Umsatz
Einzelhändler atmen im Oktober durch

Viel ist es nicht, aber die deutschen Einzelhändler können sich im Oktober zumindest über ein leichtes Umsatzplus freuen. Doch der Vergleich zum Vorjahr fällt bitter aus. Das Urteil von Experten fällt gemischt aus.
  • 0

HB BERLIN. Die deutschen Einzelhändler haben im Oktober einen leichten Umsatzanstieg verbucht. Sie nahmen 0,6 Prozent mehr ein als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Bereinigt um Preisschwankungen blieb ein reales Plus von 0,5 Prozent - das war der erste Zuwachs nach zwei Rückgängen in Folge. Von Reuters befragte Experten hatten einen Umsatzanstieg in dieser Höhe vorausgesagt.

Allerdings blieben die Einnahmen erneut deutlich unter dem Vorjahresniveau. Sie fielen um 2,4 Prozent niedriger aus als im Oktober 2008. Das war bereits der sechste Rückgang in Folge. Real blieb ein Minus von 1,7 Prozent. Die größten Einbußen musste der Internet- und Versandhandel hinnehmen, dem 4,9 Prozent weniger in den Kassen blieb als vor Jahresfrist. Ähnlich schlecht lief es für Supermärkte, die ein Minus von 3,3 Prozent meldeten. Gefragt waren zu Herbstbeginn dagegen Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren. Hier stieg der Umsatz um 6,9 Prozent. Im Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf gab es ein Plus von 2,5 Prozent. Waren- und Kaufhäuser nahmen 1,0 Prozent mehr ein.

Von Januar bis Oktober setzte der Einzelhandel 2,5 und real 1,8 Prozent weniger um als vor einem Jahr. Für das gesamte Jahr rechnet der Branchenverband HDE mit einem Umsatzrückgang von etwa zwei Prozent. Der Einzelhandel setzt auf das Weihnachtsgeschäft im November und Dezember. Allerdings war das von der GfK ermittelte Konsumklima-Barometer für diese beiden Monate jeweils leicht gesunken.

Klaus Schrüfer von der SEB sagt: „Der Jahresvergleich zeigt, dass die private Konsumnachfrage weiter recht verhalten ist. Das Weihnachtsgeschäft könnte etwas besser ausfallen als im vergangenen Jahr, da die Krisenängste damals am größten waren. Die privaten Haushalte dürften dennoch sehr selektiv einkaufen, da viele eine Verschlechterung am Arbeitsmarkt erwarten. Der Konsum wird sich weiterhin eher seitwärts entwickeln, es sind keine großen Impulse zu erwarten, aber auch kein schwerer Einbruch.

Für die Dekabank meint Sebastian Wanke: „Das sind eher schwache Zahlen. Der Wetterumschwung hat sicher den Umsatz gestützt. Aber nach den beiden schwachen Vormonaten hatte ich mit einem deutlicheren Zuwachs gerechnet. Zudem ist die Abwrackprämie ausgelaufen und hat kein neues Geld mehr gebunden, das dem Einzelhandel dann gefehlt hätte. Insofern ist ein Belastungsfaktor weggefallen. Der private Konsum wird in den nächsten Monaten sehr schwach bleiben. Ich erwarte ein eher maues Weihnachtsgeschäft. Die steigende Arbeitslosigkeit und die Angst vor dem Jobverlust werden für Kaufzurückhaltung sorgen. Auch die Löhne und Gehälter werden im kommenden Jahr eher rückläufig sein und den Konsum bremsen.“

Und Jürgen Michels von der Citigroup ergänzt: "Der Vergleich zum Vormonat ist keine Enttäuschung und ein gutes Zeichen. Das ist aber nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass nun der große Konsumanstieg zu erwarten ist. Teilweise handelt es sich um eine Korrektur der schwachen Zahlen in den Vormonaten. Das Weihnachtsgeschäft kann einigermaßen gut verlaufen, für den privaten Verbrauch insgesamt wird es aber mit Auslaufen der Abwrackprämie aber einen Dämpfer geben.“

Kommentare zu " Umsatz: Einzelhändler atmen im Oktober durch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%