei kommt", sagte Geschäftsführer Kay Bommer dem Handelsblatt. "Wenn IR-Profis als Inkubator im eigenen Unternehmen auftreten und sich nach außen mit ESG-Themen positionieren, nehmen Analysten und Investoren das Thema wahr als das was es ist: bedeutsam für die Firmenbewertung."

Die meisten großen Unternehmen haben laut GfK verbindliche Standards oder werden sie binnen 12 Monaten festlegen. Das Thema sei strategisch und operativ verankert, so die IR-Verantwortlichen. Das Gegenteil ermittelte jedoch eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Kienbaum: Noch sei das Nachhaltigkeitsmanagement bei den meisten Top-Konzernen in der Findungsphase. "In mehr als der Hälfte der Firmen klafft eine beträchtliche Lücke zwischen Anspruch und den organisatorischen Strukturen", resümiert Geschäftsführer Alexander von Preen. Das berge eine erhebliche Gefahr für die Glaubwürdigkeit und ein wirtschaftliches Risiko.

Unterdessen arbeiten die Firmen an besserer IR-Kommunikation: Fast die Hälfte der Dax-30-Konzerne hat IR-Mitarbeiter mit Nachhaltigkeitsthemen beauftragt, recherchierte das ?Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investment?. Kommunikationsexperten raten, ihre Kapitalmarktgeschichte zu aktualisieren. "Nachhaltigkeitsmanagement, Investor Relations und Kommunikation sollten die Equity Story ihrer Aktiengesellschaft neu schreiben und Analysten und Anlegern zeigen, dass und wie verantwortliches Handeln den Unternehmenswert steigert", sagt Axel Klein von Akzente. Erste Firmen haben damit dieses Jahr begonnen, zum Beispiel BASF. "Wir haben zwei Kapitalmarktstories, eine für alle Institutionellen und eine für nachhaltige Investoren. Zentrale Nachhaltigkeitsthemen behandeln wir jedoch auch in der allgemeinen Kapitalmarktstory", sagte IR-Chefin Magdalena Moll dem Handelsblatt.

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Susanne Bergius
Susanne Bergius
/ selbstständige Journalistin

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