Umsätze sinken
Sporthandel legt sich mit der Industrie an

Fachgeschäfte klagen zunehmend über die Lieferbeschränkungen. Doch die Konzerne bleiben hart.

MÜNCHEN. Der deutsche Sportfachhandel ist sauer auf die großen Sportartikel-Konzerne. Die Unternehmen ärgert, dass sie viele modische Produkte der namhaften Anbieter nicht verkaufen dürfen. Werner Haizmann, Chef des Verbands Deutscher Sportfachhandel (VDS) droht deshalb jetzt damit, die gesamte Produktpalette einzelner Hersteller auszulisten.

Der Hintergrund: Große Sportartikelproduzenten wie Adidas-Salomon und Puma haben in den vergangenen Jahren eigene Modekollektionen aufgebaut. Die hochpreisigen Schuhe und Kleider verkaufen die Konzerne aber nicht in den traditionellen Sportgeschäften, sondern in eigenen Läden oder Mode-Boutiquen. Bestimmte Artikel bieten die Hersteller den Fachhändlern deshalb gar nicht erst an.

Das stößt den VDS-Mitgliedern bitter auf. Sie fühlen sich von den Sportkonzernen im Stich gelassen, denn die Lage ist angespannt: Seit einigen Jahren sinken die Umsätze; allein im vergangenen Jahr musste der deutsche Sportfachhandel Einbußen von 5 % hinnehmen.

Die Modelinien von Adidas & Co könnten nach Ansicht des VDS-Präsidenten das Geschäft beleben. Deshalb fährt Haizmann schweres Geschütz auf: „Diese Anbieter pokern ziemlich hoch und müssen das Risiko in Kauf nehmen, dass ihre jetzt praktizierte Auslistung unserer Geschäfte im Gegenzug zur Auslistung ihrer Produktpalette führt.“

Für Zwist sorgt zudem, dass die Sportartikelproduzenten viele eigene Läden eröffnen. Weltweit unterhalten die Konzerne hunderte Geschäfte, in denen sie ihre Produkte selbst verkaufen.

Die Industrie will die Vorwürfe nicht akzeptieren. 70 % der Puma- Umsätze in Deutschland würden nach wie vor im Sportfachhandel erzielt, sagte ein Sprecher des Unternehmens. „Wir werden unsere selektive Vertriebsstrategie nicht verändern“, zeigt sich auch Adidas-Salomon von der Kritik unbeeindruckt. Der hinter Nike zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt werde seine Kollektionen weiter dorthin liefern, wo sie für die entsprechende Zielgruppe am besten präsentiert werden. Zudem gebe es auch Sonderkollektionen für Fachhandelsgruppen wie Intersport.

Puma kündigte sogar an, die selektive Vertriebsstrategie noch auszubauen. „Damit stärken wir nicht nur das Image, sondern steigern die Begehrtheit der Marke. Das liegt auch im Interesse des Fachhandels, weil der Abverkauf von Produkten nicht nur kurzfristig, sondern langfristig gestärkt wird.“

Die Schwierigkeiten des Handels halten die Hersteller zum Teil für hausgemacht. Urs Maron, Marketing-Chef des Skiproduzenten Atomic, beklagt, dass viele Geschäftsinhaber Wachstumssegmente, beispielsweise besondere Angebote für Frauen, noch nicht erkannt hätten: „Der Fachhandel zeigt seine Produkte bislang sehr Technik orientiert und kaum Zielgruppen orientiert. Da sehen wir großes Verbesserungspotenzial."

Modische Trendprodukte, so die Meinung der Industrie, ließen sich eben nicht direkt neben Tennisschlägern und Skischuhen verkaufen. „Das sind die schmerzlichen Erfahrungen vom Anfang der 90er Jahre“, sagte ein Puma-Sprecher. Damals wurden die Produkte mit der Raubkatze verramscht, die Marke ging fast kaputt.

Heute haben alle großen Konzerne ausgeklügelte Vertriebsstrategien. Sie haben kein Interesse, dass ihre 150 Euro teuren Schuhe im Schlussverkauf für 60 Euro auf den Wühltischen landen. „Wenn das passiert, wenden sich die modischen Trendkäufer von der Marke ab“, sagt ein Branchenkenner. Das wäre der Anfang vom Ende einer Marke wie Puma.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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