Umsätze im Keller
Werbemarkt zieht Agenturen runter

Deutschlands Werbeagenturen sprühen normalerweise nur so vor Dynamik und Optimismus. Doch im aktuellen Herbstmonitor des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen, der am Freitag in Berlin vorgestellt wird, klagen sie erstmals über massive Umsatzeinbrüche. Für das kommende Jahr sieht der Branchenverband allerdings wieder erste Erholungszeichen.

DÜSSELDORF. Die befragten Agenturchefs erwarten in diesem Jahr ein Umsatzminus von acht Prozent – einen derart hohen Rückgang hatten sie das letzte Mal vor neun Jahren verzeichnet. Erfahrungsgemäß bewerten die Werber das eigene Geschäft weitaus positiver als den gesamten Werbemarkt. Deshalb rechnen Branchenkenner tatsächlich mit einem insgesamt zweistelligen Umsatzeinbruch. Die Umfrage gilt als repräsentativ: Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) deckt nach eigenen Angaben 80 Prozent des relevanten Agenturmarktes in Deutschland ab.

Die Wirtschaftskrise lässt 2009 aber nicht nur die Umsätze in den Keller rauschen, sie sorgt auch für einen empfindlichen Rückgang der Renditen: Sie liegen um durchschnittlich fast 24 Prozent niedriger als im Vorjahr. Seit mehreren Jahren klagen Agenturbosse über den steigenden Margendruck. Vorangetrieben wird diese Entwicklung von der erhöhten Bedeutung der Onlinewerbung, die weitaus geringere Renditen verspricht als klassische Werbung.

Die Folge: Die Mehrheit der befragten Unternehmen hat in diesem Jahr Mitarbeiter entlassen. Auch Kurzarbeit stand bei vielen Agenturen auf der Tagesordnung. Nach den Aufschwungjahren 2005 bis 2008 ist dies ein deutlicher Stimmungswechsel in der Kreativbranche.

Für das kommende Jahr sieht der Branchenverband allerdings erste Erholungszeichen und erwartet ein Umsatzwachstum von drei Prozent. „Agenturen können wieder auf eine Belebung der Auftragslage hoffen“, sagt GWA-Präsident Peter John Mahrenholz.

Erste Anzeichen einer weltweiten Erholung registriert auch das Marktforschungsunternehmen Nielsen in der am Donnerstag veröffentlichten Studie „Global Adview Pulse“: Während die weltweiten Werbeausgaben im ersten Quartal 2009 noch um 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sanken, gingen sie im zweiten Quartal nur um 5,8 Prozent zurück. Für Wachstum sorgt die asiatisch-pazifische Region, wo die Werbespendings im ersten Halbjahr um 2,2 Prozent stiegen.

Viele werbetreibende Unternehmen haben in diesem Jahr den Rotstift bei ihren Marketingbudgets angesetzt. Dies betrifft vor allem die Branchen Automobil (minus 21 Prozent) und Finanzen (minus 17,2 Prozent). Allerdings haben sich laut Nielsen auch drei Branchen gegen diesen prozyklischen Marketingtrend gestemmt: Handel, Konsumgüter und die Gesundheitsbranche haben im ersten Halbjahr 2009 weltweit mehr geworben als im Vorjahr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%